Kommentar Thomas Veitinger zum Konzernumbau von Siemens Abkehr von Solidarität

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Ulm / Thomas Veitinger 03.08.2018

Wie wurde Siemens früher verspottet als „Bank mit angeschlossener Elektroabteilung“ oder „Beamtenladen“. Davon kann keine Rede mehr sein. Die verbliebenen Kerngeschäfte werden auf drei operative Füße gestellt. Macht fließt aus der Münchner Zentrale in die neuen Geschäftssparten. Aus dem einstigen Mischkonzern soll ein schlankeres und flexibleres Unternehmen werden, lautet Siemens-Chef Joe Kaesers Vermächtnis.

Das ist im Prinzip richtig. Digitales braucht schnelle Entscheidungen. Damit verbunden ist aber auch eine Abkehr von der Solidarität für schwächere Bereiche. Wer heute nicht spurt, kann morgen verkauft oder an die Börse gebracht werden. Früher war Siemens eine Mischkalkulation aus erfolgreichen und weniger erfolgreichen Sektoren. Damit ist es vorbei. Der Umbau dürfte Begehrlichkeiten am Kapitalmarkt wecken, denen nicht leicht zu widerstehen ist.

Noch ist es nicht so weit. Eine Zerschlagung ist unwahrscheinlich, auch weil Politik und Arbeitnehmer sich querlegen würden. Aber der Umbau Richtung Holding schafft Tatsachen, die Kaesers Nachfolger als Steilvorlage für eine Filetierung nehmen könnte.

Die aktuellen Zahlen zeigen bereits den Weg dahin: Digitales läuft prima, das Kraftwerkgeschäft nicht. Es ist damit zu rechnen, dass die großen Maschinen einmal von anderen verkauft werden. Symbol dafür: Der Sitz der Energiesparte zieht in die USA.

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