Milliardäre Jack Ma folgt dem Beispiel Bill Gates

Jack Ma möchte sich Schritt für Schritt bei Alibaba zurückziehen.
Jack Ma möchte sich Schritt für Schritt bei Alibaba zurückziehen. © Foto: imago
Peking / Felix Lee 12.09.2018

Ein Rücktritt ist es zwar nicht. Ein Rückzug auf Raten schon. Chinas Super-Unternehmer Jack Ma (54) hat erklärt, dass er auf den Tag genau in einem Jahr den Vorsitzposten des Alibaba-Imperiums abgeben werde. 2020 wolle er dann auch auf seinen Aufsichtsratsposten verzichten. „Ich werde immer zu Alibaba gehören“, versicherte Ma. Künftig wolle er sich aber mehr als Philantrop betätigen und sich um Bildung kümmern.

Der charismatische, bisweilen auch wunderliche Mehrfachmilliardär hat mit den Handelsplattformen Taobao und Tmall das Konsumverhalten der Chinesen komplett auf den Kopf gestellt. Selbst in den abgelegensten Dörfern lässt sich in wenigen Stunden so ziemlich jede Ware erstehen, die in größeren Mengen hergestellt wird. Der Börsenwert von Alibaba liegt bei 420 Mrd. Dollar.

Doch in letzter Zeit häuften sich die Negativschlagzeilen – der Handelskrieg mit den USA etwa oder der Vorwurf, Alibaba würde nicht ausreichend gegen gefälschte Waren vorgehen. Ma bestreitet jeglichen Zusammenhang seines Rückzugs mit den aktuellen Problemen. Vielmehr schließe sich für ihn ein Kreis. Bildung sei schon immer sein zentrales Anliegen. „Die Welt ist groß und ich bin immer noch jung, also will ich neue Dinge ausprobieren.“ Vielleicht könnten noch neue Träume erfüllt werden?

Tatsächlich wollte Ma in seinen jungen Jahren Englisch-Lehrer werden. Er brauchte mehrere Anläufe, um in seiner Heimatstadt Hangzhou die Hochschulaufnahmeprüfung zu bestehen und ein Englisch-Studium zu beginnen. Ein Job als Übersetzer führte ihn 1995 in die USA.

Ma wusste von vielen Firmen, die Geschäftskontakte zu ausländischen Unternehmen suchten. Doch die sprachlichen Barrieren waren für viele hoch. Er gründete von seinem Wohnzimmer aus die Onlineplattform Alibaba.

Heute ist Jack Ma einer der reichsten Männer Chinas, sein Nettovermögen wird auf rund 36 Mrd. Dollar geschätzt. Das auf Taobao und T-Mall gehandelte Volumen war zeitweise größer als das von Amazon und Ebay zusammen. Mit Musik-, Videostream- und Clouddiensten ist Alibaba ebenso erfolgreich wie mit einem Bezahldienst für Smartphones.

Mit seinem angekündigten ehrenamtlichem Engagement will er zugleich der eigenen Zunft in China ein Zeichen setzen. In keinem Land gibt es so viele Superreiche wie in der Volksrepublik. Die Spendenbereitschaft hält sich dennoch in Grenzen.

 Wofür sich Ma im Bildungssegment konkret einsetzen will, hat er bislang nicht erklärt. In den chinesischen sozialen Medien wird er dennoch bereits als Chinas Bill Gates gefeiert. Der Microsoft-Gründer hatte sich 2008 aus dem operativen Geschäft zurückgezogen und widmet sich seitdem mit seiner Frau Melinda über der von ihnen ins Leben gerufenen Stiftung wohltätigen Zwecken.

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