Faire Bekleidung „Nur der Minister will den Grünen Knopf “

Berlin / André Bochow 18.05.2018

Uwe Mazura ist ungehalten. Eine „Schnapsidee“ sei das, was der Minister da vorgelegt habe.  Die Rede ist vom „Grünen Knopf“, also vom  „Siegel für faire Textilien“, wie man im Entwicklungsministerium sagt, dem Gerd Müller (CSU) vorsteht.  „Seit  vier Jahren versucht Minister Müller seinen Knopf immer wieder aus der Versenkung zu holen“, schimpft Mazura,  Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes Textil und Mode. Mazuras Verband  hat ein eigenes Papier zum „sogenannten Grünen Knopf“ erarbeiten lassen. Tenor: Zu hohe Kosten, nicht überprüfbar  und überhaupt würden die deutschen Unternehmen längst nach „höchsten Sozial- und Umweltstandards weltweit“ arbeiten.

Gerd Müller aber ist felsenfest davon überzeugt, auf dem richtigen Weg zu sein. „Wir brauchen ein Siegel, das den Kunden beim Einkauf einfach und klar signalisiert: Hier handelt es sich um fair produzierte Kleidung.“  Im Herbst soll der „Grüne Knopf“  an den Start gehen. Gemunkelt wird, nicht einmal die Ministeriumsmitarbeiter teilen die Ansichten ihres Chefs in diesem Punkt.

Im von Müller initiierten Textilbündnis  ist man  recht geschlossen gegen das neue Siegel. Der „Grüne Knopf“, da besteht Einigkeit, verspricht etwas, was er niemals halten kann. Das Bündnis  wurde im Oktober 2014 „als Antwort auf tödliche Unfälle in Textilfabriken in Bangladesch und Pakistan gegründet“. Offenbar gibt es doch noch etwas zu verbessern.

Zum Bündnis gehören Nichtregierungsorganisationen, Gewerkschaften, die Bundesregierung und Unternehmen, die in der deutschen Bekleidungsbranche ungefähr die Hälfte des Marktes abdecken. Von Anfang an dabei ist Hemdenhersteller „Seidensticker“. Dessen Nachhaltigkeitsbeauftragter Nico Kemmler bestätigt:  „Nur der Minister will den „Grünen Knopf“.   Müller habe sich  „weit aus dem Fenster gelehnt, als er verkündete, die Bundesregierung würde zu 100 Prozent garantieren, dass Produkte mit dem ‚Grünen Knopf‘ fair und ökologisch hergestellt werden“. Kemmler hält das „für brandgefährlich“, weil eine solche Garantie niemand realistisch abgeben kann.  „An der Produktion eines Hemdes sind bis zu 140 Akteure beteiligt.“ Jeden einzelnen zu kontrollieren, sei unmöglich.

Christiane  Schnura, seit 17 Jahren Koordinatorin der „Kampagne für Saubere Kleidung“,  glaubt, dass mit dem „Grünen Knopf“  eben nicht die gesamte Produktionskette, sondern nur einzelne Schritte abgebildet werden. Außerdem befürchtet Schnura, die Unternehmen würden das neue Siegel für einzelne Produkte in Anspruch nehmen, ohne die Praxis des Gesamtunternehmens zu ändern.

Berndt Hinzmann vom entwicklungspolitischen Inkota-Netzwerk setzt auf die Weiter­entwicklung des Textilbündnisses. Außerdem will Hinzmann gesetzliche Regelungen, „die dafür sorgen, dass  Unternehmen haftbar gemacht werden“.  Dass das Ministerium den „Grünen Knopf“  zur  Bewertung bisher gängiger Siegel einsetzen will, erschüttert die kritische Haltung Hinzmanns wenig. Schon aus juristischen Gründen sei dies kompliziert.

Auch Nico Kemmler von der Firma „Seidensticker“ plädiert dafür, das Textilbündnis weiter zu stärken: „Wir brauchen internationale Regelungen.“  Mehr Firmen im Bündnis, schon wegen der Wettbewerbsgerechtigkeit. Darauf käme es jetzt an. „Die Diskussionen über den „Grünen Knopf“ rauben uns nur Energie – vollkommen überflüssig.“

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