Kumamoto Das Geschäft mit der Katastrophe – wer verdient Geld bei Erdbeben?

Zerstörungen nach den Beben in Japan: Viele Firmen verdienen an der Beseitigung der Trümmer und dem Wiederaufbau nach einem Erdbeben.
Zerstörungen nach den Beben in Japan: Viele Firmen verdienen an der Beseitigung der Trümmer und dem Wiederaufbau nach einem Erdbeben. © Foto: dpa
Kumamoto / DPA 20.09.2016
Kaum ein anderes Land ist so stark von Erdbeben bedroht wie Japan. Trotz moderner Warnsysteme und erdbebensicherer Bautechnik gibt es immer wieder Schäden. Doch die Nummer Drei der Weltwirtschaft weiß sich stets zu helfen. Auch dank Firmen, die damit Geld verdienen.

Es waren die verheerendsten Erdbeben der vergangenen Jahre. Als die südjapanische Hauptinsel Kyushu am 14. April von einem Beben der Stärke 6,2 und zwei Tage später von einem weiteren der Stärke 7,0 heimgesucht wurde, starben in den Trümmern 50 Menschen. 61 weitere Menschen in der betroffenen Provinz Kumamoto erlagen den Folgen der Katastrophe. 160.000 Häuser wurden teils stark beschädigt.

Die Schäden für die Wirtschaft der gesamten Inselregion, deren Bruttoinlandsprodukt etwa dem von Österreich entspricht, beläuft sich nach offiziellen Angaben auf umgerechnet 40 Mrd. € . Doch rund ein halbes Jahr danach ist die Tourismusregion dabei, sich zu erholen. Es gehe nicht nur um Wiederaufbau, sondern darum, es noch besser zu machen als zuvor, sagt Kumamotos Gouverneur Ikuo Kabashima. Naturkatastrophen wie in Kumamoto verursachen nicht nur Schäden, sondern bieten auch Chancen. Empfehlungen, sich für den Notfall zu rüsten, sind in Japan eine Selbstverständlichkeit.

Notrationen Trinkwasser, das mehrere Jahre hält, Lebensmittel wie Trockenreis in Tüten, Notfalltoiletten, Klopapier, Trillerpfeifen (bei Erdbeben, wenn man unter Trümmern liegt), Taschenlampen mit eingebautem Radio, Befestigungsstützen für Möbel, Folien für Glascheiben, damit sie nicht splittern – die Liste von Notfallprodukten, die viele Japaner zu Hause lagern, ist lang. Und die Wirtschaft entwickelt immer neue.

Notlager Das Verpackungsunternehmen Jpacks baut Betten aus Pappe – in den Notunterkünften wie Schulen müssen die Menschen oft auf dem harten Boden schlafen. Das Unternehmen Teijin verkauft „Moutanka“, eine Notfalldecke aus schwer brennbarem Material mit Löchern als Griffe am Rand. Die Decken können im Notfall zu einer Bahre für Verletzte umfunktioniert werden.

Die Firma Kansaikako aus Osaka verkauft seit kurzem Pflanzentöpfe, die bei Überflutung zum Beispiel während eines Taifuns auch als Sandsack benutzt werden können. Dies hat den Vorteil, dass im Notfall nicht wie bisher üblich erst Sandsäcke herbeigetragen werden müssen.

Schutzbunker Das Unternehmen Fujiwara Industry Co. entwickelte nach einem verheerenden Vulkanausbruch vor zwei Jahren mit fast 60 Toten Stahlschutzbunker in Form von Röhren, die Bergsteiger und Wanderer vor Felsbrocken schützen sollen. Bei dem Ausbruch am Vulkan Ontake waren viele Opfer von umherfliegenden Felsen erschlagen worden. Eine Stahlröhre für 12 Personen kostet umgerechnet rund 35 000 € . Daneben vertreibt das Unternehmen Stahltürme für Tsunami-Gebiete, auf die die Menschen im Notfall hochklettern können.

Drohnen Die Firma enRoute stellt Drohnen her, die zum Beispiel über dem aktiven Vulkan Sakurajima in der südlichen Provinz Kagoshima im Einsatz sind, um für die Wissenschaft und den Katastrophenschutz laufend Bilder von der Lage in und um den Krater zu erstellen.

Bauwirtschaft Bevor nach einem schweren Erdbeben, Taifun oder Tsunami mit dem Wiederaufbau zerstörter Häuser, Brücken und Häfen begonnen werden kann, müssen erstmal die Trümmer beseitigt werden. Nach der Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe 2011 im Nordosten Japans waren das zig Mio.Tonnen. Zugleich müssen Behelfsunterkünfte für die Bewohner bereitgestellt werden, die nicht mehr in ihre Häuser zurückkönnen. Dann müssen neue Wohnhäuser gebaut werden. All das erfordert in den Katastrophengebieten viele Bauarbeiter, an denen es in Japan aber derzeit stark mangelt.