Frankfurt Deutsche Bank auch dabei?

ROLF OBERTREIS 10.07.2012
Am Libor-Skandal können maximal drei deutsche Banken beteiligt gewesen sein. Im Visier der Ermittlungen stehen vor allem die britischen Großbanken. Noch völlig unklar ist die Frage nach dem Schadenersatz.

Der Skandal um die Manipulation des wichtigen Interbankenzinses Libor konzentriert sich offensichtlich auf angelsächsische Institute. Allerdings soll auch die Deutsche Bank ins Visier der Bankenaufseher geraten sein. Offiziell verweist die Bank nur darauf, dass sie wegen Fragen zu Interbankenzinsen zwischen 2005 und 2011 mit den Behörden zusammenarbeite. Es gebe eine Reihe von Zivilklagen.

Das renommierte Frankfurter Bankhaus Metzler hat sich in den USA schon im Oktober Sammelklagen auch gegen die Deutsche Bank angeschlossen. Möglicherweise sind von Metzler aufgelegte Fonds und die Anleger durch den Libor-Skandal geschädigt worden, wie eine Sprecherin sagt.

Zwischen 2005 und 2009 sollen Großbanken den Libor manipuliert und künstlich zu niedrig angesetzt haben, auch um die Lage des eigenen Hauses besser darzustellen. Ein niedriger Zins verweist auf eine bessere Bonität. Der Libor ist neben dem Euribor der wichtigste Interbankenzins und gilt als Referenzzins für weltweite Finanzprodukte mit einem Volumen von mindestens 350 Billionen Dollar, auch für Kredite an Unternehmen und Privatkunden. Laut Falko Fecht, Professor für Finanzökonomie an der Frankfurt School of Finance, gehörten nur die Deutsche Bank und die mittlerweile zerschlagene West LB zu den Instituten, die täglich Meldungen zur Ermittlung des Libor abgegeben haben. Beteiligt gewesen sein könnte auch die Commerzbank. Auch sie ist Mitglied in der Britisch Bankers Association (BBA).

Die drei Banken sind die einzigen deutschen Institute in der BBA. Nur Geldhäuser, die zur BBA gehören, können an der Erhebung des Libor beteiligt werden. Derzeit sind es 15 bis 18 große Banken, gegen die auch ermittelt wird. Andere deutsche Banken, Volksbanken oder Sparkassen spielen keine Rolle. "Sie können aber durch die Manipulation des Libor geschädigt worden sein. Oder auch profitiert haben", sagt Fecht.

Banken-Professor Fecht zufolge sind Manipulationen der Interbankzinsen nur schwer nachzuweisen. "Eigentlich lässt sich eine Manipulation nur durch die Kontrolle des Email-Verkehrs der Banken belegen." Ähnlich sieht es Bundesbank-Vorstandsmitglied Andreas Dombret. Mit dem bestehenden Verfahren sei es für die Banker zu leicht, den Zins zu manipulieren. Es sei anfällig für Betrug.

Fecht zufolge spielen die drei deutschen Institute eine untergeordnete Rolle, auch die Deutsche Bank. Für wichtiger hält er die Frage, ob Banken, Sparkassen und Volksbanken geschädigt wurden. Unter anderem dadurch, dass sie für variabel verzinste Bau-Kredite einen zu niedrigen Zins berechnet haben. Kreditnehmer hätten dann freilich profitiert. In Deutschland geht es dabei um ein Kreditvolumen von etwa 200 Mio. EUR.

Umgekehrt hatten Geldhäuser möglicherweise aber auch einen Vorteil. Schätzungen über mögliche Schäden für Banken und Anleger hält Fecht für absolut spekulativ. Gleichwohl könnten auf die BBA und die beteiligten Banken Schadensersatzforderungen in Milliardenhöhe zukommen. Ob Privatanleger klagen, ist derzeit unklar. Die Anlegerschutzvereinigung DSW prüft derzeit, sieht aber große Problem überhaupt einen Schaden ermitteln zu können. Noch habe sich kein Anleger gemeldet.