Aktie stürzt ab Continental kassiert Prognose erneut

Continental-Werk in Hannover. Foto: Julian Stratenschulte
Continental-Werk in Hannover. Foto: Julian Stratenschulte © Foto: Julian Stratenschulte
Hannover / DPA 22.08.2018

Der Autozulieferer und Reifenhersteller Continental muss wegen schwächerer Geschäfte und höherer Kosten erneut seine Prognose für das laufende Jahr kappen.

Der Konzernumsatz dürfte 2018 bei rund 46 Milliarden Euro vor Währungseffekten liegen, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte - und nicht mehr wie vorher angekündigt bei 47 Milliarden Euro.

Solche Faktoren - etwa die Folge von Geschäften in verschiedenen Währungen wie Dollar, Yen oder Peso - eingerechnet, korrigierte Conti die Prognose zudem von zunächst 46 auf nun 45 Milliarden Euro nach unten.

Die Aktien stürzten ab und zogen auch die Papiere von Autobauern mit nach unten. Teils rutschten Conti-Papiere am Mittwoch bis auf 157,90 Euro und damit auf das Niveau von November 2014. Zum Handelsschluss belief sich das Minus auf gut 13 Prozent bei einem Kurs von 160,85 Euro.

Trotz allem wollen die Hannoveraner 2018 weiter schneller wachsen als der Markt. Im Vergleich zum Vorjahr mit rund 44 Milliarden Euro solle der aus eigener Kraft - also zum Beispiel ohne Zukäufe - erzielte Umsatz voraussichtlich um mehr als 4 Prozent zulegen. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebit) wird nun bei über 9 Prozent des Umsatzes erwartet. Bisher lautete die Prognose dafür mehr als 10 Prozent.

Es ist bereits die zweite Gewinnwarnung innerhalb weniger Monate. Erst im April hatte Conti die Prognose zum Ertrag für das erste Halbjahr um 150 Millionen Euro gekappt. Bei der Halbjahresbilanz warnte das Management vor einem Durchhänger wegen des neuen Abgas-Prüfverfahrens WLTP. Damals war der Konzern aber noch von einem starken Schlussquartal ausgegangen.

Neben geringeren Umsatzerwartungen und höheren Kosten nannte Continental als Begründung für die Gewinnwarnung auch Gewährleistungsfälle, die im dritten Quartal belastend gewirkt hätten und auch im vierten Quartal noch wirken dürfen. Dabei geht es nach Angaben eines Sprechers um Altfälle aus der Zeit vor der Übernahme von Siemens VDO, die mit rund 150 Millionen Euro auf das Ergebnis drückten. Details dazu wurden nicht genannt.

Vor allem zwei Entwicklungen seien entscheidend für die verringerte Umsatzprognose. Das Erstausrüstungsgeschäft in der Autozuliefersparte liege in Europa und China unter den Erwartungen, hinzu kamen schwächere Geschäfte mit Reifen in diesen Regionen. Vor allem in Europa seien die Erwartungen nicht erfüllt worden, sagte Finanzchef Wolfgang Schäfer in einer Telefonkonferenz. Zusätzlich stiegen die Entwicklungskosten im Zuliefergeschäft wegen des hohen Auftragseingangs - im ersten Halbjahr erreichte der Eingang der Bestellungen das Rekordniveau von mehr als 20 Milliarden Euro.

Höhere Kosten verbuchte Conti auch in der Antriebssparte wegen der Umstellung auf Systeme für Hybrid- und reine Elektroautos. Schäfer erklärte, es würden Maßnahmen ergriffen, um die Kosten zu senken. Im dritten Quartal erwartet das Unternehmen Erlöse von insgesamt rund 11 Milliarden Euro, das bereinigte operative Ergebnis soll bei mehr als 700 Millionen Euro liegen.

Die Autosparte soll im Gesamtjahr einen währungsbereinigten Umsatz von 28 Milliarden Euro erzielen - eine halbe Milliarde Euro weniger als bislang gedacht. Den bereinigten Gewinn sieht Continental hier nun bei rund 7 Prozent, nicht mehr bei etwa 8,5 Prozent vom Umsatz. In der Reifensparte wurde die Umsatzerwartung ebenfalls um eine halbe Milliarde Euro auf nun 18 Milliarden Euro vor Wechselkurseffekten gesenkt, die bereinigte Gewinnspanne sieht der Konzern mit mehr als 13 Prozent um einen Prozentpunkt niedriger.

Analyst Frank Schwope von der NordLB äußerte sich negativ überrascht. Der starke Kursrückgang zeige möglicherweise die Unsicherheit der Marktteilnehmer über die anstehende Umstrukturierung des Konzerns. Mitte Juli hatte Continental den größten Umbau seiner Geschichte beschlossen. Das Unternehmen soll künftig als Holding mit den drei Säulen Reifen, Zulieferergeschäft und Antriebssparte geführt werden. Letztere will Conti Anfang 2019 abspalten. Schwope warnte auch, zunehmende weltweite Handelskonflikte könnten Continental in den nächsten Monaten Probleme bereiten.

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