• Gamestop-Aktie schießt in die Höhe - plus mehr als 430 Prozent
  • Kleinanleger verabreden Push von Aktien angeschlagener Unternehmen
  • Auch Kino-kette AMC betroffen - steigt um mehr als 300 Prozent
  • Facebook-Gruppe wegen Börsen-Absprachen geschlossen
  • US-Kongress schaltet sich ein - welche Konsequenzen drohen jetzt?
Er ist gerade in aller Munde: Der Ausnahmezustand am US-Finanzmarkt. Es geht explizit um den verabredeten Kauf von Aktien des Computerspiele-Unternehmens Gamestop. Kleinanleger schlossen sich, wie schon mehrfach in der Vergangenheit, in Online-Foren und Facebook-Gruppen zusammen, um angeschlagene Unternehmen zu helfen - und selbst ordentlich Geld zu machen. Dabei werden gezielt Aktien eines Unternehmens gekauft und so deren Wert in ungeahnte Höhen katapultiert. Das geschieht in der Regel völlig unerwartet für den Rest der Börsenwelt.

Aktien von Gamestop und AMC legen mehre hundert Prozent zu

Die seit Tagen schon heftigen Kurskapriolen ausgesetzten Papiere des Computerspiel-Händlers Gamestop gingen am Mittwoch mit einem Plus von rund 135 Prozent aus dem Handel. Vergleicht man den Aktienwert im Zeitraum (mitteleuropäischer Zeit) vom 26.1.21 um 16.50 Uhr und dem 28.1.21 um 13.25 Uhr, hat die Gamestop-Aktie um rund 430 Prozent zugelegt - von 73,67 Euro auf 393,10 Euro.
Die Papiere der kürzlich noch als Pleitekandidatin gehandelten weltgrößten Kinokette AMC stiegen um mehr als 300 Prozent.

Entwicklung der Gamestop-Aktie: von unter 3 Dollar auf fast 150 Dollar

Aus Sorge vor wirtschaftlichen Schwierigkeiten waren die Aktien von Gamestop noch 2020 bei einem Rekordtief von 2,57 Dollar zu haben gewesen. Doch seit Mitte Januar kennen die Papiere nur noch eine Richtung - nach oben. Zuletzt wurden die Aktien zum Höchstpreis von knapp 150 Dollar gehandelt. Als maßgeblicher Faktor hinter der Kursrally gilt ein neues Phänomen am US-Aktienmarkt, bei dem sich massenweise Kleinanleger in Foren etwa auf der Chat-Plattform Reddit im Stile von Flashmobs absprechen, um bestimmte Aktien zu kaufen.

Börsen-App Robinhood bringt junge Menschen in der Corona-Krise zum Börsenhandel

Dank eines nicht zuletzt von der Wertpapierhandels-App Robinhood ausgelösten Preiskriegs zwischen Online-Brokern, der die Gebühren massiv hat sinken lassen, hat sich der Aktienhandel in den USA gerade bei vielen Jüngeren während der Corona-Krise zu einer Art Volkssport entwickelt.
Hinzu kommt, dass auch riskantere Transaktionen etwa mit Optionen, bei denen beispielsweise nur Bruchteile des Werts eines Anteilsscheins gehandelt werden, inzwischen viel stärker der breiten Bevölkerung und nicht mehr nur Finanzprofis zugänglich sind.
Nach dem Sturm der Empörung und ersten Klagen von Anlegern, die sich um Kursgewinne gebracht sehen, kündigte Robinhood am Abend des 28.1. an, die Handelsbeschränkungen für die Wertpapiere wieder zu lockern. Die Aktien von Gamestop stiegen daraufhin im nachbörslichen Handel um über 70 Prozent, die von AMC um fast 50 Prozent. Auch die Papiere anderer Unternehmen wie etwa des Smartphone-Pioniers Blackberry, für die ebenfalls Einschränkungen galten, legten kräftig zu. Robinhood-Chef Vlad Tenev erklärte im US-Finanzsender CNBC, die Handelsbeschränkungen seien zum Schutz des eigenen Unternehmens und seiner Kunden beschlossen worden.

Kleinanleger gegen Hedgefonds: Kampf gegen Spekulation auf fallende Börsen-Kurse

So gehört etwa Gamestop zu den Aktien, die jüngst stark auf der Online-Plattform Reddit diskutiert wurden. Ein Hobby der Community ist es zudem, durch konzertierte Aktionen professionelle Investoren aus dem Markt zu drängen, die auf fallende Kurse spekuliert haben. Bei Gamestop kam es zuletzt zu einem regelrechten Kräftemessen mit Hedgefonds, bei dem sich die Kleinanleger zumindest vorerst durchsetzen konnten. Ganz neu ist das Phänomen indes nicht. Bereits seit Jahren gibt es Social-Trading-Plattformen, auf denen sich Nutzer austauschen, um gemeinsam Kaufideen zu entwickeln.

Lage um Gamestop-Aktie nach Aufregung an der Wall Street unter Beobachtung

Die Kursturbulenzen sorgten in der Finanzwelt zur Wochenmitte für große Aufregung, das „Wall Street Journal“ schrieb gar von einem „Krieg“, der zwischen Hedgefonds und Amateurhändlern ausgebrochen sei. Viele Online-Broker hatten angesichts des regen Betriebs am Markt technische Probleme. Forderungen nach einem Handelsstopp wurden laut, um die Lage zu beruhigen. Die Börsenaufsicht SEC teilte mit, die Situation genau im Blick zu haben und kündigte eine Untersuchung an. Eine Sprecherin des Weißen Hauses erklärte beim Presse-Briefing, dass auch ein Team des Finanzministeriums die Lage beobachte.

Tesla-Chef Elon Musk twittert Link zu Reddit-Usern des Gamestop-Aktien-Hypes

Zuletzt soll auch der auf dem Kurznachrichtendienst Twitter sehr präsente Tesla-Chef Elon Musk mit einem Tweet zu Gamestop und einem Link zu den Reddit-Nutzern die jüngste Rally angefacht haben. Analysten warnen derweil, dass der massive Kursanstieg nichts mit der Realität zu tun habe. Experte Jens Rabe etwa meint, der Höhenflug der Gamestop-Aktien schade dem Ansehen der Börse, da der Vorgang als „Zockerei“ wahrgenommen werde. Er fordert sogar ein Durchgreifen der Aufsichtsbehörden, da Aktien kleiner Firmen als Spielball missbraucht werden könnten.