Sind Sie schon einmal mit einem Elektro-Auto gefahren? Das ist ein Erlebnis der besonderen Art. Man lässt den Motor an - und hört nichts. Man gibt Gas, der Wagen setzt sich in Bewegung, und noch immer ist kein Motorengeräusch zu hören. Das ist ein Vorteil von Elektro-Autos. Ein anderer ist, dass sie keine Abgase in die Umwelt blasen. Ein Nachteil ist, dass die Batterie ein Elektro-Auto maximal 150 Kilometer weit bewegt. Dann ist Schluss, und die nächste Ladestation muss angesteuert werden. Doch die Stromtankstellen sind im ländlichen Raum noch rar. Wer mit einem E-Auto über Land unterwegs ist, kann schon mal ins Schwitzen geraten angesichts des Ladezustands der Batterie.

Bislang müssen Fahrer von Strom-Autos ihre Fahrstrecken gut planen, damit sie mit dem Gefährt eine Ladestation erreichen, bevor die Batterie leer ist. Diese angespannte Situation soll sich in den nächsten Jahren in Südbaden ändern. In mehreren Kommunen laufen Projekte an, die die Elektro-Mobilität verstärkt auf die Straße bringen sollen.

Beispiel Offenburg: Die Kommune in Baden ist seit 2011 "Modellstadt Elektromobilität". Das Projekt läuft im Rahmen der Landesinitiative E-Mobilität, und außer Offenburg sind auch noch Ludwigsburg und Schwäbisch Gmünd mit dabei. Ziel des Projekts ist, die E-Mobilität auszubauen und die nötige Infrastruktur zu schaffen, damit mehr Menschen auf das eigene Auto verzichten und auf Carsharing möglichst mit E-Autos umsteigen. Dafür sind vor allem Ladestationen nötig. Aber Offenburg geht weiter und wird im Rahmen seines Mobilitätsmanagements komplette Mobilitäts-Stationen errichten.

"An jeder Station sollen drei normale Stadträder stehen, mindestens fünf E-Räder und mehrere Carsharing-Autos, möglichst mit Elektro-Antrieb", sagt Mathias Kassel. Er ist bei der Stadt für das Mobilitätsmanagement zuständig. Mit im Boot ist auch Christian Klaiber. Der Wirtschaftsingenieur aus Trossingen (Kreis Tuttlingen) ist in Südbaden der Experte für E-Mobilität.

Er ist der Chef der "Initiative Zukunftsmobilität", einer Firma, die sich ganz und gar der E-Mobilität verschrieben und im "Automobilsommer 2011" mit einem E-Auto- Projekt im Schwarzwald von sich reden gemacht hat. Die Stadt Offenburg hat Klaiber beauftragt, für das Mobilitätsmanagement ein Konzept auszuarbeiten.

Die Menschen sollen auch ohne eigenes Auto mobil sein: Sie sollen direkt vom Bus oder Zug in ein E-Auto oder auf ein E-Bike umsteigen können. Deshalb werden die Mobilitäts-Stationen an "Schnittpunkten mit dem Nahverkehr" errichtet, sagt Klaiber. Ihm schwebt ein Konzept vor, bei dem die Menschen mit einer einzigen Zugangs-Karte Autos und Fahrräder mieten und auftanken und auch noch Bus fahren können. Daran arbeitet er.

Geplant ist, dass von 2014 bis 2016 sechs Mobilitäts-Stationen aufgebaut werden, bis zum Jahr 2025 sollen diese in der Stadt und in allen Stadtteilen flächendeckend vorhanden sein. Bereits Anfang Mai führt Klaiber in der Kurstadt Bad Dürrheim die E-Mobilität ein und zwar in einer Form, die es seinen Angaben zufolge bislang noch nicht gibt.

Er arbeitet dabei mit Gewerbetreibenden zusammen. "Wir bauen einen Fahrzeug-Pool auf, der aus Carsharing-E-Autos und den Fahrzeugen der Gewerbetreibenden besteht", sagt Klaiber. Die Gewerbetreibenden stellen ihre Fahrzeuge dann zur Verfügung, wenn sie sie selbst nicht brauchen. Außerdem ist ein Reiseveranstalter mit eingebunden, der für Touristen Komplettpakete mitsamt E-Mietauto schnürt. "Die Gäste reisen mit der Bahn an und können im Urlaub ein E-Auto nutzen", sagt Klaiber.

Die Ladestation, die dafür in Bad Dürrheim nötig ist, gibt es bereits. Die hat der Stromlieferant Energiedienst aus Rheinfelden aufgestellt, für die Christian Klaiber beratend tätig ist. Energiedienst versorgt die Ladestation im Kurort und alle anderen, die es bereits gibt, mit Ökostrom aus Wasserkraft. "In Südbaden gibt es von uns ein Netz von 20 Ladestationen", sagt Energiedienst-Sprecher Alexander Lennemann. Aber es sollen schon bald viel mehr werden.

Zum Beispiel in Badenweiler im Markgräflerland. Dort geht im April in einem Parkhaus der Parkraumgesellschaft Baden-Württemberg (Pbw) eine Ladestation für E-Autos in Betrieb. Den Strom dafür liefert Energiedienst. Christian Klaiber hat auch die Pbw mit seiner Begeisterung für die E-Mobilität angesteckt. Die Gesellschaft hat sich vorgenommen, alle ihre Parkhäuser mit Ladestationen auszustatten.

Auch Freiburg und Lörrach sind dabei, die E-Mobilität auszubauen. Am Bodensee wird ebenfalls kräftig daran gearbeitet, die alternativen Fortbewegungsmöglichkeiten voranzutreiben. Wolfgang Fischer von der Landesagentur für E-Mobilität, kurz "e-mobil" genannt, hat einen guten Überblick darüber, was in Baden-Württemberg vorangeht - oder auch nicht. Er bestätigt, dass die E-Mobilität vor allem in den Ballungsgebieten gut vertreten ist und der ländliche Raum Nachholbedarf hat. Aber vielleicht nicht mehr lange.