Außenhandel Deutsche Wirtschaft schaut nicht nur nach China

Bundeswirtschaftsminister auf Asientour.
Bundeswirtschaftsminister auf Asientour. © Foto: dpa
Berlin / Dieter Keller 04.11.2018

Ein bisschen wehmütig klang Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier, als er zum Abschluss seiner Asienreise Studenten der katholischen Atma Jaya Universität in Jakarta das deutsche Modell der Sozialen Marktwirtschaft nahezubringen versuchte. „Sie sind die Hoffnung für die Zukunft“, warb er um sie. Vor uns stehe eine „Zeit großen Wachstums“ und ökologischer Herausforderungen.

Wie viel kann der CDU-Politiker selbst noch beeinflussen? Politische Ämter sind nur auf Zeit vergeben, sinnierte er auf seinem Trip durch Japan und Indonesien.

Die deutsche Wirtschaft braucht die Länder der Asien-Pazifik-Region von Pakistan bis Australien dringend – für Exporte wie für Aktivitäten vor Ort. Nirgendwohin außerhalb von Europa exportiert sie so viel. In den ersten sechs Monaten 2018 gingen 17 Prozent aller deutschen Ausfuhren in diese Region. In den letzten zehn Jahren wuchsen sie jährlich im Schnitt um 7,4 Prozent, fast dreimal so stark wie die gesamten deutschen Exporte.

Wie laut hier die Musik spielt, zeigt die Entwicklung in den letzten zehn Jahren: Der Anteil der Asien-Pazifik-Region an der Weltwirtschaft wuchs von 24 auf 34 Prozent. In fünf Jahren könnten es schon 38 Prozent sein, erwartet der Internationale Währungsfonds. Die Länder haben viel Nachholbedarf, ihre Bevölkerung wächst rasant. Indonesien beispielsweise ist mit über 260 Millionen Einwohnern das viertgrößte Land der Welt, jährlich kommen etwa 3 Millionen dazu. Schon um sie alle zu ernähren, muss die Wirtschaft kräftig wachsen.

Davon will die deutsche Wirtschaft ein Stück abbekommen.  Lange schaute sie hauptsächlich auf China. Dorthin wanderte im vergangenen Jahr mit 86 Milliarden Euro fast die Hälfte der deutschen Exporte in die Region. Nach Indien gingen nur Waren für 10,7 Milliarden Euro, obwohl das Land China inzwischen bei der Zahl der Einwohner eingeholt hat. Indien ist zwar die größte Demokratie der Welt, doch gegenüber Importen schirmt es sich immer noch stark ab.

„Die deutsche Wirtschaft hat Südostasien nicht vernachlässigt“, sagt Hubert Lienhard, Vorsitzender des Asien-Pazifik-Ausschusses der deutschen Wirtschaft. Doch China hatte Priorität. In Indonesien hat kein deutscher Autohersteller eine eigene Produktion. Daher sieht man auf den Straßen nur wenige Luxuskarossen von Mercedes-Benz oder BMW, aber jede Menge japanische und koreanische Kleinwagen. Was wenig erstaunlich ist: Die Wirtschaftskraft pro Kopf erreicht nicht einmal ein Zehntel der deutschen. Gleichzeitig weiß Lienhard als Ex-Chef des Heidenheimer Industriekonzerns Voith, dass solche Länder beispielsweise für Anlagenbauer oft nicht mehr aus Deutschland zu bedienen sind. Ohne Produktion vor Ort geht es nicht.

Dass die deutsche Wirtschaft verstärkt Asien im Fokus hat, liegt auch am weltweit zunehmenden Protektionismus, der nicht zuletzt von US-Präsident Donald Trump losgetreten wurde. Wenn der freie Welthandel in Gefahr ist, liegt es nahe, dass sich die Länder verbünden, die ihn weiter pflegen wollen.

Die Taktik der Chinesen ist schwer zu durchschauen. Einerseits ist das Reich der Mitte ein wichtiger Markt. Andererseits bemüht es sich mit großer Macht, die wirtschaftliche Weltmacht Nummer 1 zu werden, und wird dabei zunehmend zur Krake. Unter dem Stichwort „Neue Seidenstraße“ baut China gigantische Handels- und Infrastrukturnetze quer durch Asien, Europa und Afrika auf und finanziert sie mit Milliarden-Krediten, welche die Länder abhängig machen.

In Deutschland wissen Politiker und Unternehmen nicht so recht, was sie davon halten sollen: Können sie profitieren, ob beim Bau oder bei der Nutzung neuer Häfen, Straßen und Eisenbahnverbindungen, oder drohen sie überrollt zu werden?  Altmaier gibt sich vorsichtig: Er begrüßt die Neue Seidenstraße – „wenn sie offen ist für alle“.

8000 asiatische Firmen im Land

Als Investoren sind Deutsche im Asien-Pazifik-Raum schwer aktiv: 2016 addierten sich die deutschen Direktinvestitonen in der Region auf 173 Mrd. €, haben die deutschen Außenhandelskammern ausgerechnet.

Das ist keine Einbahnstraße: Voriges Jahr beschäftigten über 8000 asiatische Unternehmen in Deutschland 300 000 Mitarbeiter. Allein Japaner hatten 2016 in Deutschland 20,6 Mrd. € investiert, deutlich mehr als umgekehrt. Für Diskussionen sorgen dagegen hauptsächlich Chinesen, die deutsche Hightech-Unternehmen übernehmen wollen. dik

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