Ulm / Moritz Clauß  Uhr
Elektro-Tretroller sind ab Samstag in Deutschland erlaubt. Zwei Modelle wurden schon genehmigt, weitere sollen folgen. Wir erklären, was Käufer jetzt wissen müssen.

Klein, mobil, schnell: Elektro-Tretroller prägen das Stadtbild vieler europäischer Metropolen. Umweltfreundlicher als Autos sollen sie sein – und handlicher als ein Fahrrad. Ab Samstag sind E-Scooter auch in Deutschland erlaubt.

3 Prozent der Deutschen wollen sich auf jeden Fall einen E-Tretroller kaufen, über 30 Prozent denken darüber nach, zeigt eine repräsentative Umfrage von YouGov im Auftrag des Beratungsunternehmens Swiss Life Select. Aber welche Modelle sind genehmigt? Wo bekommt man sie? Wir geben Antworten auf die wichtigsten Fragen:

Welche E-Tretroller sind erlaubt?

Für E-Scooter gelten im Straßenverkehr strenge Vorgaben: Die technisch mögliche Höchstgeschwindigkeit muss bei 20 Stundenkilometern liegen. Außerdem ist eine maximale Leistung von 500 Watt vorgeschrieben. Licht und Bremse sind Pflicht.

Die Elektro-Scooter „Metz Moover“ und „BMW X2City“ darf man in Deutschland bereits fahren. Andere Modelle stehen den Herstellern zufolge kurz vor der Genehmigung durch das Kraftfahrt-Bundesamt. Die Unternehmen müssen für jeden E-Scooter eine Allgemeine Betriebserlaubnis beantragen.

Bevor sie bald ins Verkehrsgeschehen rollen, üben Fahrer von E-Tretrollern lieber vorher und machen sich mit deren Fahreigenschaften vertraut.

Große Räder und gute Leistung sind wichtig

Wo kann ich einen E-Scooter kaufen?

Am besten ist es, den Tretroller beim Händler auszuprobieren, empfiehlt Friedhelm Schwicker, Pressesprecher der Prüfgesellschaft Dekra. Viele Hersteller bieten auf ihrer Website eine Händlersuche an. Auch online kann man die Scooter bestellen.

Auf jeden Fall sollte man laut Schwicker darauf achten, dass der E-Tretroller eine Betriebserlaubnis hat. Media Markt, Saturn und zahlreiche Online-Shops verkaufen unter anderem E-Tretroller, die schneller als 20 km/h fahren können. Diese Modelle dürfen nicht über öffentliche Wege und Straßen rollen.

Worin unterscheiden sich die Rollermodelle?

Vor dem Kauf sollte man wissen, wofür man den Elektroroller nutzen möchte, empfiehlt Leopold Holzapfel, Messtechniker im Testcenter des Technikmagazins Chip. „Will ich das Ding herumtragen oder ist es mir egal, wenn es mehr Platz wegnimmt?“ Wichtige Unterschiede gibt es laut Holzapfel auch beim Bremsverhalten. Beim Fahren bieten große, mit Luft gefüllte Reifen einen Vorteil. „Damit kann man gefahrlos kleinere Gegenstände überfahren“, erklärt Friedhelm Schwicker. Günstigere Tretroller haben meist kleine Vollgummireifen.

Die Reichweite vieler E-Scooter liegt bei etwa 20 Kilometern. Die tatsächliche Reichweite der Roller hängt aber stark vom Gewicht des Fahrers ab, sagt Schwicker. Auch bei der Leistung müssen Kunden aufpassen: „Wenn man an einem Hang wohnt, muss man ausprobieren, ob der E-Tretroller die Gefällstrecke schafft.“

Die Hoffnung von Herstellern, Verleihern und Händlern hängt bei Marcel Hutfilz an einer Wand. Zusammengeklappt, mit zwei Rädern.

Lohnt sich der Kauf schon?

