Schulsanierung 55 Milliarden Euro fehlen

Dreckige Toilette, marode Turnhalle: Schulsanierungen sind überfällig.
Dreckige Toilette, marode Turnhalle: Schulsanierungen sind überfällig. © Foto: Uwe Anspach/dpa
Frankfurt / Rolf Obertreis 16.08.2018

Dreckige Toiletten und kaum noch benutzbare Turnhallen – viele Schulen in Deutschland sehen traurig aus. Und oft fehlt Städten und Gemeinden das Geld, um Abhilfe zu schaffen. Der Investitionsstau an Deutschlands Schulen ist so groß wie nie zuvor – fast 48 Mrd. € fehlen. Auch bei Kindertagesstätten sind die Lücken mit fast 7,6 Mrd. € massiv, berichtet die bundeseigene Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) in einer aktuellen Studie.

Im Vergleich zum vergangenen Jahr habe sich der Investitionsstau in den Schulen um fast 15 Mrd. € vergrößert, sagt KfW-Chef-Volkswirt Jörg Zeuner. Vor allem in den größeren Städten und Gemeinden sieht er massive Probleme. Besonders betroffen seien Nordrhein-Westfalen und Süddeutschland, hier ist hat sich die Lücke im Vergleich zum Vorjahr besonders vergrößert. „Mit dem jetzigen Investitionsniveau würde der Abbau des Investitionsrückstands bei Schulen und Kitas fast sieben Jahre dauern“, warnt Zeuner. Dabei seien zusätzliche Anforderungen wie der Ausbau von Ganztagsschulen und der Unterhalt der bestehenden Schulen und Kitas noch gar nicht berücksichtigt. Bei Kitas sei der Rückstand, so Zeuner, seit dem vergangenen Jahr ebenfalls deutlich um weitere 2,9 Mrd. € auf 7,6 Mrd. € gestiegen.

„Gute Schulen und Kitas sind das Fundament für die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands und die persönlichen Entwicklungschancen der Kinder. Schlechte Bildung heute heißt höhere Sozialausgaben morgen. Das ist ein mieser Tausch“, kritisiert Zeuner. Dabei gehe es eben nicht nur um ein modernes Bildungsangebot, engagierte Lehrer und intelligente Unterrichtsinhalte, sondern auch um ordentliche Gebäude.

Zeuner räumt ein, dass die Ausgaben der Kommunen für Kitas und Schulen seit einigen Jahren langsam wieder steigen. Aber der Großteil werde durch die steigenden Baupreise regelrecht „aufgefressen“. Außerdem behinderten Engpässe, vor allem in den Bauabteilungen der Kommunalverwaltungen, die Planung und Umsetzung von Sanierungs- und Erweiterungsmaßnahmen.

Der Bedarf für den Ausbau von Kitas und Schulen steigt laut Zeuner allein schon deshalb, weil die Zahl der Kinder unter sechs Jahren in den vergangenen acht Jahren um 450 000 zugenommen habe. Außerdem soll die Ganztagsbetreuung ausgebaut werden. Das treibe den Ausbau-Bedarf von Kitas und Schulen.

Betrachtet man den gesamten Bedarf der Kommunen an eigentlich notwendigen Investitionen auch für Straßen und den Nahverkehr ist der Rückstand mittlerweile auf knapp 159 Mrd.€ geklettert. Schulen und Kitas haben daran einen Anteil von 35 Prozent.

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