Kapitalanlage Damit das Geld mehr abwirft

Bär und Bulle: Die Symbole der Börsianer stehen vor der Frankfurter Börse. ETF-Fonds bilden Börsen-Indizes ab.
Bär und Bulle: Die Symbole der Börsianer stehen vor der Frankfurter Börse. ETF-Fonds bilden Börsen-Indizes ab. © Foto: dpa
Ortsmarke / Dieter Keller 19.05.2017

Angesichts von Mini-Zinsen für Tagesgeld oder Sparbücher werden Alternativen verzweifelt gesucht. „Anleger greifen oft daneben“, sagt der Chefredakteur der Zeitschrift Finanztest, Heinz Landwehr, mit Blick auf die Auswertung von 40 000 Wertpapierdepots für die letzten zehn Jahre. Fast 9 Prozent Verzinsung pro Jahr wären da im Schnitt drin gewesen. Tatsächlich wurden nur 3 Prozent realisiert. Hauptproblem: Die Anleger streuen zu wenig. Daher empfiehlt die Stiftung Warentest ETF-Fonds. Um es einfach zu machen, hat sie das „Pantoffel-Portfolio“ entwickelt, das bequem zu handhaben ist.

Was sind ETF? Die „Exchange Traded Funds“ sind Aktien- oder Rentenfonds. Im Gegensatz zu „normalen“ Fonds, die eine aktive Anlagepolitik betreiben, um viel Rendite zu erzielen, bilden ETF Börsen-Indizes ab. Die bekanntesten sind der Deutsche Aktienindex (DAX) und der europäische Eurostox50. Die Tester empfehlen allerdings nicht diese, sondern den Weltindex MSCI World. Er berücksichtigt weltweit 1600 Aktien, was das Risiko viel besser verteilt.

Für wen eignen sich ETF? Etwas mehr Risikobereitschaft als bei bei Tagesgeld oder einem Sparbuch muss da sein. Außerdem muss man sich selbst darum kümmern, zunächst in die Materie ein­arbeiten und mindestens einmal im Jahr die Anlagen überprüfen. Bankberater werden in der Regel nur normale Fonds empfehlen und keine ETF, weil sie von diesen keine Provision erhalten. Für die Anleger ist das ein Vorteil, denn es fällt kein Ausgabeaufschlag beim Kauf an. Zudem sind die laufenden Gebühren deutlich geringer, weil keine Fondsmanager bezahlt werden müssen, die sich Gedanken machen, wie sie das Geld anlegen. ETF sind nur für eine langfristige Anlage von mindestens zehn Jahren und ab einem Betrag von 10 000 € sinnvoll, sagt Tom Krüger von der Stiftung Warentest.

Was sind die Vorteile? Die Kosten sind niedrig, das Risiko relativ gering. Sie sind einfach an der Börse – meist in Frankfurt oder Stuttgart – zu kaufen und auch kurzfristig zu verkaufen. Dafür empfehlen sich Direktbanken, die sowohl bei den Kauf- als auch bei den Depotgebühren günstig sind. Zudem sind ETF berechenbar, sagt Yann Stoffel von der Stiftung Warentest: Sie folgen der Tendenz am Aktienmarkt, während aktiv gemanagte Fonds nicht so gut abzuschätzen sind. In der Regel reichen ein Aktien- und ein Renten-ETF, weil diese schon das Risiko auf viele Aktien beziehungsweise Staats- und andere Anleihen verteilen. Umschichtungen sind nicht nötig.

Was sind die Nachteile? ETF sind nicht so einfach zu erklären, und man muss sich aktiv um sie kümmern. Es gibt keine Gewinngarantie. Bei einem Börseneinbruch verlieren sie an Wert. Tatsächlich Verlust macht dann, wer verkauft, statt die Nerven zu behalten. Kein Risiko ist eine Pleite der Fondsgesellschaft: Die Aktien gehören nicht ihr, sondern den Anlegern. Sie müssen damit zufrieden sein, dass ihre Verzinsung nur so hoch ist wie im Schnitt aller Aktien. Aktiv gemanagte Fonds versprechen mehr, aber keiner garantiert, dass das tatsächlich eintritt.

Wie funktioniert das Pantoffel-Portfolio? Die Tester haben drei Varianten entwickelt: „Defensiv“ mit 25 Prozent Aktienanteil, „Ausgewogen“ mit 50 Prozent und „Offensiv“ mit 75 Prozent. Der Rest wandert auf ein Tagesgeldkonto und/oder in Renten-ETF. Je höher der Aktienanteil, desto höher die Risiken bei Börseneinbrüchen, desto höher aber auch die langfristige Verzinsung. Wer vor 20 Jahren 120 000 € angelegt hat, besitzt heute 240 000 € bis 330 000 €. Das System eignet sich sowohl für die Einmalanlage größerer Beträge, etwa bei Auszahlung einer Lebensversicherung, als auch für einen Sparplan, in den jeden Monat eine bestimmte Summe eingezahlt wird. Dritte Möglichkeit ist ein Auszahlplan, bei dem monatlich ein bestimmter Betrag entnommen wird, etwa um die Rente aufzubessern. Aus den rund 1200 ETF, die in Deutschland angeboten werden, empfehlen die Tester einige wenige.

Hilfe von den Testern

Wer Geld in ETF anlegen will, dem bietet die Zeitschrift „Finanztest“ im Juni-Heft umfangreiche Erläuterungen des Pantoffel-Portfolios. Zudem hat sie ein Spezialheft „Anlegen mit ETF“ herausgebracht. Auf den Internet-Seiten der Stiftung Warentest gibt es – gegen Gebühr – unter anderem einen Rechner, mit dem das Depot laufend überprüft werden kann. dik

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