Robo Advisor Der Roboter als Anlageberater

Frankfurt / Rolf Obertreis 23.07.2018

Seit einiger Zeit machen er Banken, Sparkassen und Vermögensverwaltern Konkurrenz: der so genannte Robo Advisor. Dabei läuft die Vermögensverwaltung über das Internet, die Anlagestrategie übernimmt ein Algorithmus und das alles zu günstigen Kosten. Die Zeitschrift „Finanztest“ hat die maschinellen Anlageberater jetzt unter die Lupe genommen. Das Ergebnis ist durchwachsen.

Quirion, Whitebox, Scalable Capital, Robin, Ginmon, Vaamo und Fintego sind nur einige der Anbieter, die durchaus mit Erfolg agieren. Auch wenn sie mittlerweile Zehntausende von Kunden zählen und schätzungsweise etwa 2 Mrd. € verwalten – im Vergleich zu den USA besetzen sie hierzulande noch eine Nische.

Allein in den Staaten verwaltet der Marktführer Betterment mehr als 10 Mrd.  Dollar. Mit Menschen hat es der Anleger, wie der Name schon sagt, bei einem Robo Advisor nicht zu tun. Wer sich bei Scalable und Co. einklinkt, wird maschinell befragt: nach seinen persönlichen Daten, nach der Anlagesumme (verlangt wird meist eine Mindestsumme zwischen 500 und 5000 €), wie viel oder wenig Risiko er bei der Geldanlage eingehen will und wie lange angelegt werden soll. Auf dieser Basis unterbreitet der Robo Advisor Vorschläge.

In der Regel wird das Vermögen auf so genannte Exchange Traded Funds (ETFs) aufgeteilt. Das sind an der Börse gehandelte Fonds, die einen Index nachbilden, etwa den Deutschen Aktienindex Dax, den Weltakientindex MSCI World oder einen Anleihe-Index. Legt also etwa der Dax zu, steigt auch der Wert des ETF. Wie das Vermögen des Anlegers aufgeteilt und wie es im Anlagezeitraum möglicherweise umgeschichtet wird, entscheidet ein Algorithmus. Für den Anleger durchschaubar ist das nicht.

 Der Algorithmus soll einen neutralen, auf höchstem technologischem und wissenschaftlichem Niveau basierenden Prozess garantieren, wie etwa Scalable oder Whitebox versprechen. Die Ergebnisse sind trotzdem höchst unterschiedlich. So haben Vergleichsportale für die vergangenen beiden Jahren eine Wertentwicklung nach Gebühren und Steuern ermittelt, die zwischen 5,3 und fast 12 Prozent schwankt. Das heißt: Robo Advisor sind nicht per se besser als Banken oder Vermögensverwalter.

 „Ein und derselbe Verbraucher, der einfach nur 10 000 Euro langfristig bedarfsgerecht anlegen möchte, und sich hierzu von zwei Banken und zwei Robo Advisors eine Empfehlung einholt, wird vier unterschiedliche Vorschläge erhalten“, sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Mit am Ende vermutlich unterschiedlichen Renditen.

Nauhauser hält es für fragwürdig, dass das Gesetz nur „geeignete“ Vorschläge verlangt, aber nicht definiert, was die Anlage kosten darf und wie das Geld über verschiedene Anlageklassen gestreut werden soll, um das Risiko zu minimieren. „Dabei sind Kosten und Diversifikation die wichtigsten Kriterien, die bei der Geldanlage die Spreu vom Weizen trennen“. Nach Ansicht von Nauhauser müssten Aufsichtsbehörden und Warentester die Algorithmen zerlegen können, um sie bewerten zu können.

 Immerhin: Bei den Kosten haben Robo Advisor Vorteile, weil ihre Prozesse automatisiert sind. Sie nutzen meist  kostengünstige ETFs statt aktiv gemanagter und deshalb teurerer Investmentfonds. In ihrer jüngsten Analyse kommt die Zeitschrift „Finanztest“ bei Robo Advisorn auf Kosten zwischen 0,6 und 1,87 Prozent – bei einer Anlagesumme von 10 000 € also 60 bis 187 €.

Empfehlenswert sind aber längst nicht alle Anbieter, wie die jüngsten Analyse von Finanztest zeigen. Von 14 getesteten Firmen schneiden mit Quirion und Whitebox nur zwei mit „gut“ ab, vier fallen als „mangelhaft“ durch, drei werden als nur „ausreichend“ eingestuft. Generell, so die Tester, seien  nur drei Depots frei von Mängeln, weil sie das Geld auf Aktien- und Anleihe-ETFs verteilen. Scalable Capital, dem derzeit mit einem verwalteten Vermögen von mehr als 1 Mrd. € größten Robo Advisor, attestieren sie nur ein befriedigendes Anlagekonzept: Zu viele Mängel verbunden mit Risiken.

Wer in einen ETF investieren möchte, kann das nach Ansicht des Verbraucherschützers Nauhauser auch eigenständig tun. Informationen dazu gibt es Beispielsweise bei der Börse Stuttgart. Wer das selbst in die Hand nimmt, spart dabei sogar noch die Kosten für einen Robo Advisor.

Nicht einfach ETFs kaufen

Häufig empfehlen Robo-Berater ETFs. Das könnte unter Umständen ein schlechter Rat sein. Denn ETFs bilden in der Regel Indizes ab. Einziges Aufnahmekriterium in einen Index ist aber nicht die Qualität eines Unternehmens, sondern ausschließlich dessen Größe, erklärt Rainer Laborenz, Geschäftsführer bei der Offenburger Azemos Vermögensmanagement GmbH. Deswegen kaufen Indexinvestoren automatisch nicht nur günstige Aktien, sondern auch besonders teure Werte mit. Zudem enthalten etliche ETFs gar nicht wirklich die Aktien eines Index, sondern bilden sie nur synthetisch ab. Das kann im Krisenfall problematisch werden. Florian Junker

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