Schlecker Anton Schlecker: „Ich wollte die Gläubiger nicht benachteiligen“

Familie Schlecker mit Anton, Ehefrau Christa und Sohn Lars gehen nach dem Prozess ins Hotel Schlossgarten.
Familie Schlecker mit Anton, Ehefrau Christa und Sohn Lars gehen nach dem Prozess ins Hotel Schlossgarten. © Foto: Eibner-Pressefoto
Stuttgart / Simone Dürmuth 14.03.2017

Es ist das Bild eines zwar nicht unbedingt herz­lichen, aber doch treusorgenden Familienvaters, das Anton Schlecker von sich zeichnet. An Tag zwei des Prozesses gegen ihn verliest der 72-Jährige eine Erklärung. Die Blätter in der einen Hand, mit der anderen gestikuliert er.

Darauf haben alle gewartet, seit Anton Schlecker seine Tochter Meike im Januar 2012 vorschickte, um die Insolvenz zu verkünden. Der Unternehmer aus Ehingen hat das gewusst. Es scheint, als habe er vor dem Spiegel geübt. Es ist das erste Mal, dass Schlecker einen Einblick gibt, wie er das Scheitern seines Lebenswerks erlebte. Ihm, seiner Frau und seinen beiden Kindern wird vorsätzlicher Bankrott vorgeworfen. Sie werden beschuldigt, rund 25 Mio. € beiseite geschafft zu haben, um sie dem Zugriff der Gläubiger zu entziehen.

Die Stimme versagt

„Das alles fällt mir nicht leicht. Ich habe mich nie in die Öffentlichkeit gedrängt.“ Anton Schlecker steht aufrecht neben seinen Verteidigern, unterstreicht seine Worte mit kontrollierten Gesten. Seine Frau Christa knüllt ein Taschentuch in den Händen. Die Kinder Lars und Meike scheinen sich in den hinteren Reihen klein zu machen. „Es ist schwer für mich, meine Familie in diesem Saal zu sehen“, liest Anton Schlecker vor, ihm versagt kurz die Stimme. „Ich hätte die Insolvenz gerne verhindert, auch den Mitarbeitern hätte ich sie gerne erspart“, fährt der gefallene Drogeriemarktkönig fort.

Ist das die Entschuldigung, auf die die „Schleckerfrauen“ immer gehofft haben? Wohl kaum. Anton Schlecker sieht keine Schuld bei sich. Zwar trage er die unternehmerische Verantwortung. „Ebenso wie ich sie übernommen habe, als die Firma zu den erfolgreichsten des Landes gehörte.“ Doch er belastet Handelspartner und Versicherer. Sie hätten das Unternehmen zu früh aufgegeben. Im Januar 2012 habe ein Versicherer den Lieferantenschutz aufgehoben, damit sei das Rad zum Stillstand gekommen. Er erinnere sich noch an das Wochenende: Er und seine Frau seien bei Osnabrück auf Filialtour gewesen, es habe einige Beanstandungen gegeben. „und dann hatte ich einen Anruf auf meinem Handy, von meiner Tochter. Ganz fassungslos sagte sie: ,Papa, die lassen uns fallen’.“ Wieder kämpft Anton Schlecker mit den Tränen.

Schlecker spricht Hochdeutsch, nur selten ist eine schwäbische Färbung zu hören. „Ich wollte die Gläubiger nicht benachteiligen. Ich war bis zuletzt vom Erfolg überzeugt, ich war von meinem Unternehmen überzeugt. Ich habe dafür gekämpft. Ich habe nicht geglaubt, dass es kaputt gehen könnte.“ Nach einer halben Stunde bittet Anton Schlecker das Gericht, etwas trinken zu dürfen. Man könne auch eine Pause machen, wirft sein Anwalt ein. „Nein, ich brauche nur einen Schluck Kaffee“, erwidert sein Mandant und zieht eine Edelstahl-Thermoskanne aus der Tasche unter dem Tisch.

Anton Schleckers Botschaft ist wenig überraschend: Er habe nie Geld beiseite geschafft, um Gläubiger zu benachteiligen. „Insbesondere hatte ich nicht den Ansatz, eine Art Vorsorge für eine drohende Insolvenz zutreffen.“

Beim Prozessauftakt hatte die Staatsanwaltschaft minutiös Zahlungen aufgelistet: Darunter je 200 000 € an die vier Enkel, mehr als 1 Mio. € für die Sanierung einer Wohnung von Sohn Lars in Berlin, Grunderwerb und Bau des Hauses für Tochter Meike, inklusive Alarmanlage für knapp 300 000 €. Alle Empfänger werden mit vollem Namen und Kontonummern genannt. Schlecker bezieht Stellung: Zu den Zahlungen an die Enkel habe ihn die Familie gedrängt. „Damit endlich Ruhe ist“, habe er sich erkundigt, wie viel Geld er geben könne, ohne Schenkungssteuer zu zahlen: 200 000 € für zehn Jahre. Genau diesen Betrag habe er überwiesen und habe vorgehabt, dies alle zehn Jahre zu wiederholen. 

Und dass er für ein „schönes und sicheres zu Hause“ sorge, sei ihm immer wichtig gewesen. Spätestens seit der Entführung der Kinder an Weihnachten 1987. Dazu gehöre auch eine ordentliche Alarmanlage, die im Übrigen bereits 2004 beauftragt gewesen sei, aber „entweder nicht funktioniert hat, oder von keinem normalen Menschen zu bedienen war“, erinnert sich Schlecker. Darum habe er sie erst bezahlt, als sie auch funktioniert habe, weshalb sie jetzt in der Anklageschrift auftaucht.

Im Übrigen habe er immer für seine Kinder gesorgt: Zum Abitur bekam jedes von ihnen eine gut laufende Filiale geschenkt. Damit habe er Lars und Meike auch ans Unternehmen binden wollen. Vielleicht nicht unbedingt ein Geschenk von Herzen – aber, wie er darstellt, das eines treusorgenden Vaters.

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