Der Duft von Bootspolitur zieht wieder durch die Messehallen in Friedrichshafen. Denn zahlreiche Anbieter haben ihre Boote und Yachten für die heute startende Interboot herausgeputzt.

Neben Segelbooten, die sich als Raumwunder erweisen, und Motorbooten, bei denen die Herstellern immer mehr auch auf Elektromotoren setzen, steht auch der Spaß beim Wassersport im Rampenlicht.

Stand Up Paddling (SUP) zum Beispiel – der Sport ist längst kein Geheimtipp mehr und erlebt einen wahren Boom. Doch SUP wird immer mehr auch ein Sport oder für längere Ausflugsstrecken benutzt. Mit Gepäck wird das Ganze dann richtig anstrengend.

Mithilfe eines 799 € teuren halben PS starken E-Motors schaffen es allerdings selbst Sportmuffel mit dem SUP-Brett flussaufwärts auf einem langsam fließenden Gewässer. Wer sich noch nie mit einem langen Paddel auf eines dieser breiten Bretter gestellt hat und  die Donau entlang geschippert ist, kann genau das bei der Messe in einem Testbecken ausprobieren.

Auch für andere Wassersportler gibt es elektronische Unterstützung: Die beiden Motoren im kleinen sogenannten U-Scooter ersetzen beim Schwimmen, Tauchen oder Schnorcheln die Flossen. Und die Anstrengung. Es heißt: Hände reingesteckt, festhalten und los geht’s.

Mit dem kompakten Düsenantrieb kann man mit einer intuitiven Steuerung schwimmend durchs Wasser gleiten. Ein sogenannter Floater, gefüllt mit Luft, verhindert, dass die kleine Schwimmhilfe unfreiwillig einen Tauchgang macht.

„Viele Leute warteten auf unser Produkt. Es ist so kompakt, dass man es sogar ins Flugzeug mitnehmen kann“, sagt Sascha Ulpke vom Hersteller „sk8te4usports production“. Allerdings ist der Floater für 799 € nicht wirklich ein Schnäppchen.

Ein anderer Trend auf der Interboot heißt Motosurf. Dabei steuern die Fahrer per Joystick, motorisierte Jetsurf-Boards. Diese erreichen ein Tempo bis zu 60 Stundenkilometer, unabhängig von Wind und Wellen. Die ultraleichten Bretter sind handlich. gut zu transportieren und auch umweltfreundlich. Im Verhältnis zu Geschwindigkeit, Reichweite und Verschleiß haben die Boards nur einen geringen Kohlendioxid-Ausstoß. Profis werden bei Demorennen am ersten Interboot-Wochenende Einblicke in den Sport geben, bei Workshops kann reingeschnuppert werden.

Groß im Trend liegt das Foiling, also das Segeln auf Tragflächen. Auf der Interboot wird dazu die Weltpremiere des Foiling Dinghy, der fliegenden Jolle für jedermann, gefeiert. Die Folien sorgen für den nötigen Auftrieb und lassen den Rumpf einen halben Meter über der Wasseroberfläche wortwörtlich fliegen. Los geht der Spaß für 9990 €. Der große Vorteil: Die Folien verzeihen Anfängern Fehler beim Segeln.

Dass Elektromotor nicht gleich gemächliches Schippern oder kurze Reichweite bedeuten muss, beweist der Bootsbauer Say aus Wangen im Allgäu. Mit 89 Stundenkilometern ist sein Elektro-Serienmotorboot das schnellste der Welt – dank eines ultraleichten Rumpfes und 500 PS, die im Gegensatz zu Benzinern ansatzlos abgerufen werden können. Die Batterie hält bei Vollgas eine Stunde.

Wer dann noch etwas übrig hat im Portemonnaie, der kann „Otto“ erstehen. Durch ein sich selbst entwässerndes Cockpit kann das E-Boot ohne Abdeckung am Liegeplatz stehen und seine Batterien über die Solarpanels auf dem Dach wie von selbst laden. Toll für Neulinge: Das laut Hersteller leise, leichte und umweltfreundliche Boot darf ohne Bootsführerschein gefahren werden. Mit 19 900 € ist aber auch das kein günstiges Vergnügen.

Claus-Ehlert Meyer, Chef des Deutschen Boots- und Schiffbauerverbandes, geht davon aus, dass im kommenden Jahr die Preise in der Branche nach einem sehr guten Jahr steigen werden.

Die wichtigsten Zahlen


Die ganze Welt des Wassersports präsentiert die Interboot in der Friedrichshafener Messe von Samstag, 22. September bis Sonntag, 30. September täglich von 10 bis 18 Uhr. 474 Aussteller aus 20 Nationen zeigen in acht Messehallen insgesamt 92 Premieren.

Wassersport zum Erleben und Ausprobieren gibt es auf den Testbecken in den Hallen, am Messe-See und im Interboot-Hafen am Bodensee mit rund 100 Booten und zahlreichen Funsportgeräten. Weitere Informationen gibt es unter interboot.de. Die Tageskarte kostet 12 €, ermäßigt 10 €. Die Familienkarte ist für 28 € erhältlich. Kinder zwischen sechs und 14 Jahren bezahlen 5 €.