Entgelttransparenz Kaum eine Frau fragt nach Gehalt der Kollegen

Elke Hannack, stellvertretende DGB-Vorsitzende. 
Elke Hannack, stellvertretende DGB-Vorsitzende.  © Foto: Simone M. Neumann/DGB
Berlin / Dieter Keller 09.01.2019

Ein Papiertiger – das Urteil des Münchner Ifo-Instituts über das Entgelttransparenzgesetz fällt vernichtend aus. Seit genau einem Jahr haben Frauen – und Männer – ein Recht auf Auskunft von ihrem Arbeitgeber, ob die Kollegen des anderen Geschlechts besser bezahlt werden. Doch nicht einmal in jedem zehnten Unternehmen wird es genutzt, und wenn, dann nur in Einzelfällen. Das ergab eine Ifo-Umfrage unter knapp 1000 Personalleitern im Auftrag des Zeit­-
arbeitskonzerns Randstad.

Grund für das Eingreifen der Politik war, dass laut Statistischem Bundesamt Frauen im Schnitt immer noch 21 Prozent weniger brutto pro Stunde verdienen als Männer. Zum größten Teil liegt das daran, dass sie oft in Branchen mit niedrigen Löhnen sowie in Teilzeit arbeiten. 6 Prozent des Lohnunterschieds sind so aber nicht zu erklären.

Daher sollten Frauen ein Auskunftsrecht bekommen, ob ihre Kollegen besser dran sind als sie. Allerdings sollten kleinere Betriebe nicht überfordert werden, und das Gehalt des Einzelnen sollte geheim bleiben. Daher müssen nur Betriebe mit über 200 Mitarbeitern Auskunft geben und auch nur, wenn mindestens sechs Beschäftigte des anderen Geschlechts eine vergleichbare Tätigkeit ausüben. Außerdem entsteht kein Rechtsanspruch auf eine höhere Bezahlung; sie müsste mit dem Arbeitgeber ausgehandelt oder eingeklagt werden.

Interessanterweise berichten auch die Personalchefs in kleineren Betrieben, dass sie um Auskunft gebeten werden, was nur freiwillig möglich ist. In jedem zweiten Unternehmen unter 50 Beschäftigten gibt es Lohnunterschiede, dagegen nur in jedem dritten ab 500 Mitarbeitern.

„Insgesamt sieht es so aus, als ob das Entgelttransparenzgesetz seine beabsichtigte Wirkung verfehlt hat“, so das Urteil des Ifo. Zumindest zwei Befürchtungen hätten sich allerdings nicht bewahrheitet: Es sorgte weder für Unfrieden unter den Mitarbeitern noch für großen bürokratischen Aufwand. Und 3 Prozent achten jetzt bei Neueinstellungen auf eine gerechtere Entlohnung.

Das Bundesfamilienministerium will die Ergebnisse nicht kommentieren, sondern erst im Juli eine Bewertung des Gesetzes vornehmen. Die stellvertretende DGB-­Vorsitzende Elke Hannack kann dem Gesetz zumindest einen positiven Aspekt abgewinnen: Es helfe, ein Tabu zu brechen. „Seit es existiert, wird in Deutschland vermehrt über Gehälter gesprochen.“ Aber durch die Beschränkungen gelte es nicht für zwei Dritel aller erwerbstätigen Frauen. Zudem sollten alle Firmen verpflichtet werden, Diskriminierung bei der Entlohnung zu beseitigen.

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