Brüssel Der Airbag löst den Notruf aus

Bei diesem Unfall in einem Waldstück im bayerischen Wörth blieb der schwer verletzte und bewusstlose Autofahrer stundenlang unentdeckt. Foto: dpa
Bei diesem Unfall in einem Waldstück im bayerischen Wörth blieb der schwer verletzte und bewusstlose Autofahrer stundenlang unentdeckt. Foto: dpa
PATRICIA DUDECK 10.07.2012
Nach einem Autounfall kommt es bekanntlich auf jede Minute an. Das automatische Notrufsystem "eCall" soll jetzt europaweit verpflichtend eingeführt werden. Es löst Alarm aus, sobald der Airbag sich aufbläst.

Ein Wagen schleudert es aus der Landstraßenkurve. Er schießt einen Abhang hinunter gegen einen Baum. Die Fahrerin - verletzt und bewusstlos im Auto. Weit und breit kein Mensch. Doch bereits in dem Moment, als die Airbags sich aufpumpten, hat sich automatisch eine Mobilfunkverbindung zwischen ihrem Wagen und der Notrufnummer 112 aufgebaut.

Auch wenn die Insassin nicht über die Freisprechanlage antworten kann, erhält die Rettungsleitstelle aus dem Notrufgerät im Auto alle Infos, die sie für einen schnellen Einsatz braucht: Unfallort, Uhrzeit und Fahrgestellnummer zur Typbestimmung, um auf die mögliche Verletztenzahl bei Familienwagen oder Zweisitzer vorbereitet zu sein. Der Notruf lässt sich auch per Knopfdruck auslösen.

So soll das automatische Notrufsystem "eCall" von 2015 an in allen neuen Automodellen und leichten Nutzfahrzeugen serienmäßig in Europa funktionieren. Am Gesetz dazu arbeitet die EU-Kommission gerade. Damit die neue Technik zum Einsatz kommt, müssen die Mitgliedstaaten ihre Notrufzentralen mit Computern zum Auslesen der Daten ausrüsten und das Personal schulen.

Schon seit 2005 wünscht sich die EU ein solches Notrufsystem. Auf dem Land würden die Retter doppelt so schnell am Unfallort sein können, in der Stadt bräuchten sie 40 Prozent weniger Zeit. Doch freiwillig kam kaum etwas bei Autoherstellern und Mitgliedstaaten in Gang. Daher startete die Kommission 2010 die Gesetzesmaschine. Jetzt sollen von 2015 an neue Automodelle nur noch mit "eCall" in Europa verkauft werden dürfen, egal woher sie stammen. Das Gerät wird im Autopreis enthalten sein. In Brasilien gibt es ein ganz ähnliches System für nur 17 EUR, sagt ein Mitarbeiter aus der Kommission. Bisher rechneten die EU-Experten noch mit 70 EUR bis 90 EUR. Der "eCall"-Service selbst bleibt für Kunden gratis.

Der europäische Datenschützer haben nichts gegen die Pläne der EU: Die Notruftechnik im Wagen "schläft" und sendet die benötigten Daten bloß beim Unfall einzig und allein an öffentliche oder öffentlich beauftragte Notrufzentralen. Die gefahrene Geschwindigkeit wird nicht übertragen, die Polizei soll sie nicht verwerten. Was die Autohersteller sonst noch an Zusatzdiensten neben der "eCall"-Technik anbieten, muss laut Neelie Kroes, Kommissarin für Digitales unter der Kontrolle des Kunden bleiben.