Frankfurt Deutlich weniger Datenklau

Langfinger haben es hier jetzt schwerer: Der Datenklau an Geldautomaten hat sich im ersten Halbjahr 2012 mehr als halbiert. Archivfoto
Langfinger haben es hier jetzt schwerer: Der Datenklau an Geldautomaten hat sich im ersten Halbjahr 2012 mehr als halbiert. Archivfoto
Frankfurt / DPA 10.07.2012
Geldautomaten in Deutschland sind deutlich sicherer geworden. Die massiven Sicherheitsinvestitionen von Banken und Sparkassen zeigen Wirkung. Trotzdem verursacht Datenklau noch immer Millionenschäden.

Datendiebe kommen an deutschen Geldautomaten immer seltener zum Zug. "Skimming ist weiter rückläufig", sagte Margit Schneider von der Euro Kartensysteme GmbH. In den ersten sechs Monaten 2012 manipulierten Kriminelle demnach bundesweit 253 Geldautomaten, um Kartendaten und Geheimnummer (Pin) von Bankkunden auszuspähen ("Skimming"). Im Vorjahreszeitraum waren es mit 532 noch mehr als doppelt so viele, im Gesamtjahr 2011 hatte die Branche 768 Manipulationen gezählt.

Von Januar bis Ende Juni beschafften sich Kriminelle im In- und Ausland erfolgreich die Daten von insgesamt etwa 11 000 der 94 Millionen deutschen Girocards. Ein Jahr zuvor gab es rund 9000 Fälle von geskimmten Karten. Jeweils 20 bis 25 Prozent dieser Fälle passierten nach Schätzungen von Euro Kartensysteme im Ausland. Euro Kartensysteme ist eine Einrichtung der deutschen Kreditwirtschaft, die sich um das Sicherheitsmanagement für Zahlungskarten kümmert.

Der mit gefälschten Karten im ersten Halbjahr 2012 angerichtete Schaden liege "in etwa auf Vorjahresniveau", sagte Schneider. Konkreter wollte sie nicht werden. Sie betonte jedoch: In 85 Prozent der potenziellen Fälle sei durch rechtzeitige Sperrung der Karten ein Missbrauch von Daten verhindert worden.

Für das Jahr 2010 hatte das Bundeskriminalamt (BKA) von 3183 Angriffen auf bundesweit 1765 Geldautomaten gesprochen. Geschätzter Gesamtschaden: 60 Mio. EUR. Neuere Zahlen hat die Behörde laut einer Sprecherin nicht.

"Es wird immer unattraktiver für Datendiebe, denn sie müssen mit den gestohlenen Daten ganz schön weit reisen", erklärte Schneider. "In ganz Europa können keine Kartendubletten mehr eingesetzt werden wegen der EMV-Technologie." Die neuartigen Karten sind mit einer Art Mini-Computer ausgerüstet, der Daten besser vor Missbrauch schützen soll als der herkömmliche Magnetstreifen. Der Datensatz wird verschlüsselt, die Karte bei Gebrauch auf Echtheit geprüft.

"Die Institute haben massiv in die Sicherheit investiert. Die EMV-Technik hat Milliarden gekostet", sagte Schneider. Inzwischen seien alle etwa 60 000 Geldautomaten in Deutschland auf die neue Technik umgestellt, ebenso alle 750 000 Terminals, die zum Beispiel der Einzelhandel nutzt.

"Die Banken und Sparkassen in Deutschland haben bereits vor mehreren Jahren damit begonnen, ihre Kunden mit Debit- und Kreditkarten auszustatten, die den fälschungssicheren EMV-Chip verwenden", erklärte eine Sprecherin des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), derzeit Sprachrohr der Deutschen Kreditwirtschaft. "Es ist nun an den Ländern außerhalb Europas, mit der Umstellung von Magnetstreifen auf Chip schnell nachzuziehen."

Zusätzlich sicherten Institute in einigen Fällen Geldautomaten mit Anti-Skimming-Technologie, wie Schneider erläuterte. Ein Beispiel: Elektronische Detektoren, die Alarm auslösen, sobald sich Kriminelle an den Automaten zu schaffen machen und etwa Tastaturattrappen oder versteckte Minikameras anbringen.

Trotz aller Bemühungen gelingt es Kriminellen immer noch, an Geldautomaten sensible Daten auszuspähen. Im ersten Halbjahr 2012 hatten Datendiebe vor allem Nordrhein-Westfalen (62 manipulierte Geldautomaten), Hessen (39), Bayern (38), Berlin (36) und Baden-Württemberg (34) im Visier. In Niedersachsen wurden 13 Fälle gezählt, in Hamburg 12, in Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein je 6. In Brandenburg wurden 3 Geldautomaten manipuliert, in Sachsen 2, in Thüringen und Bremen je einer.

In Deutschland gestohlene Kontodaten machen Kriminelle in den USA (32 Prozent), Mexiko (16), Kolumbien (11) und Brasilien (10) zu Geld. Vor allem dort werde mit Kartendubletten versucht, Geld abzuheben oder einzukaufen. Die BVR-Sprecherin betonte: "Sollte es je zu Skimming kommen, wird dies schnell vom jeweiligen Kreditinstitut erkannt. Den Kunden entsteht kein Schaden."

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