Kommentar Helmut Schneider zur Fusion von Karstadt und Kaufhof Mehr Rettung als Bedrohung

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Ulm / Helmut Schneider 10.11.2018

Das Internet verändert vieles, natürlich auch den Wettbewerb im Einzelhandel. Deshalb ist die Freigabe der Fusion der beiden letzten deutschen Warenhausketten aus kartellrechtlicher Sicht auch nicht zu beanstanden. Der Online-Handel hat zwar immer noch nicht einen Anteil erreicht, der den stationären Einzelhandel existenziell bedroht. Aber er hat schon lange eine wettbewerbsrelevante Größe angenommen, die weiter wachsen wird. Und nur das hat das Kartellamt zu prüfen – nichts anderes.

Es sind ja längst umgekehrte Verhältnisse eingekehrt in die deutsche Warenhaus-Landschaft. Früher hätte die Fusion von Karstadt und Kaufhof zu einer Machtkonzentration und damit zu Monopolgewinnen geführt – und wäre deshalb auch vom Kartellamt kaum durchgewunken worden. Heute dagegen geht es nicht um Monopolgewinne, sondern darum, dass aus den zwei angeschlagenen Dinosauriern des Handels ein starker neuer Konzern entsteht.

Dem neuen Riesen setzen nicht nur die Online-Giganten von Amazon & Co zu, sondern neue Billigketten sowie die großen Einkaufszentren. Kaufhof-Eigentümer HBC hatte darauf keine Antwort. Gut, dass Karstadt-Eigner Signa das Sagen hat. Das sieht auch die Gewerkschaft so. Sie weiß, dass die Fusion zwar Arbeitsplätze kosten wird, aber mehr Rettung als Bedrohung ist.

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