Immer mehr Beschäftigte arbeiten im Homeoffice. Das geht aus Zahlen des Bundesarbeitsministeriums hervor, die dieser Zeitung vorliegen. Waren es 2015 noch 1,1 Prozent der Arbeitnehmer, die an mindestens fünf Tagen in der Woche von zu Hause aus für ihren Arbeitgeber tätig waren, so stieg ihr Anteil zwei Jahre später auf 1,8.Prozent. Immerhin jeder Zehnte arbeitete 2015 zumindest gelegentlich von zu Hause, in zwei Jahren ein Plus von 2,4 Prozentpunkten. Besonders boomt die Heimarbeit bei Kundenberatern, Kreativen aus der Werbung und Informatikern.

Über die Belastungen, die mit der Arbeit im Homeoffice verbunden sind, gibt es unterschiedliche Einschätzungen. Das Ministerium bewertet flexible Modelle eher positiv und betont, dass Heimarbeiter nach Feierabend ähnlich gut vom Job abschalten können wie Büro-Mitarbeiter.

Dagegen sieht die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung das Arbeiten von zu Hause als Problem. „Selbstbestimmte Arbeitszeiten führen zu mehr Überstunden“, heißt es in einer Studie. Überdies zementierten flexible Arbeitsmodelle – darunter auch Gleitzeit – die klassische Rollenverteilung zwischen Frauen und Männern. Begründung: Väter und Mütter nutzen solche Modelle unterschiedlich; Väter investieren auch zu Hause sämtliche Kraft in den Job, Frauen nehmen sich mehr Zeit für die Kinderbetreuung.

Diese kritische Sicht passt nur bedingt zu den Plänen von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD), der ein Recht auf Homeoffice durchsetzen will. Auch SPD-Chefin Andrea Nahles hatte sich dieser Forderung angeschlossen. Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände hält dagegen Selbstregulierung für den besseren Ansatz.

Studienautorin Yvonne Lott vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut der Hans-Böckler-Stiftung schlägt mehrere Maßnahmen vor, um die Nachteile der Heimarbeit in den Griff zu bekommen. So solle die Zahl der Partner-Monate beim Elterngeld von zwei auf sechs Monate verlängert werden, „um Anreize für Väter zu schaffen, sich stärker in der Kinderbetreuung zu engagieren“. Außerdem favorisiert sie eine „lebenslauforientierte Personalpolitik“: Arbeitgeber sollten ihren Beschäftigten Phasen zugestehen, in denen diese „sich weiterbilden, die Eltern pflegen oder sich um ihre Kinder kümmern“ können. Mit diesen Leitplanken sei ein Recht auf Homeoffice sinnvoll.

Zu mehr Erholungszeit führe die Arbeit im Homeoffice entgegen der weit verbreiteten Meinung nicht, betont Lott. „Einen Freizeitgewinn gibt es weder für Mütter noch Väter.“