Der Druck der Autokonzerne auf die Zulieferer  nimmt seit Jahrzehnten zu. Vor diesem Hintergrund hört sich die Ausage des neuen Mercedes-Einkaufschefs Wilko Stark wie eine Drohung an: „Wir müssen effizienter werden.“ Vor Journalisten kündigte Stark unlängst an, dass der Stuttgarter Autohersteller sein  Lieferantennetzwerk internationaler ausrichten wird.

Wie die gesamte Autoindustrie treiben auch den Stuttgarter Konzern vier Megathemen um: die Vernetzung von Fahrzeugen, autonomes Fahren, E-Mobilität und Mobilitätsdienstleistungen. Bis zum Jahr 2025 soll laut Stark ein Viertel der neuen Mercedes-Fahrzeuge elektrisch angetrieben werden, bis 2030 sollen es 37,5 Prozent sein.

China spielt in dieser Entwicklung aus zwei Gründen eine entscheidende Rolle:  zum einen als größter Automarkt; zum anderen, weil die chinesischen Unternehmen bei den vier Zukunftsthemen führend sind. Damit wächst die Bedeutung der chinesischen Zulieferer. Zudem wird Mercedes einen höheren Anteil seines Einkaufsbudgets in zweistelliger Milliardenhöhe in China ausgeben. Auch sei ein verstärktes Scouting von Lieferanten und Innovationen in China geplant, sagte Stark. Mit der Zusammenarbeit mit lokalen Lieferanten will Daimler sich auch von Handelskonflikten unabhängig machen. Der Druck auf heimische Zulieferer wächst noch aus einem weiteren Grund: E-Autos sind in der Produktion teurer als Verbrenner. Module und Baukastenlösungen gewinnen für Daimler an Bedeutung, um Kosten zu sparen.

„Angesichts dieser Veränderungen müssen Mittelständer im Südwesten aktiv werden“, sagt der Stuttgarter Strategieberater Hans-Andreas Fein. Diese sähen sich vielfach nur als Teilelieferant, nicht aber als strategischer Partner für Technologie, obwohl sie genau das wären. Dabei gelte es auch die Frage zu klären, ob sie beispielsweise mit einem eigenen Werk den Herstellern nach China und Mexiko folgen oder sich dort Partner aufbauen, sagt Fein. „Die Zulieferer müssen proaktiv handeln. Wer nichts unternimmt, wird auf Dauer von einem chinesischen Unternehmen ersetzt.“