Als nicht nur, aber auch in der Folge der arbeitsmarkt- und wirtschaftspolitisch richtigen Hartz-Reformen die Zahl der Beschäftigten in Deutschland rauf und die der Arbeitslosen spiegelbildlich runter ging, wollten viele das Ganze nicht wahrhaben – es passte nicht in ihr politisches Weltbild. Doch das im Ausland bestaunte „German Wunder“ dauerte an.

Daran hat man sich fast schon gewöhnt. Das eigentlich Überraschende meldeten jetzt der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Detlef Scheele, und eine Reihe namhafter Ökonomen zu Beginn des neuen Jahres: Es wird weiter aufwärts gehen mit neuen Jobs und weniger Arbeitslosen.

Das ist überraschend, weil auf dem Arbeitsmarkt ähnliche Gesetze gelten wie beim Bergsteigen: Weiter oben wird die Luft immer dünner. Mit anderen Worten: Bei Vollbeschäftigung, wie sie in Bayern oder Baden-Württemberg weitgehend erreicht ist, ist kaum eine Steigerung mehr drin.

Die ungewöhnlich gute Wirtschaftslage hat sich – Überraschung Nummer zwei – von den weltpolitischen Risiken abgekoppelt. Zumindest weitgehend. Und zumindest bislang noch.

Die Experten streichen dagegen stärker den Fachkräftemangel heraus – als Bedrohung des Jobwunders. Auch das wollen viele – jetzt aus migrationspolitischen Gründen – nicht wahrhaben. Gut möglich, dass auch sie sich täuschen werden.