Ulm / dpa In Japan ist die Digitalwährung neben dem Yen bereits offizielles Zahlungsmittel. Die Zahl der Unternehmen, die sie akzeptieren, wächst stetig. Doch Experten warnen Anleger vor Verlusten.

Die digitale Währung Bitcoin macht Schlagzeilen. Zu Jahresbeginn lag ihr Kurs noch bei etwa 900 US-Dollar (764 €), bis Ende August explodierte der Kurs auf fast 4900-Dollar, stürzte im September auf 3000  Dollar (2546 €) ab, um sich dann wieder zu erholen. Asien ist der größte Bitcoin-Markt, doch genau hier wächst die Kritik an der Digitalwährung. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Ist Bitcoin echtes Geld? Internetgeld, virtuelles Geld, Kryptowährung – die Beschreibungen von Bitcoin erwecken schnell den Eindruck, dass es sich dabei um echtes Geld handelt, nicht zuletzt, weil Bitcoin im Internet oft mithilfe eines goldenen Fantasietalers illustriert wird. Weder hat man mit Bitcoin aber echte Münzen oder Scheine in der Hand, noch erfüllt die Technik bislang alle Geldfunktionen.

Vielmehr wird die Digitalwährung dezentral in einem Computernetz errechnet und verwaltet. Dieses bilden Teilnehmer, die sich dafür im Internet miteinander verbinden. Bei Transaktionen werden einzelne Beträge zwischen Nutzeradressen hin- und hergeschickt, wobei ein geheimer Schlüssel den Zugriff auf die eigene Adresse erlaubt. Obwohl Bitcoin immer öfter genutzt wird, erachten Experten die generelle Akzeptanz als noch zu gering, um von echtem Geld sprechen zu können.


Wie funktioniert Bitcoin? Im Hintergrund steht eine Datenbank namens Blockchain („Blockkette“). Sie wird auch als digitaler Kontoauszug bezeichnet. In den miteinander verketteten Blöcken sind alle jemals getätigten Transaktionen öffentlich einsehbar, die Datensätze sind aber verschlüsselt. Transaktionen lassen sich aber durchaus zurückverfolgen. Deshalb bieten verschiedene Dienste eine bessere Anonymisierung an. Da die Datenbank von mehreren Rechnern verwaltet wird, gilt sie als nicht manipulierbar. Einen zentralen Vermittler, der die Echtheit der Informationen bestätigt, braucht das Netzwerk nicht. Auch von Regierungen ist Bitcoin unabhängig.


Wie komme ich an Bitcoin und wo kann ich damit bezahlen? Zunächst kann man Bitcoin auf Online-Börsen erwerben. Daneben können Unternehmer Bitcoin als Zahlungsmittel akzeptieren. Die Zahl der Unternehmen wächst stetig. Bisher sind es vor allem Internet-Shops, es gibt aber auch Restaurants, Schulen und Dienstleister, die Bitcoin akzeptieren. Die Internet-Plattform BTC-Echo zählt derzeit etwa 160 Unternehmen in Deutschland.


Wie stark ist Bitcoin in den vergangenen Jahren gestiegen und warum? Allein seit Jahresbeginn ist der Preis für einen Bitcoin um teilweise bis zu 500 Prozent gestiegen. Als Grund für den extremen Anstieg  wird oftmals Japan genannt. Dort wurde der Bitcoin Anfang April zum offiziellen Zahlungsmittel neben dem Yen erklärt. Angeblich diskutiert Sydney ebenfalls darüber. Politische Unsicherheiten, Währungskrisen, das zunehmende Interesse auch institutioneller Investoren sowie die allgemeine Hoffnung auf Kursgewinne befeuern den Preis zusätzlich.


Haben die Leute keine Angst, dass die Blase platzt? Warnungen vor einem möglichen Crash gibt es fast täglich. Zudem hat die Deutsche Bundesbank Anleger im Mai wiederholt zur Vorsicht aufgerufen. Tatsächlich sei der Kursanstieg der vergangenen Jahre mit Fundamentaldaten kaum zu erklären, betont Dirk Schrade von der Bundesbank. „Man  kann damit keinen Schmuck machen und man kann es sich auch nicht um den Hals hängen“, sagt der Zahlungsverkehrs-Experte. Die Digitalwährung habe lediglich einen Tauschwert, bei dem man hoffen muss, dass die Nutzer ihn auch zukünftig akzeptieren.

Tatsächlich meinen viele Bitcoin-Enthusiasten, dass bald noch deutlich höhere Preise für das Kryptogeld akzeptiert werden. Die Vorhersagen reichen bis zu 50 000 US-Dollar pro Einheit. Manchen Fans geht es dabei womöglich nicht einmal nur um das Geld. „Die Leute kaufen Bitcoin in der Hoffnung, in der Zukunft steigende Wertgewinne zu erzielen oder dass es sich hierbei um etwas handelt, was in der Zukunft eine größere Bedeutung einnehmen könnte“, sagt Schrade.

abc