Rust Der Europa-Park ist immer dabei

Rust / PETRA WALHEIM 24.08.2013
So unterschiedlich die Brüder Roland und Jürgen Mack auch sind, wenn es um ihren Europa-Park geht, ziehen sie an einem Strang: Roland Mack ist der Mann an allen Fronten, Jürgen Mack wirkt im Hintergrund.

Ihr Weg zur Arbeit führt Roland und Jürgen Mack quer durch den Europa-Park. Beide wohnen am Rand des Parks in Rust (Ortenaukreis), Roland Mack sogar zwischen Dornröschen und Schneewittchen, in der Nähe von Grimms Märchenwald. Manchmal dauert es, bis sie in ihren Büros ankommen. Sie werden erkannt, Roland Mack (63) noch öfter als sein Bruder Jürgen (55). Sie werden von Besuchern des größten Freizeit-Parks Deutschlands immer wieder angesprochen, meist um ihnen Lob mit auf den Weg zu geben. Auch nach 38 Jahren Europa-Park können sie sich darüber noch freuen. Die Brüder nehmen es als Bestätigung dafür, dass sie mit ihrem Themen-Park auf dem richtigen Weg sind. So unterschiedlich sie in ihrer Art auch sind, beide sind nicht dafür geschaffen, sich auf dem Erreichten auszuruhen. Es muss immer weitergehen. "Jedes Unternehmen, das stehen bleibt, läutet seine Beerdigung ein", sagt Roland Mack. Deshalb sind beide fast täglich im Park präsent. "Damit wir spüren, was im Park passiert."

Allerdings fällt es Roland Mack schwer, einfach mal entspannt durch die 13 europäischen Themenbereiche zu flanieren und sich daran zu freuen, wieviel Spaß die Besucher haben. "Ich achte vor allem auf die Mängel", gibt er zu. Er schaut, was verbessert werden kann. Sein Bruder tickt etwas anders. "Ich schaue in die Gesichter der Besucher, wenn sie aus den Bahnen kommen." Wenn sie nicht zufrieden sind, ist er es auch nicht - und Roland Mack schon gleich gar nicht.

Der ältere der beiden Brüder hat mit dem Vater Franz Mack den Europa-Park aufgebaut. Nüchtern betrachtet ist die Anlage, die sich inzwischen auf einer Fläche von 90 Hektar ausbreitet, noch immer, was sie von Anfang an war: ein Schaufenster dessen, was das Familienunternehmen Mack seit 1780 herstellt: Sonderfahrzeuge und Fahrgeschäfte. Am Anfang baute der Handwerksbetrieb Mack in Waldkirch bei Freiburg Wagen für Schausteller und Zirkusleute. Die Produktion entwickelte sich im Lauf der Jahre hin zu Achter- und Geisterbahnen, Karussells und Auto-Scootern. "Bis Anfang der 1970er Jahre war der Bau von transportablen Holz-Achterbahnen unser Kerngeschäft", sagt Roland Mack.

Heute heißt der Handwerksbetrieb "Mack Rides" und stellt nur noch stationäre Fahrgeschäfte her. Fast alle Attraktionen, die es im Europa-Park gibt, wurden und werden im eigenen Unternehmen "Mack Rides" in Waldkirch produziert. "Das ist weltweit einmalig," betont Roland Mack. Der 63-Jährige ist Maschinenbau-Ingenieur. Er hat die Ausbildung gemacht, weil für ihn schon als Kind klar war, dass er das Familienunternehmen weiterführen will. Sein Bruder Jürgen ist Wirtschaftsingenieur und seit 1988 mit im Unternehmen. Während Roland Mack durch die Welt und von Park zu Park jettet, kümmert sich sein jüngerer Bruder um das Personal, die Finanzen und das Controlling, wirkt mehr im Hintergrund, was seiner ruhigen und zurückhaltenden Art entspricht.

Roland Mack dagegen ist ein richtiger Macher. "So ein Park entsteht nicht durch Reden, sondern durch machen. Man muss machen, nicht unterlassen", ist sein Wahlspruch. Und er macht, fast pausenlos. 1995 wurde am Rand des Parks das erste Hotel eröffnet. Inzwischen sind es fünf. Es ist ihm fast peinlich darüber zu sprechen, dass er nur ungern Urlaub fernab der Heimat macht. Seine Frau Marianne, die so oft auf ihn verzichten muss, bringt ihn nur hin und wieder dazu, mit ihr nach Italien zum zweiten Wohnsitz der Familie zu reisen. Noch nie sei er einen Tag ungern ins Büro gegangen, und noch nie habe er sich überlegt, etwas anderes machen zu wollen, sagt Roland Mack. Schließlich arbeite er in einer Wohlfühl-Atmosphäre. Die an einem Urlaubsort zu finden, sei schwierig. Deshalb sei er am liebsten im Park - und arbeite.

Das sagt auch sein Bruder, aber der ist nicht ganz so extrem. Zwar ist auch bei ihm der Park ständig präsent, auch er schaut sich überall, wo er ist, nach neuen Ideen und Verbesserungen um. "Das ist schon ein Automatismus", sagt er. Doch der 55-Jährige kann auch mal abschalten - auch das Handy. Gerne beim Fußball. Das gilt für beide. Sie sind Fans des FC Freiburg.

Dann findet Roland Mack doch noch etwas Positives am Urlaub: "Urlaub kann auch eine kreative Zeit sein." Aus so einer Zeit könnte das neueste Projekt der Mack-Brüder entsprungen sein. Sie planen, einen Wasser-Park zu bauen, einen Park mit Wellen- und Erlebnisbädern, Rutschen drinnen und draußen. Roland Macks Söhne Michael und Thomas sind federführend mit dem Projekt betraut, das frühestens in fünf Jahren an den Start gehen wird. "Sie sollen selbst erleben, wie es ist, einen neuen Park aufzubauen", sagt er . Er hat das schon erlebt, braucht das nicht nochmal. Ans Aufhören denkt er trotzdem nicht. Er macht weiter.

Zum Unternehmen Zur Person vom 24. August 2013
Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel