Grammer „Die meisten Helden sind tot“

Amberg / dpa 26.05.2017

  Zunächst gab es Lob von den Hastor-Anwälten, als sie den Grammer-Chef Hartmut Müller Ende Oktober anriefen: Der bayerische Autozulieferer sei gut geführt, deshalb habe die Familie Hastor ihr Aktienpaket aufgestockt. Auf der Hauptversammlung am Mittwoch dagegen ließen sie kein gutes Haar mehr an Vorstand und Aufsichtsrat. Absetzen, lautete ihre Forderung. Als neue Kontrolleure schlugen sie Manager aus Hastors Prevent-Gruppe vor. Die Abstimmung nach achtstündiger Debatte hatte dann jedoch ein klares Ergebnis. Die Machtübernahme der Hastors – mit 23 Prozent größter Grammer-Aktionär – scheiterte.

Viele Vorwürfe gegen Grammer

Untreue, Lügen, Verrat von Geschäftsgeheimnissen – die Liste der Vorwürfe von Hastor-Anwalt Franz Enderle war lang. Dass Grammer nach langer Durststrecke 2016 den bisher höchsten Umsatz und Gewinn einfuhr, quittierten die rund 500 anwesenden Aktionäre mit Beifall.

Die ganze Autoindustrie verfolgt, was sich da abspielt. Denn die Hastors haben die Spielregeln in Frage gestellt. Die Zulieferindustrie beklagt immer wieder unfaire Geschäftsbedingungen und Preisdiktate durch die Konzerne. Prevent ließ im Streit mit VW die Muskeln spielen.

David gegen Goliath. Der Amberger IG-Metall-Chef Horst Ott sagte, er habe damals sogar Sympathie für Prevent gehabt. Aber solcher Mut sei gefährlich: „Die meisten Helden liegen tot auf dem Feld.“

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