Industriegeschichte Firmenmuseen: Mehr Interesse an Technik

Die Mitarbeiter des Modelleisenbahnherstellers Märklin bereiten sich auf einen Ansturm der Fans vor. Heute und morgen sind Tage der offenen Tür. 
Die Mitarbeiter des Modelleisenbahnherstellers Märklin bereiten sich auf einen Ansturm der Fans vor. Heute und morgen sind Tage der offenen Tür.  © Foto: Marijan Murat/dpa
Bahn total / Alexander Bögelein und Thomas Burmeister 13.09.2018
Die Beliebtheit von Ausstellungen mit technischem Charakter nimmt zu. Märklin in Göppingen ist dafür ein gutes Beispiel.

Göppingen und Märklin erleben am Freitag und Samstag einen kleinen Ansturm. Rund 15.000 Modelleisenbahn werden zum Tag der offenen Tür erwartet. Ursprünglich sollte das neue Museum des Unternehmens zu diesem Zeitpunkt schon bezugsfertig. Doch weil die geplante Modelleisenbahn größer werden soll und das einen umfangreicheren Umbau nötig macht, müssen sich die Märklinfans bis Ende 2019 gedulden. Dann dürfen sie sich auf eine der größten und modernsten Modellbahnanlagen Europas freuen, die sich auf vier Etagen in einem Teil des denkmalgeschützten Werkes erstrecken wird.

Interaktive Bereiche im Museum

„Das ist mit 12 Millionen Euro das größten Marketing-Vorhaben und die größte Einzelinvestition in der Firmengeschichte“, sagt Geschäftsführer Florian Sieber. Zum Konzept gehören nach seinen Worten Exponate, die vor allem für Sammler interessant sind, ebenso wie interaktive Bereiche und eine riesige Modelleisenbahnanlage. Sieber geht es zum einen darum, den Besuchern im Museum den Mythos Märklin näherzubringen, zum anderen, diese mit Erlebnissen zu faszinieren. „Die Gäste sollen sich als Teil der Märklin-Welt fühlen“, sagt Sieber.

Am Donnerstag feierte das Unternehmen in kleinem Rahmen zumindest den ersten Bauabschnitt, der das Servicezentrum und einen Shop samt Fundgrube umfasst. Dabei ging Sieber noch einmal auf den Transport der 100 Tonnen schweren Dampflok 44 1315 am Mittwoch ein. Es herrschte mitunter Volksfeststimmung, als die Lokomotive mit dem Schwerlaster durch die Stadt transportiert wurde. „Ich war beeindruckt, als ich sah, mit welcher Präzision am Donnerstag in den frühen Morgenstunden die tonnenschwere Lok an ihren neuen Standort vor unserem zukünftigen Märklineum schwebte“, sagte Sieber am Donnerstagabend bei der Eröffnung.

„Mit dem riesigen Dampfross haben wir bei Märklin jetzt ein neues Wappentier auf dem Firmengelände am Stammwerk in Göppingen stehen. Unsere kleinen und großen Gäste können somit faszinierende Eisenbahnen nun bei uns in Miniatur und Originalgröße gleichermaßen bestaunen“, sagte der Firmenchef.

„Im Märklineum dürften Modellbahnfans die Herzen aufgehen“, sagt der Unternehmenshistoriker Professor Dieter Leuthold von der Hochschule Bremen voraus.  Für ihn ist die Märklin-Erlebniswelt in Göppingen ein Beispiel dafür, dass „Firmenmuseen populärer denn je“ sind.

Ein Stück Industriegeschichte

Mehr als 130 Firmenarchive und Ausstellungen bis hin zu den großen Autowelten gibt es in Deutschland. „Die beliebtesten sind jene, wo Besucher etwas anfassen und bewegen können.“ Zudem sorge die anschauliche Präsentation eines Stücks Industriegeschichte für Besucherinteresse. Daher profitieren viele Museen mit naturwissenschaftlichem und technischem Charakter von wachsendem Interesse.  Der Jahresbericht des Berliner Instituts für Museumsforschung für die Technikmuseen der großen Autobauer weist Rekordzahlen aus – das Mercedes–Benz-Museum und das Porsche–Museum in Stuttgart verzeichneten 2016 zusammen mehr als 1,2 Mio. Besuche. Ähnlich populär ist das BMW-Museum in München, das eigenen Angaben zufolge Jahr rund 600.000 Mal besucht wird.

Bei Märklin werden kleinere Brötchen gebacken. Sieber hofft auf rund 100.000 Besuche pro Jahr. Aber das Prinzip ist dasselbe. „Wer mit einem Firmenmuseum Traditionen und erfolgreiche Marken vorführen kann, hat einen Wettbewerbsvorteil“, sagt Unternehmenshistoriker Leuthold. Für Firmenchef Sieber ist das Märklineum ein wichtiger Teil der Wachstumsstrategie.

Reges Interesse an Technik-Museumserlebnissen

Nach den Worten Leutholds nimmt die Nachfrage nach Technik-Museumserlebnissen jenseits der „Scheinwelten im Computer“ zu. Das gelte sogar für alltägliche Haushaltsprodukte. So plant die Firma Kärcher, die in Winnenden nahe Stuttgart Reinigungsgeräte herstellt, ebenfalls ein neues Firmenmuseum mit Erlebnischarakter. Dafür wird eigens in einen futuristisch anmutenden Neubau investiert.

Vorbei sind auch die Zeiten des „Jeder wirbt für sich allein“. Die Göppinger Eisenbahnwelt soll im Kombi-Angebot mit Besuchen bei Daimler und Porsche angeboten werden. „Das passt gut in unsere industriell geprägte Region mit vielen Traditionsunternehmen“, sagt Andrea Gerlach, Prokuristin der Stuttgart-Marketing-Gesellschaft.

Ähnlich sehen das die Teddy-Spezialisten von Steiff. Das Märklineum und das Steiff-Museum in Giengen - 200 000 Besucher pro Jahr – sollen künftig kooperieren. „Vor oder nach dem Besuch in Göppingen können sich Familien bei uns durch die Geschichte der 3000 mit der „Teddytanic“ verschwundenen Stoffbären führen lassen – samt Happy End versteht sich“, sagt Marketing-Chefin Simone Pürckhauer.

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„Ertragssituation ist inzwischen gut“

Die Simba-Dickie-Group (Fürth) der Familie Sieber hat 2013 den Modelleisenbahnbauer übernommen und wieder in die Spur gebracht. Im Geschäftsjahr 2016/2017 erwirtschaftete Märklin einen Umsatz von 108 Mio. €. Für 2018 erwartet das Unternehmen, das 1200 Mitarbeiter beschäftigt, eine ähnliche Größenordnung. Die Ertragssituation ist laut FIrmenchef Florian Sieber inzwischen wieder gut. amb

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