Luitgard Fuchs lehnt sich in dem bequemen Ledersessel zurück und schaut sich um: "Das ist schon toll, wie die aus dem kleinen Raum ein richtiges Wohnzimmer machen. Das ist wirklich ausgeklügelt." Mit ihrem Mann Helmut ist sie aus der Gemeinde Blaustein (Alb-Donau-Kreis) auf die Reisemesse Caravan, Motor, Touristik (CMT) nach Stuttgart gekommen. Das Ehepaar genießt den Ruhestand, macht gerne Wanderurlaub.

Die deutschen Hersteller von Wohnwagen (Caravan) und Reisemobilen setzen seit Jahren auf die kaufkräftige Generation 50 plus. Denn der Traum vom mobilen Reisen kostet Geld. Im Durchschnitt bezahlten die Verbraucher in Deutschland 2013 rund 65.400 EUR (plus 4,3 Prozent gegenüber 2012) für ein neues Reisemobil und 17.900 EUR (plus 2 Prozent) für einen Caravan. Das Modell Chic E-Line des oberschwäbischen Herstellers Carthago (Aulendorf), den das Ehepaar begutachtet, kostet stolze 116.000 EUR.

"Für diese Summe kann man lange auf andere Art reisen", sagt Luitgard Fuchs und ist sich mit ihrem Mann einig. Mit dem 7,30 Meter langen und 2,29 Meter breiten Gefährt durch enge Altstadt-Gassen in Italien zu fahren, ist keine Vorstellung, die Helmut Fuchs behagt. "Bei allen Vorteilen, die Reisemobile bieten, damit Urlaub machen wollen wir nicht", sagen die beiden und setzen ihre Tour über das Stuttgarter Messegelände fort.

Das Paar aus Blaustein gehört damit zur Mehrheit in Deutschland. Nach Angaben des Verbandes der Caravaning Industrie (CIVD) können sich von 80 Mio. Bundesbürgern 10 Millionen einen Urlaub mit Reisemobil oder Wohnwagen vorstellen, nur 2,5 Millionen tun es. "Wir haben also ein Riesenpotenzial", sagt CIVD-Vorstandsmitglied Holger Siebert. Die Hauptkonkurrenten für die deutschen Hersteller seien nicht ausländische Firmen, sondern Ferienclubs und Stand-Caravans auf Campingplätzen.

Neben älteren Kunden hat die Branche junge Familien im Blick. Um Kunden zu gewinnen, macht sie verstärkt Angebote, Freizeitfahrzeuge zu mieten. "Das ist die beste Art, die Vorteile des Urlaub in Reisemobilen und Wohnwagen kennenzulernen", sagt Siebert.

Heike Ackermann und ihr Mann Simon haben es da besser. In der Vergangenheit nutzte das junge Paar aus Crailsheim (Kreis Schwäbisch Hall) Reisemobil und Wohnwagen der Schwiegereltern, sei es zum Skifahren als Wintercamper oder zum Badeurlaub in Südfrankreich. "Uns reizt die Freiheit des Reisens", sagt Simon Ackermann (33). Und seine Frau Heike ergänzt: "Es ist einfach toll, am Freitag entscheiden zu können, wo man das Wochenende verbringt."

Die CMT nutzen die beiden, um sich über Größe, Aufbau und Aufteilung der einzelnen Modelle zu informieren. Danach wollen sie sich ein gebrauchtes Fahrzeug kaufen. "Das Reisemobil muss auf alle Fälle eine grüne Plakette haben", betont Simon Ackermann. "Schließlich wollen wir auch in die Umweltzonen deutschen Großstädte fahren können. Dort gibt es viele schöne Stellplätze."

Solche Pläne hört die deutsche Caravaning-Branche gerne. Sie setzt 2014 auf Verbraucher wie die Ackermanns und auf Deutschland, den wichtigsten und größten Markt in Europa. In vielen anderen EU-Ländern sieht es dagegen düster aus. Im Zuge der Schuldenkrise sind die Verkäufe abgesackt, auch in großen Märkten wie Italien und Frankreich. Wurden vor sieben Jahren noch etwa 230.000 Fahrzeuge in Europa neu zugelassen, so waren es 2013 nur noch 138 400. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Minus von 5,5 Prozent.

Die heimischen Hersteller trifft das überproportional hart, weil jedes zweite Freizeitfahrzeug in Europa aus Deutschland stammt. Ihre Exporte sanken 2013 um 12 Prozent, die Produktion verringerten sie um 14 Prozent. Damit will die Branche vermeiden, dass Überproduktion und hohe Lagerbestände auf die Preise drücken, heißt es beim CIVD. Die Unternehmen trennten sich auch von Leiharbeitern und führten teilweise Kurzarbeit ein. Zudem kam es zu Werksschließungen im Ausland. Vor diesem Hintergrund zeigt sich die Branche für dieses Jahr vorsichtig. Sie hofft auf stabile Absatzzahlen. CIVD-Geschäftsführer Hans-Karl Sternberg sagt zu den Aussichten lediglich: Der Bestand an 450.000 Freizeitfahrzeugen in Deutschland werde sicher nicht sinken.

Alltagstauglichkeit gewinnt an Bedeutung