Kommentar Helmut Schneider zur geldpolitischen Entscheidung der EZB Das Tempo noch steigern

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Frankfurt / Helmut Schneider 15.06.2018

Gleich drei für die Geldpolitik wichtige Nachrichten sind jetzt zufällig zusammengetroffen. Die US-Notenbank Fed hat den Leitzins erneut leicht auf jetzt nahe 2,0 Prozent erhöht; in Europa ist die Inflationsrate im Mai auf 1,9 und in Deutschland sogar auf 2,2 Prozent gestiegen. Und drittens beschleunigt die Europäische Zentralbank (EZB) den langsamen Ausstieg aus der Politik des billigen Geldes.

Das war auch das Mindeste, was man von Draghi & Co erwarten musste. Dass in der Eurozone der Leitzins unverändert bei null bleibt, ist problematisch, weil sich das Umfeld inzwischen verändert hat – siehe US-Zinserhöhung und steigende Inflation in Europa.

Über Draghis Niedrig- bis Nullzinsen ist genug geschrieben und auch übertrieben geklagt worden, zumindest in Deutschland. Sie waren gleichwohl richtig, sind es aber inzwischen nicht mehr. Denn wenn die Zinsen zwischen USA und Europa immer mehr auseinander driften, zieht dies Kapital aus Europa weg nach Übersee.

Zudem zeichnet sich ab, dass die Inflation mittelfristig nicht mehr deutlich fallen wird, weil das die Energiekosten vermutlich auch nicht tun werden und die Konjunktur in Europa eher anzieht. Die EZB zieht ganz langsam die Zügel an. Zu langsam – aber sie hat es in der Hand, das Tempo noch zu steigern. Wohin die Reise geht, ist wenigstens klar.

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