Geld Bargeld wird noch nicht knapp

Mitarbeiter von Prosegur: Der Sicherheitsdienstleister ist Marktführer im Geld- und Wertransport.
Mitarbeiter von Prosegur: Der Sicherheitsdienstleister ist Marktführer im Geld- und Wertransport. © Foto: Rust/Imago
Berlin / Dieter Keller/Rolf Obertreis 03.01.2019

Nur wenige Geldautomaten spuckten am gestrigen Mittwoch keine Scheine aus, weil der Nachschub fehlte. Dabei beteiligten sich nach Verdi-Angaben bundesweit rund 3000 Geldtransporter-Fahrer an einem Warnstreik der Dienstleistungsgewerkschaft. Sie wollten Druck machen vor der fünften Verhandlungsrunde für die rund 11 000 Beschäftigten des Geldtransportgewerbes am Donnerstag und Freitag in Berlin.

Verdi-Verhandlungsführer Arno Peukes sprach von einem „starken Signal an die Arbeitgeber, endlich ein verhandlungsfähiges Angebot vorzulegen“. Die Sprecherin der Bundesvereinigung Deutscher Geld- und Wertdienste (BDGW), Silke Wollmann, meint dagegen: „Flächendeckend halten sich die Auswirkungen für die Verbraucher in Grenzen.“

Verdi will die Arbeitsniederlegungen am heutigen Donnerstag fortsetzen. Die Arbeitgeber kann das nicht schrecken: „Es gibt keine Bargeldknappheit im Handel oder überlaufende Tresore in den Supermärkten – auch nicht bei drei Streiktagen“, sagte Wollmann. Auch die Deutsche Kreditwirtschaft hatte keine Anhaltspunkte für größere Auswirkungen. Die Banken hatten vorgesorgt, da sich der Streik abgezeichnet hatte.

Er ist ein Musterbeispiel für die Probleme von Verdi im Dienstleistungsbereich: Obwohl die Beschäftigten eher schlecht bezahlt sind, ist der Organisationsgrad gering. Peukes schätzt, dass in den größeren Unternehmen 20 bis 40 Prozent der Mitarbeiter Gewerkschaftsmitglieder sind. Auch Nichtmitglieder hätten sich am Warnstreik beteiligt, versuchte er, die Erfolge von Verdi herauszustreichen.

Mitglied im BDGW sind 33 Unternehmen. Sie decken über 80 Prozent des Marktes ab, schätzt Wollmann. Damit sind sie an die Tarifverträge gebunden. Derzeit variieren die Stundenlöhne je nach Bundesland. Am besten wird in Nordrhein-Westfalen bezahlt. Dort gibt es im Geld- und Werttransport 16,53 €, wobei es sich um Anlernjobs handelt, auch wenn die Mitarbeiter Waffen tragen. In Baden-Württemberg und Bayern sind es 15,33 €. Am niedrigsten sind die Löhne in Ostdeutschland mit 12,64 €. Für die Geldbearbeitung werden etwa 2 € weniger gezahlt. Hinzu kommen Zuschläge für Nachtarbeit sowie für Überstunden.

In den Tarifverhandlungen geht es insbesondere um eine bundesweit einheitliche Bezahlung. Daher sind die Auswirkungen in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich. Die BDGW hatte ursprünglich eine Angleichung innerhalb von fünf Jahren angepeilt. Zuletzt bot sie bis zu 9,4 Prozent Erhöhung in zwei Jahren an, in Baden-Württemberg allerdings nur zweimal 2,2 Prozent. Verdi forderte zuletzt in diesem und im nächsten Jahr jeweils 1,50 € pro Stunde mehr.

Die rund 2500 gepanzerten Spezialfahrzeuge bewegen nach Angaben von Hauptgeschäftsführer Harald Olschok täglich rund 3 Mrd. € in Scheinen und Münzen. Sie holen das Geld bei Filialen der Bundesbank ab oder bringen es dort hin. Die Geld-Transporteure beliefern Banken, bestücken im Auftrag von Banken und Sparkassen Geldautomaten und bringen Scheine und Münzen zum Einzelhandel und holen sie von dort wieder ab.

Außerdem haben die Geld- und Werttransportunternehmen schon vor Jahren Aufgaben der Bundesbank übernommen: Ihre Beschäftigten sortieren und ­zählen in „Cash-Zentren“ Scheine und Münzen, sortieren schlechte aus. Sie bündeln Banknoten und fassen Münzen entsprechend den Vorgaben in Rollen zusammen. Nicht zuletzt prüfen sie Banknoten und Münzen auf Echtheit.

Gut 100 Euro im Portemonnaie

Die Deutschen bevorzugen weiter Bargeld. Sie holen sich Scheine am Geldautomaten und zahlen häufig im Supermarkt, an der Tankstelle oder im Restaurant bar. Nach Angaben der Bundesbank hatten die Bundesbürger 2017 im Schnitt 107 € in Scheinen und Münzen im Portemonnaie. Jeder hebt im Schnitt 7374 € pro Jahr ab, also rund 140 € pro Woche.

Gemessen am Umsatz wurde 2017 noch fast die Hälfte der Waren und Dienstleistungen bar beglichen. Legt man die Zahl der Transaktionen zugrunde, waren es 74 Prozent. otr

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