Frankfurt Asmussens Abstieg: EZB-Direktor wird Staatssekretär

Frankfurt / ROLF OBERTREIS UND DPA 17.12.2013
Bundesbank-Vizepräsidentin Sabine Lautenschläger hat gute Chancen ins Direktorium der Europäischen Zentralbank aufzusteigen. Sie könnte Jörg Asmussen ablösen, der als Staatssekretär nach Berlin wechselt.

Die neue Bundesregierung will nach Angaben von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) zügig über die Nachfolge von Jörg Asmussen im Direktorium der Europäischen Zentralbank (EZB) entscheiden. "Wer nun Nachfolger bei der EZB wird, das werden wir sorgfältig schnell beraten", sagte Schäuble. "Wir werden einen Vorschlag machen, der muss im Übrigen dann ja auch die Zustimmung der Anderen in Europa finden."

Als mögliche Nachfolgerin gilt Bundesbank-Vizepräsidentin Sabine Lautenschläger. Aus Sicht von Schäuble wäre die 49-jährige Juristin eine gute Kandidatin. "Es geht ja bei der EZB jetzt auch darum, die Aufgabe der Bankenaufsicht neu aufzubauen, und da hat sie ganz große Erfahrungen", sagte Schäuble: "Deswegen ist das sicherlich eine gute Überlegung."

Asmussen wird Staatssekretär im Arbeitsministerium unter Andrea Nahles (SPD). Der Finanzexperte und SPD-Politiker führt familiäre Gründe für seine überraschende Rückkehr in die Bundesregierung an. Er war erst 2011 vom Finanzministerium in die EZB-Spitze gewechselt - als Nachfolger von Chefvolkswirt Jürgen Stark, der sich im Streit vorzeitig zurückzogen hatte.

Am Donnerstag wird Asmussen nochmals an der Sitzung des EZB-Rates teilnehmen. Dann endet nach nur zwei Jahren der Job des 47jährigen - völlig überraschend auch für langjährige EZB-Beobachter. Zumal Asmussen noch Ende Oktober ausgeschlossen hatte, möglicherweise als Finanzminister einer Großen Koalition nach Berlin zu wechseln. Jetzt geht er als Staatssekretär ins Arbeitsministerium.

Viel spricht nach Ansicht von Michael Schubert, EZB-Experte bei der Commerzbank, für Sabine Lautenschläger: Zum einen hat sich die EZB verpflichtet, den Frauenanteil im mittleren und oberen Management zu erhöhen. Vor allem im Direktorium und im EZB-Rat ist der Nachholbedarf enorm. Dort liegt die Frauenquote bei Null. Zum anderen soll im Direktorium künftig ein Experte für Bankenaufsicht sitzen, der dann auch mit an die Spitze des Kontrollgremiums für die europäische Bankenaufsicht sitzt, die ab November nächsten Jahres von der EZB übernommen wird. Auch hier spricht vieles für Lautenschläger, sagt Eugen Keller vom Bankhaus Metzler. Schließlich arbeitet die gebürtige Stuttgarterin seit 1995 in führenden Positionen in der Bankenaufsicht, vor ihrem Wechsel zur Bundesbank Mitte 2011 mit an der Spitze der Finanzaufsicht Bafin. Als Vizepräsidentin ist Lautenschläger in der Bundesbank für Bankenaufsicht zuständig. Fachlich gilt sie als über jeden Zweifel erhaben, sie scheut sich zudem nicht, Bankern sehr klar die Meinung zu sagen. Formal bringt auch die aktuelle Bafin-Chefin Elke König beste Voraussetzungen für die Arbeit in der EZB mit. Gleichwohl aber wird in Frankfurt Lautenschläger favorisiert. Es gilt aber auch: Deutschland hat keinen Anspruch auf die Besetzung des Postens, politisch allerdings wird kaum eine Regierung der Eurozone daran rütteln.

Selbst wenn Lautenschläger von der neuen Bundesregierung nominiert wird, dauert es noch Wochen bis sie in die EZB einziehen kann: Die Finanzminister der Eurozone müssen eine Kandidatin empfehlen, dann folgt eine Anhörung im EU-Parlament. Letztlich entscheidet der Europäische Rat über die Berufung ins EZB-Direktorium.

Dass Asmussen aus familiären Gründen aus der EZB ausscheidet und seinen eigentlich acht Jahre laufenden Vertrag vorzeitig beendet, kommentieren Keller oder Schubert zwar mit Verwunderung. Dass ein Streit innerhalb des Direktoriums und zwischen Draghi und Asmussen eine Rolle spielt, halten sie für unwahrscheinlich.

Klar ist, dass Asmussen mit dem Wechsel nach Berlin politisch einen erheblichen Schritt zurück vollzieht. Der verheiratete Vater von zwei kleinen Kindern büßt an Macht und Einfluss ein. Zudem verzichtet er auf Geld. Bei der EZB erhielt Asmussen 2012 ein Grundgehalt von 267 228 EUR oder 22 269 EUR im Monat. Als beamteter Staatssekretär in Berlin kommt er monatlich auf rund 12 360 EUR.

Erfahrene Finanzmarktexpertin
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