Kleingeld Das lästige Kupfer: Ein- und Zwei-Cent-Münzen

Ab dem Jahr 2018 sollen in Italien keine Ein- und Zwei-Cent-Münzen mehr geprägt werden.
Ab dem Jahr 2018 sollen in Italien keine Ein- und Zwei-Cent-Münzen mehr geprägt werden. © Foto: Bildquelle
Rom / Mathias Puddig 31.05.2017
Ab dem Jahr 2018 sollen in Italien keine Ein- und Zwei-Cent-Münzen mehr geprägt werden. Für Deutschland ist ein solcher Schritt aber nicht geplant.

In Italien werden ab 2018 keine Ein- und Zwei-Cent-Münzen mehr geprägt. Das Land will das Kupfergeld abschaffen und Preise stattdessen auf den nächsten Fünf-Cent-Betrag runden. In einigen anderen Ländern ist das bereits schon länger Praxis. Pläne, das Kleingeld auch in Deutschland vom Markt zu nehmen, gibt es aber nicht.

Wer ein paar Kupfermünzen zu viel hat und zufällig gerade in Rom ist, der hat es leicht. Er geht zum Trevi-Brunnen, wirft das Geld mit der rechten Hand über die Schulter, und wenn er nur fest genug an die Legende glaubt, dann wird er in die Ewige Stadt zurückkehren oder sich sogar in eine Römerin oder einen Römer verlieben.

Wer jedoch ein paar Kupfermünzen zu viel hat und nicht gerade in Rom ist, dem wird das Kleingeld in Italien nur ungern abgenommen. Die Italiener lieben ihre Centesimi nicht. Und deshalb schafft Italien – immerhin die drittgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone – das Klimpergeld nun ab. Das hat die Bilanzkommission der Abgeordnetenkammer in Rom beschlossen. Ab 1. Januar 2018 sollen die Preise für Waren und Dienstleistungen auf den nächsten Fünf-Cent-Betrag gerundet werden.

Die Gründe dafür liegen auf der Hand – oder eben im Portmonee. Die kleinen Münzen sind unpraktisch, sie beulen Hosentaschen und Geldbörsen aus, und sie sind schwer. Eine einzelne Ein-Cent-Münze, bestehend aus einem mit Kupfer überzogenen Stahlkern, wiegt zwar nur 2,3 Gramm. Wollte man aber eine Tafel Schokolade nur mit ihnen bezahlen, müsste man schon 230 Gramm aufs Kassenband legen – das Gewicht von mehr als zwei Tafeln. Darüberhinaus wäre der Händler nicht einmal verpflichtet, das Geld auch anzunehmen. Mehr als 50 Münzen muss kein Geschäft pro Einkauf akzeptieren.

Oft wird das Kleingeld deshalb zu Hause einfach aussortiert. Das führt zum Beispiel in Deutschland dazu, dass statistisch gesehen jeder mehr als 175 Münzen irgendwo herumliegen hat. Kleinstmünzen machen fast die Hälfte aller Euro-Münzen aus – doch nicht einmal ein Viertel der geprägten Ein- und Zwei-Cent-Münzen sind tatsächlich im Umlauf. Der Rest steckt unter anderem in Sofaritzen und Einweckgläsern.

Außerdem sind sie teuer. Allein die Produktion einer Ein-Cent-Münze kostet 1,6 Cent. Dazu kommen die Ausgaben für Händler und Banken. Eine EU-Verordnung schreibt vor, dass jede Münze, die bei einer Bank eingezahlt wird, auf ihre Echtheit überprüft werden muss. Das ist aufwändig, weshalb einige Banken Gebühren verlangen, wenn die Kunden Hartgeld einzahlen.

Italien ist deshalb keineswegs das erste Land, das sich vom lästigen Kupfer verabschieden will. Finnland zum Beispiel hat schon zur Einführung des Euros vor 15 Jahren beschlossen, konsequent auf Fünf-Cent-Beträge zu runden. In Belgien, Irland und den Niederlanden wird das genauso gehandhabt. Das niederländische Modell des „Afronden“ ist sogar von der deutschen Stadt Kleve übernommen worden. Und selbst die EU-Kommission hat 2013 eine Untersuchung vorgelegt, in der sie das Kleingeld zur Debatte stellt – jedoch mit eher geringer Resonanz.

Doch wäre das Modell auch für Deutschland denkbar? Laut Bundesfinanzministerium gibt es „derzeit keine Überlegungen zur Abschaffung der Kleinmünzen oder zur Einführung nationaler Rundungsregeln“. Daran ändert auch die italienische Entscheidung bislang nichts. Als Grund nennt das Ministerium, dass in Deutschland das Zahlen mit Bargeld beliebter sei als in anderen Ländern. „Auch zu den Ein- und Zwei-Cent-Münzen hat die Mehrheit der Deutschen ein positives Verhältnis.“

Dabei ist das gar nicht so eindeutig. Zwar ist 2010 eine Petition für die Abschaffung der Kleinstmünzen krachend am Quorum gescheitert, und 2011 sprachen sich in einer Bundesbank-Umfrage nur 19 Prozent der Deutsche für die Abschaffung aus. Vier Jahre später stimmten in einer Umfrage von „My Marktforschung“ jedoch schon 53 Prozent für den Vorschlag. 28 Prozent lehnten ihn klar ab. Es scheint, als würde das Sprichwort „Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert“ langsam immer weniger ernstgenommen.

Deutsche sind anhänglich

Zugleich ist Deutschland aber noch immer das Euro-Land, dessen Bewohner am meisten an den Münzen hängen. Überall sonst sprechen sich mehr Menschen für die Abschaffung aus. Carl-Ludwig Thiele, Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank, erklärt das durch eine „latente Inflationsangst“ – die jedoch unberechtigt sei. Als für eine Studie der Bundesbank 70 000 Kassenzettel ausgewertet wurden, kam heraus, dass dieser Effekt sehr gering ist und wenn überhaupt nur einmalig auftritt. Jedoch: Die selbe Studie zeigt auch, dass die Kosteneinsparungen für die Händler ebenfalls nicht nennenswert sind.

Deshalb ist auch nicht zu erwarten, dass sich Deutschland in naher Zukunft von den Ein- und Zwei-Cent-Münzen – und von den ausgebeulten Geldbörsen – verabschiedet. Der Glücks-Cent bleibt also erhalten. Italien-Urlauber müssen trotzdem nicht fürchten, dass sie ihr Kupfer in Italien nicht loswerden. Die Händler dort sind weiterhin verpflichtet, das Kleingeld anzunehmen – ob sie es gern machen, steht auf einem anderen Blatt. Und falls sie sich weigern, hilft der Gang zum Trevi-Brunnen.

Wo kommen das Klimpergeld her?

Nur in Deutschland gibt es mehrere Prägestätten für Euromünzen. Und zwar in Berlin, München, Stuttgart, Karlsruhe und Hamburg. Die Münzen der anderen Länder lassen sich anhand der nationalen Rückseite den jeweiligen Münzstätten zuordnen. Einige Staaten lassen ihre Euro-Münzen allerdings in anderen Ländern prägen, zum Beispiel Luxemburg in den Niederlanden, Slowenien sowie Zypern in Finnland und Malta in Frankreich. Die Kleinstaaten Andorra, Monaco, San Marino und die Vatikanstadt, die aufgrund einer Vereinbarung mit der EU ebenfalls Euro-Münzen ausgeben können, haben ihre Euro-Münzen in Frankreich, Italien beziehungsweise Spanien prägen lassen. mone

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel