Stuttgart / Axel Habermehl  Uhr
Fast alle Bundesländer zahlen erfolgreichen Absolventen von Meisterprüfungen Prämien. Baden-Württemberg lehnt das ab – zur Verärgerung von Handwerkertag und Landtags-FDP.

Der Meistertitel ist in vielen Ausbildungsberufen der höchste Abschluss. Er verspricht gute Verdienstmöglichkeiten, ebnet den Weg in die Selbstständigkeit und ermöglicht es in vielen Branchen erst, Lehrlinge auszubilden. Für Handwerker etwa ist der Titel daher attraktiv. Doch der Weg ist steinig – und teuer. Lehrgänge, Gebühren, das Anfertigen des „Meisterstücks“, dazu der Unterhalt bei Vollzeit-Fortbildungen – all das erfordert nicht nur Zeit und Mühe, sondern auch Geld. Mit Gesamtkosten zwischen 5000 und 10 000 €, je nach Gewerk, rechnet Baden-Württembergs Wirtschaftsministerium.

„Meisterbonus“ für Fachrkäfte

Erfragt hat die Einschätzung die Landtags-FDP. In einem Antrag, der dieser Zeitung vorliegt, legen die Liberalen Ministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) nahe, erfolgreichen Meister-Absolventen eine Prämie zu zahlen. Der „Meisterbonus“ soll dem Fachkräftemangel abhelfen. Doch das Land lehnt vorerst ab: Ob ein junger Mensch die Meister-Fortbildung absolviere, hänge „nicht entscheidend davon ab, ob er nach bestandener Abschlussprüfung eine Prämie erhält“, antwortet das Ministerium. „Es liegen insbesondere keine belastbaren Zahlen vor, wonach die Einführung einer Prämie zu einer erkennbaren Erhöhung der Zahl bestandener Fortbildungsprüfungen geführt hätte.“

Das Ministerium verweist zudem auf das „Aufstiegs-Bafög“ des Bundes: Die Leistungen dieses „Meister-Bafög“ seien „ein substanzielles Förderangebot“. Da Berlin plane, die Förderung zu erhöhen, halte man sich vorerst zurück, auch um keine haushaltsrechtlich unzulässige „Überfinanzierung“ zu schaffen.

FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke findet das „bedauerlich“ und der Handwerks-Experte der Landtags-Liberalen, Erik Schweickert, verweist auf andere Bundesländer: „Insgesamt zwölf Länder gewähren einen Meisterbonus. Drei Länder haben die Prämie erst zum Jahresbeginn beziehungsweise zur Jahresmitte 2019 eingeführt und verlassen sich insoweit nicht auf ungewisse Maßnahmen des Bundes.“

Leistungen in den Bundesländern unterschiedlich

Tatsächlich sind die Leistungen erheblich. 1000 oder 1500 € zahlen die meisten Länder erfolgreichen Absolventen, Bayern erhöht bald auf 2000 €. Gar 4000 € sind es in Niedersachsen und Bremen. Bernd Althusmann (CDU), Niedersachsens Wirtschaftsminister,  erklärt auf Anfrage: „Die Meisterprämie ist eine finanzielle Anerkennung für die bestandene Meisterprüfung und schafft einen echten Anreiz für eine Meisterausbildung im Handwerk.“ Das zeige sich auch daran, dass die Prämie „gut angenommen“ werde. Seit Einführung im Mai 2018 wurden laut Althusmann 2112 Anträge bewilligt. Bayern zahlt den Bonus jährlich sogar rund 30.000 Absolventen und plant dafür 50 Mio. € im Jahr ein.

Wie sieht es in Baden-Württemberg aus?

Für Baden-Württemberg rechnet Oskar Vogel, Hauptgeschäftsführer des Handwerkstags, mit 3400 Absolventen im Jahr, die, so seine Forderung, 1500 € pro Kopf bekommen sollten. Vogels Begründung: „Die Politik muss alles tun, um Gleichwertigkeit zwischen akademischer und beruflicher Bildung herzustellen.“ Schließlich sei ein Hochschulstudium gratis, während Handwerker hohe Lehrgangs- und Prüfungsgebühren zahlen müssen. „Das ist doch ein unglaublicher Zustand“, sagt er.

Das Wirtschaftsministerium betont, das Land habe besonders gut ausgestattete Förderprogramme, „die sich auch und insbesondere an das Handwerk richten“. Da geht es etwa um Beratung und günstige Darlehen für Gründer und Unternehmensnachfolger. Vogel lässt das nicht gelten: „Die Programme sind gut, aber die gibt es in anderen Ländern auch.“ Überhaupt sei der Meisterbonus nur ein Zwischenschritt. Langfristig solle berufliche Bildung komplett kostenfrei sein – wie ein Hochschulstudium auch.

Das könnte dich auch interessieren:

Das Bundesamt klärt Bürgermeister und Landräte über Suchprozess auf und verärgert Umweltverbände. Es ist Protest angekündigt.

Als Edelweiß-Ressort wurde die Abteilung von Staatssekretär Markus Kerber anfangs verspottet. Dabei will er vor allem das Leben auf dem Land verbessern.

Mögliche Kosten der Prämie

Rechnung Rund 3500 Handwerker schaffen in Baden-Württemberg jährlich die Meisterprüfung, außerdem gut 2000 Industrie- und Fachmeister. Ein „Meisterbonus“ von 1000 € pro Person würde das Land also 5,5 Mio. € kosten. Weil wohl auch Absolventen anderer Branchen – Fachwirte, Betriebswirte, Fachkaufleute – bedacht werden müssten, rechnet das Wirtschaftsministerium mit weiteren 9,1 Millionen. Kämen die 4400 Erzieher, 3300 Techniker und rund 1000 Fachhelfer im Gesundheitswesen dazu – also alle, die Anspruch auf „Aufstiegs-Bafög“ haben – würde das jährlich rund 23,3 Mio. € kosten. hab