Blaubeuren Centrotherm will unter den Schutzschirm

Der Blaubeurer Anlagenbauer Centrotherm leidet unter der Krise in der Solarbranche und hat Insolvenz in Eigenregie beantragt. Foto: Lars Schwertfeger
Der Blaubeurer Anlagenbauer Centrotherm leidet unter der Krise in der Solarbranche und hat Insolvenz in Eigenregie beantragt. Foto: Lars Schwertfeger
Blaubeuren / FRANK KÖNIG 12.07.2012
Schock für die Region Ulm: Der Solarhersteller Centrotherm streckt tief in Finanzproblemen und hat die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt - allerdings in der neuen Form unter Schutzschirm in Eigenregie.

Der angeschlagene Solarhersteller Centrotherm gerät immer tiefer in die Krise und hat die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt - jedoch in Eigenregie nach dem seit März geltenden Schutzschirmverfahren. Dies soll das Unternehmen in Blaubeuren (Alb-Donau-Kreis) für drei Monate vor den Altforderungen seiner Gläubiger schützen. Die Entscheidung liegt nun beim Amtsgericht Ulm.

Für den laufenden Geschäftsbetrieb sind dagegen nach Angaben des im Prime Standard an der Frankfurter Börse notierten Unternehmens genügend liquide Mittel vorhanden. Vorstandssprecher Robert Hartung: "Da wir weiterhin zahlungsfähig sind, können wir sowohl Kundenaufträge planmäßig abarbeiten wie auch unsere Lieferanten bezahlen." Auch die Gehälter der zuletzt 1400 Mitarbeiter seien gesichert, betonte eine Sprecherin.

Der Maschinenbauer, der Anlagen für die Herstellung von Solarmodulen produziert, hält angesichts einbrechender Umsätze und hoher Verluste weitere "Strukturanpassungen" für notwendig und hat daher mit Tobias Hoefer einen weiteren Sanierungs- und Insolvenzexperten im Vorstand verpflichtet. Das Unternehmen betrachtet sich als Weltmarktführer bei thermischen Anlagen und will nicht aufgeben. Hartung: "In diese Kompetenz müssen wir weiter investieren."

Die Firma hat wegen der schlechten Marktlage - mit bedingt durch die Kürzung der Solarförderung und Billigprodukte aus China - allerdings im ersten Quartal einen operativen Verlust von mehr als 40 Mio. EUR erlitten. Zahlen für das zweite Quartal liegen noch nicht vor. Die Auslastung ist aber weiter schlecht, die Kurzarbeit wurde zum 30. Juni lediglich unterbrochen.

Die Warenversicherer hatten bereits im Juni die Reißleine gezogen und Warenlieferungen an Centrotherm von dem Zeitpunkt an nicht mehr versichert. Auch Kredit- und Avallinien bei den Banken konnten nicht mehr genutzt werden.

Finanzvorstand Thomas Riegler hatte eingeräumt, dass die vorhandene Liquidität aus dem Börsengang bei Centrotherm bestenfalls bis Jahresende reicht. Analysten rechneten damit, dass das Geld im dritten Quartal aufgezehrt ist. Zuletzt bestand keine Aussicht auf nennenswerte Umsätze. Zwar hatte Algerien noch eine Solarfabrik im Wert von 227 Mio. EUR bei Centrotherm bestellt, aber diese Erlöse können erst 2013 und 2014 verbucht werden. Im abgelaufenen Geschäftsjahr erzielte Centrotherm einen Umsatz von etwa 700 Mio. EUR.

Die Aktie, die einmal in Richtung 100 EUR tendierte, lag gestern noch bei 53 Cent und wurde von Anlage-Experten als reines Spekulationsobjekt eingestuft. Die Aktienmehrheit liegt bei den Familien Hartung und Autenrieth. Der Streubesitz beträgt immerhin 47 Prozent. Die Centrotherm-Sprecherin sagte, man halte unverändert an der für 14. August geplanten Hauptversammlung in der Donauhalle in Ulm fest.

Um Kosten zu sparen, hat Centrotherm von 1900 Mitarbeitern (Stand Jahreswechsel) 400 entlassen, außerdem sind 100 befristete Verträge ausgelaufen. Die Hälfte der verbliebenen Beschäftigten ist am Standort in Blaubeuren tätig. Es bleibt derzeit offen, ob es zu weiteren Entlassungen kommt. Centrotherm gab nur bekannt, dass weitere "Kapazitätsanpassungen und Kostensenkungen" erforderlich seien.

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