Geldinstitute Merkel will Finanzplatz Frankfurt stark machen

Blick auf die Frankfurter Bankenwelt.
Blick auf die Frankfurter Bankenwelt. © Foto: Boris Roessler
Frankfurt / Rolf Obertreis 06.09.2018

Drei Jahre lang war Bundeskanzlerin Angela Merkel nicht mehr vor Bankern in Frankfurt aufgetreten. Am Dienstagabend aber reiste sie in die Stadt am Main und sprach vor rund 300 Vertretern der Finanzbranche bei einer Veranstaltung zur Zukunft des Finanzplatzes Deutschland in Europa. Frankfurt wie Deutschland insgesamt hätten gute Entwicklungschancen. „Da ist viel in Bewegung geraten.“

In Anwesenheit des hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier (CDU) stellte sie aber auch klar, dass der Steuerzahler nicht mehr für die Risiken der Finanzwirtschaft aufkommen dürfe. „Risiko und Haftung müssen Hand in Hand gehen.“ Deshalb sei die Regulierung der Branche im Zuge der Finanzkrise vor zehn Jahren wichtig gewesen.

Mit Blick auf den Brexit und den Wettbewerb der Finanzzentren auf dem Kontinent um Finanzdienstleister, die London verlassen wollen, sagte die Kanzlerin, dass Steuererhöhungen ausgeschlossen werden müssten. Zudem müsse die digitale Infrastruktur gestärkt werden. Die CDU-Vorsitzende sicherte der Frankfurter Finanzgemeinde zu, dass die Bundesregierung alles tun werden, um Hessen zu unterstützen, attraktive Rahmenbedingungen zu ermöglichen.

Merkel will sich auch für die Verlagerung des Euro-Clearing und damit die Abwicklung von Wertpapier- und Handelsgeschäften in Euro von London nach Frankfurt stark machen.

Der Applaus nach Merkels Rede war höflich. Ihr Einsatz komme spät, vielleicht etwas zu spät, war zwischen den Reihen zu hören.

Einige Zuhörer zeigten sich auch enttäuscht, dass Angela Merkel sich nicht stärker für die Umsiedlung der europäischen Bankenaufsicht EBA nach Frankfurt stark gemacht hat. Die geht jetzt nach Paris.

Ein Bundesbanker sagte hingegen, Merkels Besuch sei ein signifikanter, positiver Wendepunkt in der Beziehung zwischen Regierung und Finanzwirtschaft. Hubertus Väth, Geschäftsführer der Finanzplatzinitiative Frankfurt Main Finance, sieht es ähnlich: „Der Besuch der Kanzlerin war ein wichtiges Signal für die Finanzwelt. Es bedeutet: Ja wir wollen internationale Banken für Frankfurt gewinnen. Dafür hat Frankfurt ihre volle Unterstützung.“

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