Frankfurt "Alkoholfrei" mit Restalkohol

Alkoholfreie Biere enthalten Alkohol. Davon steht nichts auf dem Etikett. Foto: epd
Alkoholfreie Biere enthalten Alkohol. Davon steht nichts auf dem Etikett. Foto: epd
Frankfurt / EPD 25.05.2012
Auch wenn auf dem Etikett "alkoholfrei" steht: Viele alkoholfreie Biere enthalten Alkohol. Verbraucherverbände fordern, das auf das Etikett zu schreiben. Die Brauer finden es jedoch unnötig.

Sie sehen aus wie Bier und schmecken auch so. Der Unterschied: Auf ihren Etiketten steht "alkoholfrei" - groß und auffällig. Dies ist der Grund, warum sie gekauft werden. "Wer ein alkoholfreies Bier kauft, will keinen Alkohol trinken", sagt Martin Rückert von der Verbraucherorganisation Foodwatch. "Leider führen ihn die Etiketten bei diesem Wunsch aber in die Irre."

Tatsächlich enthalten fast alle alkoholfreien Biere in Deutschland kleine Mengen Alkohol. Bis zu 0,5 Prozent Alkohol wird vom Gesetzgeber toleriert, informiert das Bundesverbraucherministerium und verweist auf entsprechende Gerichtsurteile. Ein Alkoholgehalt von unter 0,5 Prozent sei weder gesundheitsschädlich noch irreführend.

"0,5 Prozent ist nicht Nichts", sagt dagegen Martin Rückert von Foodwatch. "Die Firmen sollten den Alkoholgehalt transparent machen, damit Verbraucher wirklich frei entscheiden können." Auf ihren Internetseiten machen das die meisten Hersteller: "0,4 Prozent Vol." enthält Erdinger alkoholfrei, auch Krombacher gibt im Internet für sein Alkoholfreies mit "0,3 Prozent Vol." an. "Auf den Etiketten steht davon aber nichts", sagt Rückert. Eine von Warsteiner in Auftrag gegeben Studie aus 2007 zeige, dass 80 Prozent der Verbraucher sich dadurch getäuscht fühlten. Am meisten stört Foodwatch die Radeberger Gruppe, Marktführer der Alkoholfreien. Deren "Clausthaler" enthält 0,45 Prozent Alkohol und schreibt sich "alkoholfrei" aufs Etikett. In Deutschland. In Großbritannien hat Clausthaler für das gleiche Bier ein anderes Etikett: "Premium low alcohol lager", also alkoholarmes Bier. "Wenn das Gesetz es fordert, ist es also möglich, sein Produkt mit der Wahrheit zu bewerben", sagt Rückert.

Ärgerlich und überflüssig findet das der Deutsche Brauer-Bund, Dachverband der Brauer. "Die Verbraucher wissen, dass geringe Mengen Alkohol in alkoholfreiem Bier sind. Das ist allgemein bekannt", sagt Verbandssprecher Marc-Oliver Huhnholz. Die Alkoholmengen seien so gering, dass man innerhalb von kurzer Zeit 15 Biere austrinken müsse, um die Wirkung eines Vollbieres zu erreichen. Alkohol sei Geschmacksträger für das Bier und werde bei der Produktion im Bier gelassen oder nachträglich zugefügt.

In einer Internet-Kampagne "Schwanger? Promillegrenze 0,0 Prozent" - getragen von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) und dem Brauer-Bund - wird die Grenze strenger gezogen. "Alkoholfreies Bier in der Schwangerschaft sehen wir zwiespältig", sagt Huhnholz. Es sei wahrscheinlich ungefährlich, alkoholfreies Bier da zu trinken, dafür verbürgen wolle man sich aber nicht. Warnhinweis auf dem Etikett sei in jedem Fall unnötig. Genau den würde sich Gabriele Bartsch von der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen aber wünschen. "Alkohol wird in unser Gesellschaft generell verharmlost", sagt sie.