Autos Autosalon: E-Fahrzeuge überrollen Paris

Paris / DPA 30.09.2016
Fehlende Reichweite, hohe Preise und mangelnde Ladestationen gelten als größte Hindernisse für den Verkauf von E-Autos. Auf dem Pariser Autosalon suchen die Hersteller nach Antworten.

Die europäischen Autohersteller arbeiten an der nächsten Generation von Elektroautos. Sowohl Volkswagen als auch Daimler stellten am Donnerstag auf dem Pariser Autosalon Konzepte für reichweitenstarke Modelle vor. Volkswagens Kompaktwagen soll 400 bis 600 Kilometer weit kommen, Daimlers E-Autos auf Geländewagenbasis steht dem in nichts nach. Beide Konzepte sind als Grundlage für eine neue Modellpalette von Elektroautos gedacht.

Bis die allerdings beim Händler stehen, dauert es: 2020 heißt es bei VW, „noch in dieser Dekade“ – also in drei Jahren – bei Daimler. BMW plant weitere Modelle mit Hybrid- und Elektromotor auszustatten. Vertriebschef Ian Robertson wollte in Paris noch keine Details nennen.

Während die Verkaufszahlen von reinen Elektroautos in Deutschland noch verschwindend gering sind, läuft das Geschäft in Ländern wie China und den USA an. In China wurden in diesem Jahr laut einer Untersuchung des Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach bis August rund 240 000 E-Autos und Kleinbusse verkauft – gut zweieinhalb Mal so viele wie in den USA und 17 Mal mehr als in Deutschland. Selbst Kaufprämien für die Strom-Autos helfen hierzulande bislang kaum.

Die hohen Preise für Elektroautos gelten ebenso als Hindernis wie fehlende Ladestationen und die mangelnde Ausdauer. Man müsse den Käufern die „Reichweitenangst“ nehmen, sagte Daimlers Entwicklungsvorstand Thomas Weber am Rande der Messe.

Genau das versucht Opel nun mit dem in Paris vorgestellten neuen Ampera-e, der mit einer Ladung 500 Kilometer weit kommen soll. Renault will bis Ende des Jahres eine Neuauflage des Modells Zoe mit 400 Kilometer Reichweite starten. W legt seinen E-Golf neu auf – wenn auch erst mit einer Reichweite von 300 Kilometern. Das für 2020 geplante Modell soll nicht nur bei der Reichweite, sondern auch beim Preis einem Diesel-Golf entsprechen, versprach VW-Markenchef Herbert Diess.

Der französische Hersteller Renault, europäischer Marktführer bei Elektroautos, präsentierte ein Konzept für ein Elektro-Coupé. „Trezor“, ein Zweisitzer mit roten Fenstern, solle einen Vorgeschmack auf den Stil künftiger Modelle geben, sagte Konzernchef Carlos Ghosn. Wann diese in den Handel kommen könnten, ließ er aber offen.

Daimler will es bei einem Modell nicht belassen. Bis 2025 wollen die Stuttgarter mehr als zehn reine Elektrofahrzeuge anbieten, verkündete Konzernchef Dieter Zetsche. Sie sollen dann 15 bis 25 Prozent aller weltweit von den Stuttgartern verkauften Autos ausmachen. Die Fahrzeuge sollen ähnlich BMWs i-Modelle unter einer neuen Marke namens „EQ“ laufen. Außerdem stecken die Stuttgarter 1 Mrd. € in den Ausbau ihrer Batterieproduktion.

Doch nicht alle Hersteller sind von reinrassigen E-Modellen überzeugt. Spezifische Elektro-Designs seien nicht geplant, sagte der Entwicklungschef des französischen Herstellers PSA, Gilles Le Borgne. Stattdessen sollen etwa Peugeot- oder Citroën-Modelle in verschiedenen Antriebsformen geliefert werden können: „Der künftige 208 oder der künftige DS 3 (...) wird Elektro, Benzin oder Diesel haben können.“

Im Wechsel mit der IAA

Traditionsmesse Der Pariser Autosalon gehört zu den besucherstärksten Automessen der Welt. Er findet im jährlichen Wechsel mit der IAA für Pkw in Frankfurt am Main statt. Zur Messe im Jahr 2014 kamen rund 1,25 Millionen Besucher, der Rekord lag im Jahr 2008 bei 1,43 Millionen. Auf dem „Mondial de l‘Automobile 2016“ präsentieren sich heuer vom 1. Oktober an etwa 230 Marken aus 19 Ländern auf mehr als 120 000 Quadratmetern Ausstellungsfläche. Die beherrschenden Themen dürften neben neuen Modellen Elektroantriebe für Autos sein, ferner spielt natürlich auch der Megatrend der Digitalisierung in der Branche eine große Rolle. dpa