Ulm / THOMAS VEITINGER Abo-Falle im Internet, Schreiben eines Abmahn-Anwalts, erfundene Rechnung: Gegen unberechtigte Forderungen kann man sich wehren. Wie, das zeigen wir an den Problemen mit der Telefonvorwahl 010040.

Früher war vieles einfacher: Es gab keine Computer, keine Handys und fürs Telefonieren mit grauen Apparaten daheim im Wohnzimmer war die Deutsche Bundespost verantwortlich. Früher war aber auch vieles teurer, wie spätestens 1998 klar wurde, als andere Anbieter auf den Markt durften und dramatisch weniger für Telefonate verlangten: Eine Möglichkeit, seitdem Geld zu sparen ist das Telefonieren mit Billigvorwahlen, die vor Telefonaten gewählt werden.

Doch fast gleichzeitig mit dem so genannten Call-by-Call ging auch der Ärger los: Die Anbieter wechselten genauso schnell wie sie ihre Tarife erhöhten. Bei vielen Telefonaten wurden über Nacht veränderte, hohe Gebühren fällig. Eine Tarifansage vor den Gesprächen ist erst seit August 2012 vorgeschrieben.

Selten aber war der Ärger mit einer Call-by-Call-Nummer so groß wie derzeit mit der Vorwahl 010040. Allein der Verbraucherzentrale in Ulm sind 120 Betroffene gekannt, die im Sommer mit der vermeintlichen Sparvorwahl im In- und Ausland telefoniert und dafür zum Teil Hunderte Euro hohe Rechnungen bekommen haben: Quasi über Nacht hat die 010040 GmbH die Minutenpreise von wenigen Cent auf 1,99 EUR angehoben (wir berichteten). Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen (NRW) spricht sogar von Tausenden Geschädigten.

Am Ärger mit der 010040-Nummer lässt sich zeigen, wie Betroffene bei Abzockern reagieren sollten. Im Internet lauern viele Fallen, die mit unberechtigten Forderungen an das Geld ihrer Opfer kommen wollen. Bei Abo-Fallen, Abmahn-Anwälten oder völlig frei erfundenen Forderungen kann man sich im Prinzip ähnlich wehren.

1. Zurückweisen. Den Forderungen muss zunächst widersprochen werden. Im Fall von 010040 muss ein Einschreiben mit Rückschein an die 010040 GmbH (Neuer Wall 50 in 20354 Hamburg) geschickt werden. Darin sollte man klarmachen, dass die Rechnung nicht beglichen wird, sondern nur der übliche Minutentarif etwa von der Telekom von 5 Cent pro Minute. Betroffene sollten sich an die Telekom wenden, 010040-Gebühren herausrechnen lassen und nur die berechtigten Forderungen an die Telekom überweisen.

2. Widersprechen. Kommt ein Schreiben eines Inkasso-Unternehmens, muss auch dieser Forderung widersprochen werden, sonst droht ein Eintrag bei der Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung (Schufa), der Nachteile etwa bei Online-Bestellungen oder Kreditvergaben bedeuten könnte. Dem Widerspruch sollte eine Kopie des Schreibens an die 010040 GmbH beiliegen. Ob das Telefon-Unternehmen ein Inkasso-Unternehmen zum Eintreiben der Forderungen beauftragt, ist offen.

3. Abwarten. Anschließend ist es laut Verbraucherzentrale am besten, abzuwarten und nichts zu tun. Auf mögliche Drohgebärden aus Anwaltschreiben, steigenden Rechnungen oder Schufa-Eintragsdrohungen sollte nicht reagiert werden. Im Fall der 010040 GmbH ermittelt mittlerweile die Polizei. Die Bundesnetzagentur überprüft die Rechtmäßigkeit der Rechnungen und erwägt laut Verbraucherschützern die Rechtsanwaltskammer und Staatsanwaltschaft einzuschalten. Am Ende könnte die Unrechtmäßigkeit der Forderungen stehen.

Aber auch die Gegenseite ist bereits mit einem "Einschüchterungsversuch" aktiv geworden, schreibt die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Kunden, die die Bundesnetzagentur informiert haben, wurden in einem Rechtsanwaltschreiben aufgefordert, ihre Beschwerde einer nicht korrekten Preisansage zurückzunehmen. Gedroht wird in dem Brief mit strafrechtlichen Konsequenzen.

Wer aber seine Telefonrechnung nach bestem Wissen beantwortet hat, sollte auf keinen Fall die geforderte Erklärung unterschreiben und sich im Zweifelsfall juristisch beraten lassen, rät die Verbraucherzentrale NRW. Wer die geforderte Erklärung abgibt, habe überdies Probleme, die Bezahlung der beanstandeten Rechnung zu verhindern. Um gegen die Firma vorzugehen, sind die Bundesnetzagentur und die Verbraucherzentrale auf Beschwerden von Verbrauchern angewiesen.

In jedem Fall sollte der gesamte Briefverkehr aufbewahrt werden: Forderungen verjähren erst 2016.

4. Reagieren. Erst wenn ein gerichtlicher Mahnbescheid eintreffen sollte, muss ein Widerspruch innerhalb von 14 Tagen erfolgen, sonst droht der Vollstreckungsbescheid. Ein Anwalt ist nötig.

Die Verbraucherzentrale NRW glaubt aber: "Kunden haben eine sehr gute Chance zu gewinnen."

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