Bankenstresstest Der simulierte Katastrophenfall

Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) zählt zu den großen Banken in Deutschland.
Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) zählt zu den großen Banken in Deutschland. © Foto: Sebastian Kahnert/dpa
Frankfurt / Rolf Obertreis 03.11.2018

Manche Experten sprechen von einem „Weltuntergangsszenario“, andere davon, dass der Fall kaum eintreten werde: „Das wäre so als ob in ein Haus gleichzeitig der Blitz einschlägt, Feuer ausbricht, alles überflutet und eingebrochen wird und Strom und Heizung ausfallen.“ Angenommen wird faktisch eine wirtschaftliche Katastrophe, die die Welt, die EU, die Eurozone und auch Deutschland ereilt.

Dieses Szenario ist für den jüngsten Stresstest der europäischen Banken zugrunde gelegt. Diesen Notfall müssen sie aushalten, dafür müssen ihre Kapitalrücklagen ausreichen. Wird die Kapitaldecke zu dünn, müssen sie nachlegen. Seit Januar haben die Aufseher der Europäischen Bankenaufsicht (EBA) und der Europäischen Zentralbank (EZB) die Institute gestresst, so wie sie das alle paar Jahre tun.

„Wir gehen von einem wirklich sehr negativen Umfeld für die Banken aus“, gibt ein Aufseher zu. Das ist der simulierte Ernstfall: In der EU bricht die Wirtschaft um 8,3 Prozent ein, in der Eurozone um 2,7 Prozent; die Arbeitslosigkeit in der EU steigt um 3,3 Prozent, die Inflationsrate rutscht ins Minus auf 1,9 Prozent und die Immobilienpreise klettern um 19 Prozent.

Für Deutschland wird ein Rückgang des Sozialprodukts um 3,3 Prozent angenommen. Die Arbeitslosigkeit soll um 10 Prozent nach oben schießen. Und das alles zeitgleich. Mögliche negative Folgen des Brexit sind ausdrücklich nicht einbezogen, seien aber durch das negative Szenario durchaus berücksichtigt, heißt es bei der EBA. Außen vor bleiben auch Cyberrisiken.

Die Bedingungen seien härter als 2015 beim letzten Test sagt ein Aufseher und räumt ein, dass das Szenario doch sehr unwahrscheinlich sei. Erkenntnisse über die Lage und Widerstandsfähigkeit der Sparkassen und Volksbanken bringt der Test nicht.

Für deutsche Banken ist der Test härter als für Institute in anderen EU-Ländern. Grund ist unter anderem die hohe Exportabhängigkeit. Außerdem wird ein stärkerer Konjunktureinbruch angenommen als etwa in Italien (minus 2,7 Prozent), Frankreich (minus 1,5) oder in Spanien (minus 0,7). Dazu gab es Neuerungen gegenüber früheren Tests. Banken können Zinseneinnahmen aus faulen Krediten als Einnahmen geltend machen. Zum Teil würden bei solchen Krediten tatsächlich noch Zinsen gezahlt, heißt es in Bankenkreisen.

Deutsche Banken können mit solchen Einnahmen, im Gegensatz etwa zu italienischen Instituten, nicht punkten, weil sie kaum faule Kredite mehr in ihren Büchern haben. Auch Staatsanleihen spielen keine besondere Rolle, was wiederum italienischen Instituten zugute kommt, weil sie auf einem großen Batzen von Anleihen ihres Landes sitzen, deren Wert stark schwankt und eher nach unten zeigt. Allerdings ist es ohnehin schwierig, die Ergebnisse der Banken miteinander zu vergleichen, weil die Stressszenarien unterschiedlich sind.

Die Aussagekraft des Stresstests ist umstritten. „Es geht nicht um die generelle Widerstandsfähigkeit der Banken“, sagt ein Aufseher. Aber er erlaube eine Einschätzung der Widerstandsfähigkeit. Man könne damit vorausschauend Risiken erkennen, die sonst nicht erkennbar wären.

 Auch LBBW dabei

Aus 15 EU-Ländern kommen die 48 Banken, die getestet wurden. Acht deutsche sind darunter: Bayerische Landesbank, Commerzbank, Deutsche Bank, DZ Bank, Landesbank Baden-Württemberg, Landesbank Hessen-Thüringen, Norddeutsche Landesbank und die NRW.Bank.

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