Der „Wandel durch Annäherung“ des früheren SPD-Strategen Egon Bahr war ein historischer Erfolg. Er führte zum friedlichen Übergang des politischen Systems der DDR in das der Bundesrepublik. Auf einer weltpolitisch weit größeren Bühne haben viele ein ähnliches Muster bei der erwachenden Weltmacht China erhofft: den Wandel des staatskapitalistisch autokratischen Systems Pekings hin zu einem wirtschaftlich wie politisch liberalen Staat.

Die Hoffnung hat getrogen, sie war in der Tat ein wenig von dem naiven Glauben beseelt, China werde nicht anders können, als sich dem westlichen Demokratie- und Marktwirtschaftsmodell anzuschließen.

Inzwischen weiß man es besser. Die asiatische Großmacht hat einen anderen Weg eingeschlagen – und ist damit bis heute wirtschaftlich außerordentlich erfolgreich gefahren.

Der „Wandel durch Handel“ war deshalb aus westlicher und vor allem auch deutscher Sicht nicht falsch, sondern erfolgreich. Ohne den chinesischen Markt stünde die Wirtschaft nicht da, wo sie heute steht.

Inzwischen ist China aber kein Schwellenland mehr, sondern eine technologische wie ökonomische Supermacht. Ihr dürfen und sollen Europa und Deutschland zwar nicht mit einem Handelskrieg à la USA entgegentreten. Sehr wohl aber mit der Forderung nach wirtschaftspolitischer Waffengleichheit.