Immer mehr Frauen spielen die erste Geige, und das im wahrsten Sinne des Wortes. Wo es zu Karajans Zeiten noch Streit gab, ob sie bei den Berliner Philharmonikern überhaupt musizieren dürfen, sitzen heute in Konzert- und Opernorchestern knapp 40 Prozent Frauen, Tendenz steigend. Unter den 25- bis 45jährigen Berufsmusikern stellen sie schon die Mehrheit. Die Streichinstrumente sind bereits frauendominiert, während Pauken, Schlagzeug oder Blechbläser noch eine Männerdomäne sind, wie die Deutsche Orchestervereinigung anlässlich des Weltfrauentags am Freitag berichtet.

„Leider gilt noch immer: Je berühmter ein Orchester, desto geringer die Frauenquote“, so die Erfahrung der Interessenvertretung der bundesweit 129 Berufsorchester. Jeder dritte Konzertmeister an der ersten Geige ist eine Frau. Nur bei den Dirigenten sind sie noch rar gesät. Dafür streicht die Vereinigung heraus, dass Frauen genauso viel verdienen wie Männer: Die Tarifverträge unterscheiden nicht zwischen den Geschlechtern. Im Gegensatz zu vielen anderen Bereichen gebe es kein Gender Pay Gap.

Pünktlich zum Weltfrauentag wird die Verdienstlücke der Frauen wieder ein Thema. Im Schnitt liegt ihr Stundenlohn immer noch um 21 Prozent niedriger als der von Männern. Dies ist hauptsächlich ein Problem im Westen, allen voran in Baden-Württemberg, wo der Verdienstabstand 27 Prozent beträgt. In Brandenburg sind es nur 3 Prozent.

Größtenteils ist die Lücke damit zu erklären, dass Frauen häufig Dienstleistungsjobs im sozialen Bereich haben, die schlechter bezahlt werden als etwa in der Industrie. Zudem arbeiten sie häufig in Teilzeit. Klammert man dies aus, bleiben etwa 6 Prozent, die nicht so recht zu erklären sind. Im Vergleich zu Männern verhandelten sie „erwiesenermaßen weitaus schlechter“, verweist Aline Zucco vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) auf Studien. Ihre eigene Erkenntnis: In öffentlichen Unternehmen ist die Lohnlücke „signifikant kleiner“ als in Berufen, die überwiegend in Privatunternehmen ausgeübt werden. Eine mögliche Ursache: Öffentliche Unternehmen bezahlen häufiger nach Tarifvertrag.

Zucco hat die Stundenlöhne nach Berufen unter die Lupe genommen. Ihr Ergebnis: Die Lohnlücke ist in den Berufen besonders hoch, in denen lange Arbeitszeiten üblich sind und wo umso besser gezahlt wird, je länger gearbeitet wird, also in typischen Männerberufen. Als Beispiel nennt sie Unternehmensberatung und Controlling. Dort betrage die Lohnlücke etwa 35 Prozent. In typischen Frauenberufen wie Arzt- und Praxishelferinnen sowie in Pflegeberufen liege sie dagegen unter 5 Prozent.

Es gibt sogar Berufe, in denen Frauen mehr verdienen als ihre männlichen Kollegen: In der Fahrzeug-, Luft-, Raumfahrt- und Schiffbautechnik kommen sie auf 7 Prozent pro Stunde höhere Verdienste. Allerdings arbeiten da nur 3 Prozent Frauen. Das ist allerdings die große Ausnahme. Selbst in typischen Frauenberufen bekommen Männer meist mehr als ihre Kolleginnen.

Fast jede zweite Frau arbeitet in Teilzeit, dagegen nur jeder neunte Mann. Auf den Stundenlohn hat das nicht immer Einfluss: Bei Beschäftigten in der Gesundheits- und Krankenpflege, in Rettungsdiensten und bei der Geburtshilfe liegt er bei etwa 19 € unabhängig von der Zahl der Arbeitsstunden. Dagegen gibt es im Bereich Unternehmensorganisation und -strategie gravierende Unterschiede: Wer auf bis zu 11 Stunden pro Woche kommt, verdient im Schnitt nur 11 €. Ab 37 Wochenstunden sind es mit 28 € mehr als doppelt so viel. Und je höher die Position, desto größer die Probleme: Unter Führungskräften sind sie besonders groß. Für Zucco existiert eine „gläserne Decke“, durch die Frauen nicht hindurchkommen.

Doch zumindest bei den forschenden Pharma-Unternehmen sieht das besser aus, wie ihr Verband VFA betont: Jedes dritte Unternehmen werde von einer Frau geführt. Vor einem Jahr waren es erst 26 Prozent. Über ihr Gehalt ist allerdings nichts bekannt.

Beim US-Softwarekonzern Google verdienen Frauen sogar mehr als Männer, allerdings nur, wenn sie als Ingenieure auf einer mittleren Karrierestufe arbeiten. Ihr Grundgehalt ist niedriger, aber sie erhalten mehr Bonus.

Die Lohnlücke