Stuttgart Bahn sucht 80 000 Mitarbeiter

Selbst Bahnchef Rüdiger Grube muss ran und serviert Getränke. Foto: dpa
Selbst Bahnchef Rüdiger Grube muss ran und serviert Getränke. Foto: dpa
ANDREAS BÖHME 22.05.2012
Die Schlachten um Stuttgart 21 sind geschlagen, die Bahn steht vor der Umsetzung ihrer milliardenschweren Bauprojekte. Aber die Fachleute sind knapp.

Dem Bauprojekt Stuttgart 21 fehlen trotz vieler Initiativbewerbungen seit dem Volksentscheid Dutzende Ingenieure. Bis 2020 braucht die Bahn bundesweit rund 80 000 neue Mitarbeiter. Doch wie sicher der Job bei dem Staatskonzern auch ist, "die Leute laufen uns nicht die Türen ein", sagt Hans-Otto Umlandt, Personalvorstand bei der Netz AG und ergänzt: "Mögliche Bewerber denken nicht immer gleich an die Bahn. Das wollen wir ändern."

Die wenigsten Berufsstarter wüssten, was alles hinter dem Bahnbetrieb steckt. Lokführer, Fahrdienstleiter und die Zugbegleiter sind sichtbar, aber wer kennt schon den Ingenieursjob eines Bauherrenvertreters? "Wir können im Grunde genommen jedes Berufsbild abbilden, wir haben für jedes Talent eine Aufgabe", sagt Umlandt. Derzeit baut die Bahn eine Organisation für Personalgewinnung auf, die konzernübergreifend arbeitet. Auch die Personalverantwortlichen müssen nach fast zwei Jahrzehnten des Abbaus umdenken.

Denn die Bahn hat ein Demografie-Problem: Seit dem Jahr 1994, als die Privatisierung begonnen hat, wurde mit der voranschreitenden Technik Personal abgebaut. Zehntausende Mitarbeiter gingen, wenige kamen. Bei 47 Jahren liegt der Altersdurchschnitt in der Netz AG. Diese Arbeitnehmer wurden eingestellt, weil die Bundesbahn in den 70er-Jahren bei Anzeichen gravierender Jugendarbeitslosigkeit über Bedarf ausbildete und dann auch übernahm.

Nun jedoch werden Ausbildungsplätze wieder aufgebaut. Im vergangenen Jahr hat die Deutsche Bahn rund 3600 Lehrlinge eingestellt, ein Viertel mehr als 2010. In diesem Jahr sind es rund 3700 Jugendliche, rund 1000 pro Ausbildungsjahr, davon 800 bei der Netz AG.

Das Gros der Lehrlinge bleibt erfahrungsgemäß danach bei der Bahn, zumal nun praktisch eine Übernahmegarantie für Lehrlinge gilt. Umlandt: "Im Moment wird fast jeder übernommen."

Über den ganzen Südwesten ausgedehnt wurde mittlerweile die Zusammenarbeit mit der Bundeswehr beim Werben um ehemalige Zeitsoldaten, es gibt halbjährliche Kontakte mit bahnaffinen Lehrstuhlinhabern, auch ein "Karriere-Express" ist am Start, der Studenten aus den mittleren Semestern in die Praxis von der Tunnelbaustelle bis zum Rangierbahnhof führt.

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