Seit Jahren will die Bundesregierung ein Tierwohllabel einführen, nun nennt sie erstmals Details: Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) hat die Kriterien für eine solche Kennzeichnung vorgestellt. Anhand dreier Stufen sollen die Verbraucher von 2020 an erkennen können, ob das Tier gut gehalten wurde. Zunächst gilt das allerdings nur für Schweine. Entsprechende Labels für Rind und Geflügel sollen folgen. „Tiere sind Mitgeschöpfe, keine Wegwerfware“, sagte Klöckner. „Deshalb geht ihr Schutz uns alle an.“

Ein Ziel des Tierwohllabels ist mehr Transparenz. Bislang ist beim Metzger oder im Supermarkt nur schwer zu erkennen, unter welchen Bedingungen ein Tier zuvor gehalten und gemästet wurde: Wurde das Schwein ohne Betäubung kastriert? Hatte es genug Platz im Stall? Musste es lange Transporte erleiden?

Wer als Händler das Tierwohllabel auf seine Produkte kleben will, der muss seine Produkte anhand von 13 Kriterien überprüfen lassen, die über die gesetzlichen Mindeststandards hinausgehen. Klöckner betonte, dass sie dem Wunsch der Verbraucher nachkommt: „Rund 80 Prozent wünschen sich ein unabhängiges staatliches Kennzeichen.“

Die Leute seien bereit, mehr dafür zu zahlen. „Mehr Tierwohl kostet mehr Geld“, räumte Klöckner ein. Deshalb soll das Label mit einer Kampagne begleitet werden.

Tierschützern reicht das aber nicht. Martin Hofstetter von Greenpeace kritisiert vor allem, dass das Label freiwillig ist. Er will eine Pflicht und erinnert daran, dass das ein solcher Zwang zur Kennzeichnung bei Eiern gut funktioniert hat: „Da hatten wir Käfig-, Boden-, Freilauf- und Bio-Eier. Die Käfig-Eier wollten die Leute dann nicht mehr, und der Handel hat sie ausgelistet.“ Hofstetter kritisierte zudem, dass Klöckner die eigentlich geplanten Kriterien aufgeweicht hat. „Sie hatte höhere Ansprüche“, sagte er. Diese seien „auf Druck des Bauernverbandes“ gesenkt worden. „Das Kennzeichen wird nicht mehr viel bringen.“

Das befürchtet auch der Verbraucherzentrale Bundesverband. Zwar erkennt VZBV-Chef Klaus Müller an, dass es mit dem Label mehr Transparenz gebe. Die Kriterien hält er aber für zu weich.