Banken „Die Gewinne sind einfach zu niedrig“

Frankfurter Skyline: Hier sitzen Deutschlands Banken.
Frankfurter Skyline: Hier sitzen Deutschlands Banken. © Foto: Arne Dedert/dpa
Frankfurt / Rolf Obertreis 30.08.2018

Deutsche Bank, Commerzbank, Volksbanken und Sparkassen sehen sich auf einem guten Weg. Aber internationale Investoren haben erhebliche Zweifel. Christian Sewing, Chef der Deutschen Bank, und Commerzbank-Chef Martin Zielke räumen zwar ein, auf einem schwierigen Weg zu sein. Aber sie lassen ebenso wie die  Branchenverbände der Sparkassen und Volksbanken auf dem Bankengipfel vorsichtige Zuversicht durchblicken. Demgegenüber sieht Stuart Graham – weltweit einer der renommiertesten Bank-Analysten und Berater von rund 100 Großinvestoren – eher schwarz. Es gebe erhebliche Defizite und kaum Hoffnung auf Besserung. „Fast alle meine Kunden halten deutsche Banken für keine gute Geldanlage.“

Die Gewinne seien einfach zu niedrig. Turbulenzen an den Finanzmärkten könnten für die Deutsche Bank gar zur Katastrophe werden, betont Graham. In Deutschland gebe es zu viele Banken. Seit fast 30 Jahren liege die Eigenkapitalrendite bei nur 4 Prozent. Wegen der niedrigen Zinsen, der hohen Kosten und zu langer Entscheidungsprozesse könne sie weiter fallen. Bei der Digitalisierung machten die Fintechs Druck.

Nach wie vor gibt es nach Ansicht von Graham viel zu viele Filialen. „Apple hat in Deutschland 16 Stores, Aldi und Lidl haben 8000 Supermärkte und Sparkassen und Volksbanken jeweils 10 000 Filialen.“ Das mache keinen Sinn. Immer weniger Kunden kämen in die Filialen, weil sie ihre Bank-Geschäfte über das Internet abwickeln würden.

Graham wird noch deutlicher: Deutsche Bank und Commerzbank würden kaum jemals eine angemessene Eigenkapitalrendite erzielen können. Das sei gerade für die Deutsche Bank ein Problem, weil sie für das Weltbankensystem hohe Bedeutung habe. „Ein Gau bei der Deutschen Bank würde das gesamte globale Finanzsystem erschüttern“, warnt der Brite. „Insbesondere die Deutsche Bank ist in den nächsten ein bis zwei Jahren in einer gefährdeten Position und braucht eine positive Entwicklung der Weltwirtschaft und die Märkte auf ihrer Seite.“

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