Friedrich Merz Blackrock: Diskret und extrem mächtig

Der Firmensitz des Finanzriesen ist in New York.
Der Firmensitz des Finanzriesen ist in New York. © Foto: Justin Lane/EPA/dpa
Frankfurt / Von Rolf Obertreis 01.11.2018
Der US-Vermögensverwalter gilt als einflussreichster Konzern weltweit. In Deutschland treibt der CDU-Politiker Friedrich Merz die Geschäfte voran.

Friedrich Merz kandidiert für den CDU-Vorsitz. Mit seiner Ankündigung in der Bundespressekonferenz in Berlin hat der frühere Chef der CDU-Bundestagsfraktion auch seinen jetzigen Arbeitgeber in den Blickpunkt gerückt: Blackrock, den weltgrößten Vermögensverwalter. Seit Jahren treibt Merz das Geschäft des US-Finanzriesen hierzulande an.

Blackrock mischt bei allen 30 Dax-Konzernen mit – und das mit teilweise gewichtigen Anteilen: 7 Prozent sind es bei Bayer, 5,8 Prozent bei Siemens, womit Blackrock dort jeweils größter Einzelaktionär ist. Bei SAP kommt der US-Konzern auf 5,9 Prozent, bei der Deutschen Bank und Daimler auf jeweils 5 Prozent.

Insgesamt dürfte Blackrock mit einem hohen zweistelligen Milliardenbetrag bei deutschen Unternehmen engagiert sein. Das sichert Einfluss – auch Friedrich Merz, der seit 2016 Aufsichtsratschef der deutschen Sparte von Blackrock ist. Für den Vermögensverwalter dürfte ein Strippenzieher wie Merz schwer zu ersetzen sein. Auch wenn Vertreter des Unternehmens sich immer wieder Mühe geben, den Einfluss von Blackrock herunterzuspielen. Man agiere als Fondsgesellschaft ja nur für seine Kunden, fungiere als Treuhänder und lege kein eigenes Geld an. Versicherungen, Pensionskassen, Unternehmen, Staatsfonds, Banken, auch Kirchen vertrauen auf die Dienste von Blackrock.

Die gigantische Summe von 6,4 Billionen Dollar (5,6 Billionen €) verwalten die Amerikaner für Kunden aus rund 100 Ländern. Dazu gehören auch Privatanleger. Die haben ihr Geld in ETFs – passiv gehandelte kostengünstige Fonds – der Tochtergesellschaft iShares angelegt.

Blackrock-Vertreter betonen stets, der Vermögensverwalter agiere nicht im eigenen Interesse, sondern im Interesse der Kunden, die für die Geldanlage Vorgaben machten. Vertreter des Vermögensverwalters sprechen nicht auf Hauptversammlungen, sie sitzen nicht in Aufsichtsräten. Sie machen ihre Positionen in Gesprächen mit Vorstand und Aufsichtsrat der Unternehmen deutlich.

Viele Unternehmen in Deutschland seien gut geführt, sagt Blackrock-Chef Larry Fink. Bei anderen müsse man klarer auf die Bedeutung einer langfristigen Strategie hinweisen. Generell, heißt es bei Blackrock in Frankfurt, gehe es um langfristiges Denken und nicht um kurzfristige Konzepte. Schließlich wollten die Kunden, dass ihr Geld langfristig gewinnbringend angelegt werde. Insofern, heißt es bei Blackrock, nehme man Einfluss, „aber mehr im Hintergrund“.

Blackrock als Beratung für Europäische Zentralbank

Erstaunlich ist freilich, dass Blackrock auch auf einem anderen Feld mitspielt – bei Beratungsmandaten für die Europäische Zentralbank (EZB) etwa während der Griechenland-Krise 2012. Auch bei der Durchführung des jüngsten Stresstests der Bankenaufseher in Europa ist Blackrock beteiligt. Das Mandat hat eine Sparte des Vermögensverwalter im Rahmen einer normalen Ausschreibung erhalten, heißt es in Notenbankkreisen.

Fragwürdig bleibt diese Tätigkeit dennoch: Schließlich ist Blackrock dadurch etwa an der Prüfung der Deutschen Bank beteiligt, bei der sie ein großer Aktionär ist. Kritiker halten Blackrock zudem vor, den Wettbewerb zu torpedieren, die Altersvorsorge bewusst zum eigenen Vorteil zu privatisieren, sehr eng mit Behörden zusammenzuarbeiten und damit auch Einfluss auf die Regulierung der Finanzbranche zu nehmen. Das machen Kritiker auch an den guten Kontakten von Blackrock-Chef Fink zu vielen Staatschefs fest.

Friedrich Merz selbst weist die Kritik an Blackrock zurück. Blackrock, so Merz, sei kein Finanzinvestor, sondern ein Vermögensverwalter. Selbst wenn der Rechtsanwalt aus dem Sauerland CDU-Vorsitzender werden sollte und bei Blackrock ausscheide, dürften beide Seiten in Verbindung bleiben. Der politische Einfluss von Blackrock dürfte erheblich bleiben – und umstritten.

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Rasanter Aufstieg in 30 Jahren

Im Jahr 1988 wurde Blackrock als Finanzsparte des Hedgefonds­betreibers Blackstone gegründet. Sechs Jahre erfolgte die Abspaltung. Der Vermögensverwalter wächst seither rasant. 2006 erfolgte die Fusion mit der Investmentbank Merrill Lynch. Der Konzern, der als heimlich Weltmacht gilt, beschäftigt rund 13 900 Mitarbeiter. Seit 1999 ist er selbst an der Börse gelistet. Die größten Anteilseigner sind Fondsgesellschafter und Finanzkonzerne. amb

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