Technikmesse Auf der Technikmesse CES beginnt die Zukunft schon heute

Las Vegas / Thomas Veitinger 10.01.2019
Auf der Messe in Las Vegas sind visionäre Fahrzeuge zu sehen. Sie kennen die Bedürfnisse der Passagiere und fahren elektrisch

Es ist groß, dunkel, sieht je nach Betrachtungsweise furchterregend oder auch nur futuristisch aus und kann fliegen: Der Helikopterhersteller Bell stellt auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas ein 1:1-Modell seines senkrecht startenden und landenden Air-Taxis Nexus vor. „Da der Platz im ‚Erdgeschoss‘ immer enger wird, müssen wir die Transport-Herausforderungen in der vertikalen Dimension lösen“, begründet Bell-Präsident Mitch Snyder das Flugobjekt.

Das Thema urbane Mobilität ist bei vielen Herstellern gelandet. Auch direkt am Nachbarstand. Dort basiert das nicht weniger ungewöhnliche Gefährt Urbanetic auf einer autonomen, elektrisch betriebenen Fahrplattform, die je nach Aufbau zwölf Passagiere oder zehn Paletten transportiert. Ovale Fenster und allerlei bunte Lichter innen und außen lassen das kastenförmige Gefährt wie aus einer ferneren Zukunft aussehen, die heute schon begonnen hat. Der Erbauer: Daimler.

Mit Urbanetic sollen Verkehrsströme reduziert und urbane Lebensqualität verbessert werden. Ebenfalls am Messestand steht das rein elektrisch angetriebene Fahrzeug EQC von Daimler, das 450 Kilometer mit einer Batterie­ladung schaffen soll. Ein gutes, bezahlbares Produkt herzustellen, scheint heute nicht immer zu genügen. Ein bisschen Weltrettung muss oft schon dabei sein, wie die Messe CES zeigt.

Der deutsche Autozulieferer Schaeffler hat dies gleich im Namen festgeschrieben. Sein Pedelec mit vier Rädern und einem Dach heißt Bio-Hybrid. Es unterstützt den tretenden Fahrer und soll die Freiheit und Wendigkeit eines Fahrrads mit dem Transportvolumen und Wetterschutz eines kleinen Autos verbinden. Hyundais Elevate Fahrzeug kann nicht nur fahren, sondern auch gehen. Möglich machen dies vier Roboterbeine, die etwa Sanitäter und Ärzte nach Naturkatastrophen schneller ans Ziel bringen sollen – zunächst dürfte sich aber das Militär für das hochbeinige Fahrzeug interessieren.

Wenn es der Welt nicht besser geht, dann zumindest den Insassen. Autobauer Kia zeigt eine Kabine, die Musik, Beleuchtung, Klimatisierung und Duft an Emotionen der Passagiere anpasst, die es an Gesichtsausdruck und Puls zu erkennen glaubt. Bei Nissan wird gar auf Wunsch die graue und regnerische Umwelt im Innenraum durch die Projektion eines Sonnentages ausgetauscht. Daimler bietet ein Entspannungsprogramm oder rüttelt am Sitz, so dass die Insassen ihre Position rückenschonend verändern müssen, berichtet CES-Programm-Manager Wolf-­Dieter Kurz.

Der Autolenker soll es vor allem leichter haben. Die Weltpremiere des neu aufgelegten Mercedes-Benz CLA Coupé benötigt mit seinem weiter entwickelten Infotainment-System nicht mehr Befehle, die sich wie barsche Kommandos eines Militär-Vorgesetzten anhören, unkt der designierte Daimler-Chef Ola Källenius. Mit dem Auto lasse sich ganz normal reden: „Erhöhe die Temperatur“ etwa. Das Plaudern mit dem Fahrzeug geht zwar auch ohne Internet. Um sich ein asiatisches Sterne-Lokal ohne Sushi-Küche in einer fremden Stadt vorschlagen zu lassen, ist aber eine Online-Verbindung angebracht, sagt Kurz.

Die Entwicklung weg von reinen Auto-Messen, hin zu Technik-Messen, auf denen wie bei der CES eine Yacht neben einem Kühlschrank, neben einem Lastwagen, Fernseher und eben Auto steht, ist für den Manager konsequent, das Internet bildet für alle eine Klammer.

Audi präsentiert nicht weniger futuristisch aussehende Autos. So hat das Elektrofahrzeug E-tron 55 Quattro keine Rückspiegel mehr, sondern Kameras. Noch einen Schritt weiter geht das Modell Aicon, bei dem auch diese fehlen.  Im Innenraum wird aufgerüstet. Autonom fahrende Modelle sollen künftig „auf Wunsch Erlebnisräume sein, die ihren Passagieren die ,25. Stunde‘ schenken“, heißt es überschwänglich in einer Audo-Mitteilung. Mittlerweile erahnen die Autos auch schon, was ihre Fahrer wollen. Greifen diese etwa beim neuen CLA nur in Richtung Innenlichtschalter, wird das Licht bereits angeschaltet, ob es der Fahrer tatsächlich vorhatte oder nicht.

Harley stellt Motorrad mit E-Antrieb vor

Elektro gibt es nicht nur beim Auto. Auch Harley-Davidson baut erstmals ein Elektro-Motorrad. Das Modell LiveWire erreicht 60 Meilen pro Stunde (96,5 Stundenkilometer) in 3,5 Sekunden und ist ab knapp 30 000 Dollar (gut 26 000 €) zu haben. Ausgeliefert werden soll es ab August.

Die Reichweite einer Batterieladung gibt Harley-Davidson mit 177 Kilometer an, abhängig ist das allerdings von Modell und Wetter. Die Akkus lassen sich zu Hause an der Steckdose und an Schnellade-Stationen laden. Der japanische Elektronik-Konzern Panasonic steuert unter anderem die Technik für die Vernetzung bei. So lässt sich per Smartphone-App der Ladestand prüfen und es wird eine Benachrichtigung gesendet, wenn das Motorrad bewegt wurde. vt

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