Nach der Theoriestunde in der Fahrschule waren sie alle Mitglieder im ADAC. Zwei Damen seien vorbei gekommen und hätten ihnen die Mitgliedschaft erklärt, erzählt eine der Fahrschülerinnen. "Eigentlich haben alle den Vertrag gleich unterschrieben", erinnert sie sich.

"Wir machen das schon seit Jahren", bestätigen der Fahrlehrer und ein weiterer Kollege aus dem Kreis Neu-Ulm. Regelmäßig komme der ADAC bei ihnen vorbei und biete die kostenlose Mitgliedschaft an. Ab 17 Jahren gibt es ein Fahrsicherheitstraining oben drauf. Die Jugendlichen würden einen Brief für die Eltern erhalten, der sie über das Angebot informiert. "Wer die Mitgliedschaft nicht will, ist zu nichts verpflichtet und kann den Vertrag zurückgeben", sagt einer der Fahrlehrer. Würde der ADAC seine Schüler irgendwie unter Druck setzen, würde er den Club nicht mehr ins Haus lassen.

Doch der ADAC wurde für diese Form der Mitgliederwerbung immer wieder kritisiert. Auch Jochen Klima, Vorsitzender des Fahrlehrerverbands Baden-Württemberg, betrachtet das Ganze mit Skepsis: "Zunächst hat das Angebot an sich nichts Anrüchiges", sagt er. Es sei ein gutes Geschenk für Fahranfänger. Jedoch laufe leider nicht immer alles reibungslos ab: Die Schnuppermitgliedschaften würden nicht einfach auslaufen, die Jugendlichen erhielten auf einmal Rechnungen und Mahnungen, ohne dass zuvor auf eine bevorstehende kostenpflichtige Mitgliedschaft hingewiesen worden sei. "Das ist alles andere als verbraucherfreundlich."

Außerdem komme es vor, dass die Agenturen, die im Auftrag des ADAC das Angebot vorstellen, sich wie "Drückerkolonnen" verhalten: Die Jugendlichen würden regelrecht genötigt, den Vertrag zu unterschreiben.

"Wenn eine Agentur so agiert, wird sie sofort aus dem Vertrag entlassen", kontert Christian Buric von der zentralen ADAC-Presseabteilung. "Letztendlich entscheidet das aber immer der Regionalclub. Der ADAC ist föderal organisiert und jeder Regionalclub ist zu einem sehr hohen Maße autonom." Die Zentrale würde nicht alle "schwarzen Schafe" mitbekommen.

Dass die Jugendlichen plötzlich eine Zahlungsaufforderung erhalten, "mag in Einzelfällen vorgekommen sein, doch es ist keine gängige Praxis. Wir versuchen solche Vorfälle zu vermeiden." Im Regelfall würden die Jugendlichen ein Schreiben erhalten, das sie über eine anstehende beitragspflichtige Mitgliedschaft informiert. Der Vertrag könne jederzeit aufgelöst werden.

Rechtlich gesehen hat der ADAC in diesen Fällen auch keinen Anspruch auf die Zahlung des Beitrages, erklärt Hannelore Brecht-Kaul von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Ein Vertrag mit Minderjährigen gilt als schwebend unwirksam, bis ein gesetzlicher Vertreter zugestimmt hat. Der Vertrag wird auch nicht mit der Volljährigkeit des Jugendlichen plötzlich wirksam, der Betroffene müsste ihm ausdrücklich zustimmen oder das geforderte Geld überweisen.

Geschieht beides nicht, kann man den Vertrag auslaufen lassen. Komme dennoch eine Rechnung, seien viele verunsichert. "Ich würde das Unternehmen noch einmal schriftlich darauf hinweisen, dass keine Rechtsgrundlage für eine Zahlung besteht und man dem Vertrag nicht zustimmt", rät Brecht-Kaul.

Welchen Vorteil hat der ADAC überhaupt vom seinem Angebot? "Natürlich wollen wir Mitglieder werben", sagt Buric, "aber wir wollen auch junge Leute beim Einstieg in ihre Mobilität begleiten." Und die Fahrschulen würden davon profitieren, dass sie ihre Schüler geschützt wissen. Es entscheidet auch jede Fahrschule selbst, ob sie den ADAC ins Haus lasse, sagt Klima. Dennoch gibt es vom Fahrlehrerverband Vorgaben: "Das Angebot darf nur vor oder nach der Theoriestunde gemacht werden und es darf kein Zwang bestehen, da zu bleiben und sich das anzuhören."

Knapp 10 Prozent der Mitglieder sind unter 18 Jahre alt

Außerordentlich Der ADAC hat bundesweit etwa 19,1 Millionen ordentliche Mitglieder, hinzukommen circa 1,8 Millionen außerordentliche Mitglieder, also Personen unter 18 Jahren. Allein 236 000 davon waren Ende Oktober im Regionalclub ADAC Württemberg gemeldet.

Beitritt Die "Starter"-Mitgliedschaft ist nach unten hin nicht altersbeschränkt und kostenlos. Mit 18 Jahren wechseln "fast alle", so Christian Buric, in den Folgetarif "Young Driver". Etwa 39 Prozent der Jugendlichen würden sich anschließend, sobald sie geschäftsfähig sind, für eine beitragspflichtige Mitgliedschaft entscheiden.

Imageschaden In den letzten Monaten erlitt der ADAC einen Image- und Vertrauensschaden, beispielsweise durch Manipulation der Stimmen zum "Lieblingsauto der Deutschen".