Berlin Deutschland legt bei Exporten zu

DIETER KELLER 17.08.2012
Deutsche Produkte sind weltweit gefragt: Der deutsche Export gewinnt wieder an Fahrt. Im nächsten Jahr dürfte er um sechs Prozent wachsen. Selbst Europa beginnt sich wieder zu erholen.

Deutschland ist auf dem Sprung, wieder Vizeweltmeister zu werden. Nicht im Fußball, sondern im Export: Da dürfte es 2013 nach drei Jahren erstmals wieder gelingen, die USA zu überholen. Das erwartet der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Volker Treier. Unangefochtener Spitzenreiter bleibt China.

Basis für Treiers Optimismus ist die alljährliche Umfrage bei den 120 Außenhandelskammern, die in 86 Ländern deutschen Unternehmen unter die Arme greifen. Aufgrund ihrer Einschätzungen rechnet der DIHK damit, dass die Exporte 2012 um 4 Prozent und 2013 um 6 Prozent zunehmen. Damit würden sie in diesem Jahr im Gleichschritt mit der Weltwirtschaft wachsen, im nächsten noch etwas stärker. 2012 fiele das Plus allerdings nur halb so hoch wie 2011 aus, eine Folge der sich abschwächenden Konjunktur in Europa.

Die Importe dürften in diesem und im nächsten Jahr gleich stark wachsen wie die Ausfuhren. Der Handelsbilanzüberschuss kann den Rekordwert des Jahres 2007 von 180 Mrd. EUR erreichen. "Das heißt nicht nur, dass deutsche Produkte in aller Welt gefragt sind", kommentiert dies Treier. "Deutschland baut damit auch seine Rolle als wichtiger globaler Kapitalgeber aus."

Ausgerechnet das schwächelnde Europa soll dafür sorgen, dass die Weltwirtschaft im nächsten Jahr wieder stärker wächst: Der DIHK sieht erste Früchte der Maßnahmen zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit in der Euro-Zone, auch wenn sie erst einmal klein sind. Allerdings muss der eingeschlagene Reformweg konsequent weiter gegangen werden, fordert Treier mit Blick auf beeindruckende Listen aus Portugal, Irland, Spanien und Italien. Auch in Griechenland sei viel auf den Weg gebracht worden. "Wir brauchen Geduld und nicht jeden Tag neue Vorschläge", gibt sich Treier zuversichtlich, dass die Griechen im Euro bleiben.

Bei aller Zuversicht bremst die schwache europäische Konjunktur das Exportwachstum. Etablierte Länder wie Italien oder Großbritannien verlieren an Bedeutung, während Russland auf dem Sprung auf Platz 5 unter den deutschen Exportländern ist. Im letzten Jahr belegte es erst Rang 12. Wichtigster Exportmarkt ist und bleibt Frankreich.

Das größte Konjunkturrisiko für die Exporteure sind die hohen Energie- und Rohstoffpreise. Zudem kämpfen sie zunehmend mit Handelshemmnissen wie Zollvorschriften oder aufwändigen Zertifizierungen. Auch die Finanzierung macht Probleme; Geschäfte platzen, weil die ausländischen Partner nicht die nötigen Kredite bekommen.

Für den Mittelstand ist der Euro noch viel wichtiger als für die großen Konzerne, betont Arndt G. Kirchhoff als Vorsitzender des Mittelstandsausschusses des Industrieverbands BDI. Denn der Euro-Raum ist für die Mittelständler das Hauptaktivitätsgebiet, "unser eigentlicher Heimatmarkt". Trotzdem sieht Kirchhoff einen Euro-Austritt Griechenlands gelassener als Treier: Er befürchtet keine negativen Auswirkungen auf die Kreditfähigkeit anderer Länder. Die Mittelständler wollen verstärkt für günstige Rahmenbedingungen für Familienunternehmen werben.