Deutsche Börse Aktionäre kritisieren Chef Kengeter

Frankfurt / dpa 18.05.2017

Nach der geplatzten Fusion mit der Londoner Börse bleibt die Zukunft von Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter offen. Zwar sprach Aufsichtsratschef Joachim Faber dem unter dem Verdacht des Insiderhandels stehenden Manager gestern bei der Hauptversammlung in Frankfurt erneut das Vertrauen des Kontrollgremiums aus. Die Verlängerung von Kengeters Vertrag, der am 31. März 2018 ausläuft, hängt aber nach wie vor in der Schwebe. Der Aufsichtsrat werde „rechtzeitig darüber entscheiden“, sagte Faber.

Kritischster Punkt nach Einschätzung von Aktionärsvertretern: Die Ermittlungen der Frankfurter Staatsanwaltschaft gegen Kengeter wegen des Verdachts auf Insiderhandel bei einem millionenschweren Aktiengeschäft. Ob diese in eine Anklage münden, ist noch offen.

Bisher keine Anklage

Andreas Lang als Vertreter der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) sagte unter dem Applaus der Aktionäre: „Ermittlungen gegen einen Börsenchef wegen Insiderhandels sind in etwa so, als würde gegen einen Bankchef wegen des Herstellens von Falschgeld ermittelt werden.“

Kengeter hatte Mitte Dezember 2015 im Rahmen eines vom Aufsichtsrat für ihn maßgeschneiderten Vergütungsprogramms Deutsche-Börse-Anteile im Wert von 4,5 Mio. € gekauft, die er nicht vor Ende 2019 veräußern darf. Zehn Wochen später machten Deutsche Börse und London Stock Exchange (LSE) Fusionsgespräche öffentlich.

Das Prestigeprojekt einer Fusion mit der LSE, das die Deutsche Börse inklusive Rückabwicklung 76,5 Mio. € kostete, ist mittlerweile beerdigt. Ende März untersagten die Wettbewerbshüter der EU die Megafusion, die im Grunde schon seit dem Brexit-Votum im Juni 2016 tot war.

Kengeter wurde nicht müde zu beteuern: „Wir sind auch alleine stark.“ Mit kleineren Zukäufen und der Ausweitung der Geschäfte will er den Dax-Konzern zukunftssicher machen. Der Börsenbetreiber will noch mehr Anlageklassen handeln – zum Beispiel Energie, Devisen, Unternehmensanleihen und Rohstoffe.

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