Berlin Bahn plant mehr Züge

Berlin / DIETER KELLER 19.03.2015
Mit mehr Direktverbindungen, besserem Service und Sonderpreisen will die Deutsche Bahn im Fernverkehr mehr Fahrgäste in ihre Züge locken. Viele Pläne kann sie allerdings nur längerfristig realisieren. Mit einem Kommentar von Dieter Keller: Überfälliges Konzept.

Die Deutsche Bahn startet die "größte Kundenoffensive" in der Geschichte des Fernverkehrs. So feierte zumindest Personenverkehrs-Chef Ulrich Homburg gestern das Konzept, das den Staatskonzern auf Touren bringen soll.

Fahrpreise Im IC gibt es ab Ende 2016 einen Sparpreis von 19 EUR. Generell können ab 2016 alle Sparpreis-Tickets - im ICE weiter ab 29 EUR - am selben Tag bis kurz vor der Abfahrt erworben werden. Derzeit geht das nur bis zum Tag vor der Fahrt. Wie viele Spartickets es gibt, hängt von der Auslastung der Züge ab.

Bahncard Ab Herbst gibt es auch die Bahncard 50 und 100 mit nur 3 Monaten Gültigkeit. Derzeit ist das nur bei der Bahncard 25 möglich, die 25 Prozent Rabatt gewährt. Preise für die neuen Varianten sind noch nicht bekannt. Bei der Bahncard 50 soll er höher sein als ein Viertel des Jahrespreises von 255 EUR in der 2. Klasse.

Reservierung: Seit Dezember 2014 ist sie schon in der 1. Klasse beim Kauf eines Fahrscheins kostenlos. Dies wird voraussichtlich im Lauf des nächsten Jahres auf die 2. Klasse ausgedehnt.

Internet 2016 soll kostenloses Wlan im ICE auch in der 2. Klasse verfügbar sein. In die Züge werden Mobilfunk-Repeater der neuesten Generation aller Netzanbieter eingebaut. Ob dies auch im IC klappt, hängt vom Ausbau der Mobilfunknetze ab. Bereits ab September 2015 kann kostenlos ein Infotainment-Portal an Bord genutzt werden.

IC-Netz Seinen Ausbau feiert Homburg als großen Fortschritt in der Fläche. Er verspricht 190 neue Direktverbindungen in die 50 größten Städte. Durch das neue IC-Netz werden fast alle Städte über 100 000 Einwohnern mindestens im 2-Stunden-Takt in den Fernverkehr eingebunden. In Baden-Württemberg werden neue IC-Haltepunkte nicht nur in Reutlingen und Heilbronn eingerichtet, sondern auch in auch Tübingen, Esslingen, Ludwigsburg, und Friedrichshafen. Zudem werden mehr Züge unter anderem für die Bahnhöfe Stuttgart, Ulm und Pforzheim versprochen. Allerdings dauert es, bis die neuen Angebote tatsächlich laufen. So soll der neue IC von Nürnberg über Schwäbisch-Hall nach Stuttgart und Zürich erst ab Dezember 2018 starten. Die IC-Linie von Tübingen über Stuttgart bis Würzburg und Bamberg ist erst ab Ende 2028 vorgesehen, eine Verbindung von Lindau über Stuttgart bis Saarbrücken ein Jahr später. Zudem ist hierfür die Voraussetzung, dass die Südbahn elektrifiziert wird. Im IC gibt es keinen Speisewagen, sondern nur eine Grundversorgung mit Kaffee und Snacks.

ICE-Netz Auf den wichtigen Nord-Süd- und West-Ost-Achsen verspricht Homburg zwei Züge pro Stunde. Das Angebot wird schrittweise ausgebaut, wenn ab 2016 alle 17 neuen ICE3-Züge und ab Ende 2017 die ersten ICx zur Verfügung stehen, von denen die Bahn 130 bestellt hat. Zudem wird der Fahrplan ausgeweitet, wenn Ende 2017 die neue Schnellfahrstrecke von Berlin nach München fertig ist. Fest im Auge hat die Bahn auch schon die Neubaustrecke Ulm-Stuttgart: Ab 2022 soll die Fahrt von Stuttgart nach München mit 1:45 Stunden um 30 Minuten kürzer sein als bisher. Auf anderen Verbindungen soll es schon früher schneller gehen: Ab dem Fahrplan 2016 sinkt die Fahrzeit von Stuttgart nach Köln um 10 Minuten auf 2:05 Stunden und von der Landeshauptstadt nach Paris um 30 Minuten auf 3:10 Stunden. Zudem gibt es dann fünf statt bisher vier Züge täglich.

Perspektiven Im Jahr 2030 will die Bahn 50 Mio. Fahrgäste mehr befördern als in diesem Jahr, und das mit Gewinn. Dazu will sie 1500 zusätzliche Mitarbeiter einstellen.

Kommentar von Dieter Keller: Überfälliges Konzept

Mächtig stolz gab sich Bahn-Vorstand Ulrich Homburg, als er die "größte Kundenoffensive in der Geschichte des Fernverkehrs" präsentierte. Näher betrachtet hört sich das überfällige Zukunftskonzept allerdings eher so an, als habe das Management verzweifelt alles an Neuerungen zusammengekehrt, was in den nächsten 15 Jahren eh geplant war.

Der Erfolg der Fernbusse hat die Bahn auf dem falschen Fuß erwischt: Binnen kurzer Zeit gingen ihr viele Fahrgäste und damit Gewinn verloren. Daher muss sie dringend gegensteuern, und das eigentlich kurzfristig. Doch das ist schwierig. Denn dafür bräuchte sie neue Züge und Strecken. Die sind zwar in Bau. Aber bis sie verfügbar sind, dauert es. Die kurzfristigen Maßnahmen wie noch günstigere Sparpreise im IC, die Bahncard mit kürzerer Laufzeit oder kostenloses Wlan auch in der 2. Klasse hören sich sehr bemüht an. Ob sie tatsächlich mehr Fahrgäste bringen, muss sich erst zeigen. Zudem muss beim Internet die Technik mitspielen.

Richtig ist die Wiedergeburt des IC. Die Bahn hatte sich beim Fernverkehr aus zu vielen Städten zurückgezogen, weil sie in der Fläche angeblich nichts verdiente. Genau dort haben die Fernbusse besonders großen Erfolg. Es wird lange dauern, bis die Bahn diese offene Flanke gestopft hat.

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