Die verfügbaren Geräte von BMW (2399 Euro) und Metz (1998 Euro) sind vergleichsweise teuer. Billige Einstiegsmodelle gibt es schon ab rund 200 Euro. Sie haben aber alle noch keine Betriebserlaubnis. Die Hersteller des „Egret-Ten V4“ (1649 Euro) und des „Sparrow Legal“ (779 Euro) geben an, dass ihre Geräte kurz vor der Genehmigung stehen. Kunden sollten sich aber nicht auf diese Versprechen verlassen, sagt Leopold Holzapfel. „Ich würde auf alle Fälle erst mal abwarten.“

Ökobilanz bei Leihrollern fragwürdig

Braucht man eine Versicherung?

Ja. Jeder E-Tretroller benötigt eine Kfz-Haftpflichtversicherung. Vom Versicherer erhält man eine Plakette, die auf den Roller geklebt werden muss. Einige Versicherungen bieten schon einen Tarif für die elektrischen Tretroller an, darunter die Huk-Coburg, die DEVK und der LVM. Die Kosten liegen bei rund 30 Euro pro Jahr.

Darf man E-Scooter in Bus und Bahn mitnehmen?

Das entscheidet der jeweilige Verkehrsverbund. Im Fernverkehr der Deutschen Bahn dürfen Fahrgäste ihren zusammenklappbaren E-Tretroller kostenlos mitnehmen.

Wird es in Deutschland Leihroller geben?

Mehrere E-Scooter-Verleiher stehen hierzulande in den Startlöchern. Der US-amerikanische Anbieter Lime bestätigte auf Nachfrage der SÜDWEST PRESSE, dass er noch 2019 in allen größeren Städten und Regionen aktiv werden will.

Was ist besser: kaufen oder leihen?

Eine Fahrt mit einem elektrischen Leihscooter bei Lime kostet 1 Euro Grundgebühr plus 15 Cent pro Minute. Finanziell kann es also sinnvoll sein, sich kein eigenes Gerät zu kaufen. Die Lebensdauer der Leihgeräte scheint aber kurz zu sein. Laut einer Datenanalyse des US-amerikanischen Newsletter-Anbieters Oversharing hält ein Leihroller in Louisville (Kentucky) im Schnitt nur 28 Tage. Im Internet kursieren Videos von Menschen, die Leihscooter umtreten oder in Flüsse werfen. Die Ökobilanz dürfte bei einem hochwertigen Kaufroller besser sein.

Wo darf man E-Scooter fahren?

E-Scooter dürfen nur auf Radwegen oder Fahrradstreifen fahren. Wenn es keinen Radweg gibt, gilt wie für Fahrräder: ab auf die Straße.

Wer darf fahren?

Jeder, der mindestens 14 Jahre alt ist. Eine Mofa-Prüfbescheinigung ist nicht erforderlich.

Gibt es eine Helmpflicht?

Nein. Der ADAC und das Bundesverkehrsministerium empfehlen Fahrern von E-Tretrollern aber, einen Helm zu tragen.

E-Scooter: Vier Modelle im Vergleich

Metz Moover

  • Betriebserlaubnis: Sondergenehmigung des Kraftfahrt-Bundesamtes
  • Gewicht: 16 kg
  • Reichweite laut Hersteller: bis zu 25 km
  • Leistung: 250 Watt
  • Preis: 1998 Euro

BMW X2City

  • Betriebserlaubnis: Sondergenehmigung des Kraftfahrt-Bundesamtes
  • Gewicht: 20 kg
  • Reichweite laut Hersteller: mind. 20 km
  • Leistung: 250 Watt
  • Preis: 2399 Euro

Egret-Ten V4

  • Betriebserlaubnis: wird beantragt
  • Gewicht: 17 kg
  • Reichweite laut Hersteller: bis zu 40 km
  • Leistung: 500 Watt
  • Preis: 1649 Euro

IO Hawk Sparrow-Legal

  • Betriebserlaubnis: wird beantragt
  • Gewicht: 12,5 kg
  • Reichweite laut Hersteller: mind. 25 km
  • Leistung: 250 Watt
  • Preis: 779 Euro

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