Trockenheit Bauernverband fordert Milliardenhilfe

Banger Blick aufs Getreidefeld: Die Ernteeinbußen sind in diesem Jahr enorm. Viele Landwirte fürchten um ihre Existenz.
Banger Blick aufs Getreidefeld: Die Ernteeinbußen sind in diesem Jahr enorm. Viele Landwirte fürchten um ihre Existenz. © Foto: Patrick Pleul/dpa
Ulm / Simone Dürmuth 31.07.2018
Die Landwirte erwarten die schlechteste Ernte des Jahrhunderts. Warum sind die Flächen nicht gegen Dürre versichert?

Die wochenlange Dürre könnte aus Sicht des Deutschen Bauernverbands viele Landwirte ohne rasche Hilfe in Existenznöte treiben. Präsident Joachim Rukwied appellierte an die Politik, betroffene Betriebe finanziell zu unterstützen. „Eine Milliarde Euro wäre wünschenswert, um die Ausfälle auszugleichen“, sagte er der Funke-Mediengruppe. Betriebe, deren Erträge um mehr als 30 Prozent unter dem Schnitt der letzten Jahre liegen, müssten direkte Hilfen erhalten.

Größtes Risiko ist die Trockenheit

Das Risiko für Landwirte, dass wegen fehlenden Regens die Ernte ausfällt, steigt. Eine Studie des Gesamtverbands der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) beschreibt das Phänomen: Wetterrisiken haben in Deutschland zwischen 1990 und 2013 Ernteausfälle von im Schnitt 511 Millionen Euro verursacht. Klimabedingt steigen die Schadenssummen eher an. Größtes Risiko ist dabei Trockenheit. Vom jährlichen Durchschnittsschaden entfällt darauf mit 276 Millionen Euro mehr als die Hälfte. Danach folgt Hagel (134 Millionen Euro). Der Rest verteilt sich auf Frost, Überschwemmung und Sturm mit Starkregen.

Nur wenige sind versichert

Gegen Hagelschäden können sich Landwirte in Deutschland gut versichern. So bietet zum Beispiel die Vereinigte Hagel, ein Spezialversicherer aus Gießen, seit 200 Jahren Policen hierfür an – etwa 5 Millionen Hektar sind in Deutschland so versichert, erklärt Sprecher Daniel Rittershaus. Zusätzlich können Landwirte bei der Vereinigten Hagel eine Trockenversicherung abschließen. Allerdings sind derzeit lediglich insgesamt 500 Hektar versichert.

Der Grund: Die Versicherung ist den meisten Landwirten zu teuer. Das fängt bei der Steuer, die darauf zu entrichten ist, an. Der Gesetzgeber hat die Versicherungssteuer für Agrarpolicen gegen Hagel, Sturm, Starkregen Überschwemmungen und Frost von 19 auf 0,03 Prozent gesenkt und sie damit deutlich günstiger gemacht. Für Versicherungen gegen Dürre gelten aber weiterhin 19 Prozent Versicherungsstreuer. Sowohl der Landesbauernverband Baden-Württemberg als auch der Deutsche Bauernverband (DBV) versuchen schon seit Längerem, auch hier eine Senkung zu erreichen, berichtet Horst Wenk, stellvertretender Hauptgeschäftsführer beim Landesbauernverband. Auch der Landwirtschaftsminister des Landes Joachim Hauk (CDU) unterstützt den Vorstoß, wie er auf Nachfrage der SÜDWEST PRESSE bestätigt.

Politik könnte Abhilfe schaffen

Die Politik hätte aber auch die Möglichkeit, die Policen direkt zu bezuschussen. In anderen europäischen Ländern, von Frankreich über Italien und Polen, bis nach Spanien, den Niederlanden und Österreich ist das bereits üblich. 50 bis 65 Prozent der Mehrgefahrenpolicen werden hier erstattet, erklärt Rittershaus. Mal kommt das Geld aus EU-Töpfen, mal sind es nationale Mittel. Auch Hauk regt eine zum Teil durch Steuern finanzierte Mehrgefahrenversicherung an, die nicht nur Frost oder Hagel, sondern auch Trockenheit abdecke.

Gegen eine solche Unterstützung haben auch die Bauernverbände nichts einzuwenden – wenn das Geld dafür nicht an anderer Stelle weggenommen wird. „Sie können jeden Euro eben nur einmal ausgeben“, so Wenk. Die Befürchtung: Fließen EU-Mittel in die Bezuschussung für Versicherungspolicen, fehlen sie an anderer Stelle.

Sollte die Dürreversicherung günstiger werden, würden sie mehr nachgefragt und das Risiko könnte gestreut werden. Denn das ist eines der größten Probleme für die Versicherer: Dürren treten meist flächendeckend auf. Die Schadenssummen sind enorm. Ein heißer Sommer kann die Einzahlungen von vier bis fünf Jahren auf einen Schlag kosten.

„Schlechteste Ernte des Jahrhunderts“ erwartet

Für diesen Sommer kommen all diese Bemühungen zu spät. Der DBV rechnet mit der „schlechtesten Ernte“ des Jahrhunderts. Heute wollen Vertreter von Bund und Ländern über Konsequenzen der Hitzeperiode sprechen. Ziel ist eine Bestandsaufnahme der Schäden. Nach Darstellung von Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) ist das Bild uneinheitlich: Während etwa Winzer mit einem sehr guten Jahrgang rechnen, treibe manche Landwirte die Sorge um ihr wirtschaftliches Überleben um.

Milchpreis steigt bereits

Sollten die Ernteeinbußen hoch ausfallen, könnten auch einige Lebensmittel wegen knapperer Rohstoffe teurer werden. So fordern die Milchbauern angesichts der Dürre und der geringeren Menge an Futtermitteln bereits deutlich höhere Milchpreise.

Insgesamt ist die Lage laut Klöckner alarmierend: „Es zeichnen sich geringere Getreideerträge, starke Trockenschäden bei Kartoffeln, Mais und Zuckerrüben ab. Viele Viehhalter haben Not, ihre Tiere zu versorgen, weil das Gras als Futter fehlt.“ Eine Entlastung sei für manche Bauern, dass die Erzeugerpreise um etwa 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen seien.

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